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Tourismus und Klimawandel
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gilt umso mehr, als in Österreich der Einfluss ausländischen Kapitals im Tourismus noch eine weit geringere Rolle spielt als etwa in der Schweiz, wo seit Langem eine zunehmende Abhängigkeit von Finanzierungen von außerhalb festgestellt und kritisiert wird (Kulmann und Schegg 2012). 13.3.3 Instrumente der verhaltensbezogenen Ökonomie und Psychologie Die Verhaltensökonomik (syn. Verhaltensökonomie oder Wirt- schaftspsychologie) ist ein noch relativ junges Forschungsfeld, in der Schnittmenge von Ökonomie und Psychologie. Im Mit- telpunkt steht die Auseinandersetzung mit menschlichen Ent- scheidungen. Untersucht werden psychologische, kognitive, emotionale, kulturelle und soziale Einflussfaktoren wirtschaft- licher Entscheidungen, die einzelne Personen, aber auch In- stitutionen treffen. Darüber hinaus geht es darum, zu verstehen, warum von erwarteten Entscheidungen oder von Verhalten ab- gewichen wird, das „vernünftigerweise“ anzunehmen gewesen wäre (Brekke und Johansson-Stenman 2008; Klege et al. 2018; Stabauer et al. 2018). Die Verhaltensökonomik basiert auf öko- nomischem Wissen und integriert dabei psychologische Er- kenntnisse. Vielfach geht es in diesem Zusammenhang um die spezifische Abwägung wirtschaftlicher Aspekte mit anderen in- dividuellen Präferenzen, persönlichen Vorurteilen, anderen Ei- genschaften eines Produkts oder alternativen Vorgehensweisen. Von der Verhaltensökonomik inspirierte Instrumente zur Beein- flussung von Verhalten (wie hier der Klimawandelanpassung) zielen daher darauf ab, „das Verhalten der Menschen auf vor- hersehbare Weise zu ändern, ohne Optionen zu verbieten oder ihre wirtschaftlichen Anreize wesentlich zu ändern“ (Thaler und Sunstein 2008; Benartzi et al. 2017). Nach Saghai (2013) bieten sich verschiedene verhaltensökonomische Instrumente an, die im Zusammenhang mit der Klimawandelanpassung An- wendung finden könnten. Hierzu gehören die Überprüfung von Handlungsoptionen und Fragestellungen wie: welche Folgen der Verlust von Wahlmöglichkeit hätte, ob und inwieweit die Konfrontation mit ungünstigeren Bedingungen das Verhalten beeinflussen würde oder ob das Auslösen kognitiver Prozesse bei einer Person Verhaltensänderungen bewirken könnte. Zu den dabei häufig getesteten Auslösern gehören kontrollierende Aktivierungsmechanismen, eher abschreckende (negative) monetäre Anreize, entsprechende positive finanzielle Anreize, aber auch Instrumente, die sich einer rationalen Überzeugungs- strategie bedienen. Zu den häufig eingesetzten Forschungsmethoden gehört das Choice-Experiment (diskretes Entscheidungsexperiment oder diskretes Auswahlexperiment), das es ermöglicht, Wahl- entscheidungen differenziert zu untersuchen (Lancaster 1971; Louviere et al. 2000). Das Choice-Experiment, das in der Re- gel in einem Fragebogen zur Anwendung kommt, ist eine Aus- wahl- bzw. entscheidungsbasierte Methode zur Analyse von Präferenzen. Die Befragten werden dabei gebeten mehrfach eine Auswahlentscheidung aus verschiedenen Alternativen oder Szenarien zu treffen. Jedes der Szenarien ist durch eine Reihe von Eigenschaften (Attributen) beschrieben. Durch die ökonometrische Analyse dieser vielen Auswahlentscheidun- gen kann der relative Einfluss jedes Attributs auf das Auswahl- verhalten bestimmt werden. Ist eine der Eigenschaften ein zu zahlender Geldbetrag, kann auch die Zahlungsbereitschaft der Befragten abgeschätzt werden. Entwicklungen, wie • die Notwendigkeit, komplexe Sachverhalte zu unter- suchen, • das Interesse an Entwicklungsoptionen, Szenarien und Risiken sowie • die Berücksichtigung neuer Unsicherheiten (u. a. im Zusammenhang mit dem Klimawandel), unterstützen von der inhaltlichen Seite das Interesse an Me- thoden wie dem Choice-Experiment, das in vielen komplexen Forschungsfeldern zur Anwendung kommt (Bateman et al. 2002; Hensher et al. 2005; de Groot und Hein 2007; Pröbstl- Haider 2016). Wenn es darum geht, die Attraktivität neuer Angebote he- rauszuarbeiten, die Zahlungsbereitschaft von Gästen zu ana- lysieren, den Einfluss von gesellschaftlichen Diskursen oder die Auswirkungen medialer Berichterstattungen zu Risiken und Gefahren beim Urlaub im Berggebiet dazustellen, dann könnten jeweils Methoden der Verhaltensökonomik erfolg- reich eingesetzt werden. Die Fragestellungen in Abb. 13.8 und Abb. 13.9 eignen sich besonders gut, um mit diesen Me- thoden analysiert zu werden. Mit Beantwortung dieser Fragen würden dann auch die Grundlagen geschaffen, um zu erforschen, wie sich die Treib- hausgasbilanz des österreichischen Tourismus durch eine der- artige Entwicklung verändern würde. Ein weiteres Beispiel für den Einsatz von Instrumenten, die Abwägungsentscheidungen beinhalten und die Verhal- tenspräferenzen untersuchen, ergibt sich auch im Bereich Wellness, Fitness und Gesundheit. In diesem Bereich ist mit einer zunehmenden Nachfrage zu rechnen, denn bereits heute sind für rund 40 % der Gäste das persönliche Wohlbefinden und entsprechende Angebote zu Bewegung, Entspannung und Wellness ein wichtiger Teil ihrer Reise (Reinhardt 2019). In diesem Zusammenhang ergeben sich Forschungsfragen im Blick auf die daraus resultierenden Energiekosten, Ab- wägungsentscheidungen vor allem von kleineren Betrieben und mögliche Anpassungsstrategien nicht nur von Betrieben, sondern auch von Kommunen oder Destinationen. Lösungs- ansätze könnten in neuen Produktentwicklungen (etwa eine gemeinsame Wellnessanlage für eine Reihe kleinerer Betriebe sowie die einheimische Bevölkerung), der Investition in er- neuerbare Energiequellen ebenso bestehen wie in einer Um- Globale Entwicklung und nationale Verpflichtungen236
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Tourismus und Klimawandel
Title
Tourismus und Klimawandel
Authors
Ulrike Pröbstl-Haider
Dagmar Lund-Durlacher
Marc Olefs
Franz Prettenthaler
Publisher
Springer Spektrum
Date
2021
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-662-61522-5
Size
21.0 x 28.0 cm
Pages
263
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