Web-Books
in the Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Tourismus und Klimawandel
Page - (000247) -
  • User
  • Version
    • full version
    • text only version
  • Language
    • Deutsch - German
    • English

Page - (000247) - in Tourismus und Klimawandel

Image of the Page - (000247) -

Image of the Page - (000247) - in Tourismus und Klimawandel

Text of the Page - (000247) -

rade in diesem Bereich der Bedarf an moderierten Lösungen besonders hoch ist. Moderation wird im Gegensatz zur formalen Planung mit festgelegten Beteiligungsprozessen als eher „weiches“ Instrument zur Förderung der Anpassung angesehen. Die Moderation und Facilitation hilft bestehende Barrieren zu überwinden, Prozesse zu vereinfachen und Lösungen außer- halb bestehender Strukturen herbeizuführen. Auch wenn – oder vielleicht auch weil – die Ergebnisse des Aushand- lungsprozesses rechtlich nicht bindend sind, können sie oftmals mehr bewegen, als wenn verbindliche Instrumente vorgeschrieben worden wären. Nach Grotenbreg und van Buuren (2017) setzt Facilitation darauf, das Eigenengage- ment nichtstaatlicher Akteure zu „erleichtern“. Das bedeutet, dass Kompetenzen und Steuerungsaufträge dem Moderati- onsprozess und der Selbstorganisation gesellschaftlicher Akteure übertragen werden. Entsprechende Lösungen sind immer dann besonders erfolgreich, wenn bestimmte An- forderungen beachtet werden (Danielzyk und Sondermann 2018). Dazu gehören ein hohes Maß an Flexibilität und si- tuationsgerechter Anpassung bei der Vorgehensweise sowie eine gezielte Einbeziehung umsetzungsrelevanter Akteure. Von entscheidender Bedeutung ist auch, dass der Prozess nicht durch zu viele Vorgaben und Wünsche der beteiligten Parteien belastet wird. Im Falle von moderierten und ausver- handelten Lösungen ergibt sich eine Verbindlichkeit in der Regel aus der Selbstbindung der Akteure im Prozess. Dieses Instrument ist jedoch nur dann erfolgreich, wenn der Dialog und die Umsetzungsorientierung im Mittelpunkt stehen und im Vorfeld als Ziel vereinbart wurden. Erfolgreiche Prozesse sind weiterhin durch Verfahrensregeln gekennzeichnet, die sich die beteiligten Akteure oder Stakeholder in der Regel selbst gegeben haben. In Österreich übernehmen in vergleichbarer Weise zum Beispiel die Klima- und Energiemodellregionen (KEM) und Klimawandelanpassungsregionen (KLAR!) entsprechende Aufgaben. So setzen im Jahr 2019 insgesamt 95 österreichi- sche Klima- und Energiemodellregionen in 819 Gemeinden selbstständig lokal ausverhandelte Klimaschutzprojekte um. Allerdings erwies sich ihr Beitrag im Bereich Tourismus bis- her als eher gering, wie eine Analyse von Salak (2016) zeigt. Bei den Klimawandelanpassungsregionen unterstützt der Klima- und Energiefonds seit 2017 insgesamt 44 Regionen dabei, sich frühzeitig auf die Herausforderungen des Klima- wandels einzustellen. Ziel ist es, ein regionales Anpassungs- konzept zu entwickeln und anschließend umzusetzen. Auch touristische Belange sollen, wie die Informationsveranstal- tungen hierzu zeigen, Berücksichtigung finden. Ergebnisse liegen hierzu jedoch noch nicht vor. Entsprechende Aushandlungsprozesse könnten erforderlich und erfolgreich eingesetzt werden, wenn es beispielsweise um die Umlegung der Energiekosten für die technische Beschnei- ung geht (vgl. dazu auch Fragestellungen in Abb. 13.13). Diese stellt zwar eine wichtige technische Anpassung für die Skiregion dar, wird bislang jedoch meist nur von den Berg- bahnen getragen, obschon ein erheblicher Nutzen für andere touristische Betriebe, den Einzelhandel u. v. a. besteht. Auch Lösungen im Zusammenhang mit Hitzeperioden und bestimmten Outdooraktivitäten müssen vor Ort entwickelt werden und erfordern die Zusammenarbeit verschiedener lokaler Akteure. Die Vorgehensweise und Form der jeweiligen Betei- ligungs- und Moderationsprozesse müssen der konkreten Aufgabenstellung angepasst werden. Auch die Mitgestal- tungsmöglichkeiten der Stakeholder müssen unter anderem im Zusammenhang mit der Anzahl der Beteiligten, dem zur Verfügung stehenden Zeit- und Kostenrahmen, dem Thema und der Art des zu erzielenden Ergebnisses individuell ange- passt werden (Bischoff et al. 2005). 13.3.6 Bewusstseinsbildung und Information Der Weg zum „Paris Lifestyle“ erfordert eine Bewusstseins- änderung als Grundlage für Verhaltensänderungen und An- passungen. Eine Voraussetzung dafür bildet auch der Zugang zu adäquater, aktueller, vollständiger und leicht verständli- cher Information zu diesem Thema. Nach Steurer (2013) stel- len Bewusstseinsbildung und Information die Basis für eine sanfte Regulierung und Intervention hin zu Anpassungs- und Vermeidungsmaßnahmen dar. Als wesentliche und erfolg- reiche Instrumente gelten in diesem Zusammenhang Unter- stützungsbekundungen, Benchmarkingberichte, Broschüren, Leitlinien, Websites und Medienkampagnen. Mostegl (2019) Abb. 13.13 Bei steigenden Kosten für die Beschneiung sind Aushandlungsprozesse von Bedeutung Was wäre, wenn die Energiepreise deutlich steigen und die Kosten für flächig beschneite Pisten sich entsprechend erhöhen? Aktuelle Forschungsergebnisse zeigen bereits eine hohe Preissensibilität der Skifahrerinnen und Skifahrer (Pröbstl-Haider &Flaig, 2019; Pröbstl-Haider &Mostegl, 2019). Können die steigenden Kosten für die Beschneiung durch Einkünfte aus der Energieerzeugung zum Beispiel mit Hilfe der Beschneiungsanlage in den Sommermonaten ganz oder teilweise durch die Seilbahn aufgefangen werden? Können die erhöhten Kosten durch Skipass-Preiserhöhungen aufgefangen werden oder erfordern diese eine Beteiligung zum Beispiel von Nächtigungsbetrieben? Sind Verlagerungen der Gästeströme in eine in den Hochlagen meist schneereichere Spätwinterzeit (April) möglich? 13 Ableitung von Handlungsoptionen 241
back to the  book Tourismus und Klimawandel"
Tourismus und Klimawandel
Title
Tourismus und Klimawandel
Authors
Ulrike Pröbstl-Haider
Dagmar Lund-Durlacher
Marc Olefs
Franz Prettenthaler
Publisher
Springer Spektrum
Date
2021
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-662-61522-5
Size
21.0 x 28.0 cm
Pages
263
Web-Books
Library
Privacy
Imprint
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Tourismus und Klimawandel