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Die Handlungsoptionen bezogen auf die Regionen
zielen darauf ab, Ansätze zur Einsparung von
Treibhausgasemissionen zu bündeln, Synergieeffekte
zu nutzen und branchenübergreifende Netzwerke zu
bilden:
• Die Tourismusverbände müssen den Klimaschutz
als weiteres Handlungsfeld erkennen und bearbei-
ten.
• Regionale Anpassungen auf Destinationsebene er-
fordern die Zusammenarbeit und Mitwirkung unter-
schiedlicher Partner.
• Die Entwicklung geeigneter Anpassungsstrategien
sollte auch die Lebensqualität der einheimischen
Bevölkerung miteinbeziehen und ökologische, öko-
nomische und soziale Aspekte beachten.
• Den Regionen kommt im Hinblick auf die Kom-
munikation eine zusammenführende und ordnende
Funktion zu. Regional können auch Schwerpunkte,
wie etwa eine vegane Skidestination, besser nach
außen vermittelt werden.
• Kommunen und andere Organisationsstrukturen
sollten bei regionalen oder destinationsübergreifen-
den Initiativen intensiv miteingebunden werden.
13.2.4 Anpassungs-
und Vermeidungsmaßnahmen
durch die Destination Österreich
Flankierende Maßnahmen auf nationaler und europäischer
Ebene sind über die Maßnahmen auf der Destinationsebene
hinaus unbedingt erforderlich. Dies gilt insbesondere im Be-
reich Verkehr, wo durch entsprechende Besteuerung und die
Bereitstellung von öffentlichen Verkehrsmitteln wesentliche
Rahmenbedingungen für die Anpassung einerseits und neue
Produktentwicklung andererseits geschaffen werden können.
Die persönlichen Abwägungsentscheidungen der Reisenden
werden von der Entwicklung dieses Angebotes wesentlich
abhängen.
Auf nationaler Ebene werden vor allem Marketing und
Außendarstellung der Urlaubsregion Österreich wesentlich
beeinflusst. Der Klimawandel und entsprechende Anpas-
sungsstrategien lassen sich hier bislang noch nicht erkennen.
Auch in diesen Bereichen sind die Darstellungen und die Ver-
marktung nach außen in Einklang mit der oben beschriebenen
Vision kritisch zu überprüfen und anzupassen.
Auf nationaler Ebene können darüber hinaus weitere ho-
heitliche Lenkungsmaßnahmen in Betracht gezogen werden.
Beispielhaft sind hier eine ökologische Steuerreform mit
dem mittelfristigen Ziel einer vollständigen Internalisierung
externer Kosten sowie eine nationale Förderpolitik genannt, die die Transformation hin zu einer nachhaltigen, klimascho-
nenden Entwicklung finanziell unterstützt und für Betriebe
bzw. Regionen die Umstellung erleichtert bzw. wirtschaftlich
möglich macht (Mundt 2011). In diesem Zusammenhang ist
es erforderlich, dass das Wirtschaftssystem, in das der Touris-
mus eingebunden ist, insgesamt auf einen klimaverträglichen
Kurs gebracht wird.
Um die nationalen Anstrengungen zur Vermeidung und
Anpassungen zu fördern, können zusammenfassend folgende
Ansätze erforderlich werden:
Die nationalen Handlungsoptionen zielen darauf ab,
die Rahmenbedingungen durch Wirtschaftsförderung,
Besteuerung oder öffentliche Angebote (z. B.
Mobilität) so zu beeinflussen, dass Anreize zur
Einsparung von Treibhausgasemissionen entstehen
und die Eigeninitiativen auf regionaler, lokaler und
persönlicher Ebene gefördert werden:
• Lenkungs- und Steuerungsmaßnahmen könnten auf
eine Internalisierung der externen Kosten beim Rei-
sen hinwirken.
• Die nationale Transformation hin zu einer nachhal-
tigen, klimaschonenden Entwicklung sollte auf allen
Ebenen gefördert werden.
• Das nationale Außenmarketing sollte gezielt an die
Vision des „Paris Lifestyle“ angepasst werden. Dazu
gehört auch eine bevorzugte Bewerbung Österreichs
in näher liegenden Räumen und weniger im Fern-
reisemarkt.
• Einführung von Kennwerten zur Erfassung der
Emissionsbelastung bzw. Nachhaltigkeit im Bereich
des Tourismus.
13.3 Spezifische Strategien
und konkrete Handlungsoptionen
Der vorliegende Bericht kann nicht die Vielzahl der Mög-
lichkeiten abbilden, die zur Anpassung an den Klimawandel
denkbar sind. Der Abschn. 1.2 hat bereits aufgezeigt, auf wel-
chen Ebenen und in welcher Weise wichtige Impulse gesetzt
werden können. Zum Abschluss des Berichts widmen wir uns
daher spezifischen Strategien und daraus ableitbaren Hand-
lungsoptionen, die sich speziell an die Politik und Personen
auf der Entscheidungsebene wenden.
Aus wissenschaftlicher Sicht lassen sich sechs Felder von
Handlungsoptionen unterscheiden (vgl. Mostegl 2020 und
Abb. 13.2), von denen jedes für sich seine Berechtigung und
spezielle Anwendungsgebiete hat. Die methodischen Heran-
gehensweisen unterscheiden sich jedoch in ihrer Wirkungs-
weise und Effizienz. Nachstehend sind diese Handlungsfelder
13 Ableitung von Handlungsoptionen 231
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Tourismus und Klimawandel
- Title
- Tourismus und Klimawandel
- Authors
- Ulrike Pröbstl-Haider
- Dagmar Lund-Durlacher
- Marc Olefs
- Franz Prettenthaler
- Publisher
- Springer Spektrum
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-662-61522-5
- Size
- 21.0 x 28.0 cm
- Pages
- 263