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rade in diesem Bereich der Bedarf an moderierten Lösungen
besonders hoch ist.
Moderation wird im Gegensatz zur formalen Planung
mit festgelegten Beteiligungsprozessen als eher „weiches“
Instrument zur Förderung der Anpassung angesehen. Die
Moderation und Facilitation hilft bestehende Barrieren zu
überwinden, Prozesse zu vereinfachen und Lösungen außer-
halb bestehender Strukturen herbeizuführen. Auch wenn
– oder vielleicht auch weil – die Ergebnisse des Aushand-
lungsprozesses rechtlich nicht bindend sind, können sie
oftmals mehr bewegen, als wenn verbindliche Instrumente
vorgeschrieben worden wären. Nach Grotenbreg und van
Buuren (2017) setzt Facilitation darauf, das Eigenengage-
ment nichtstaatlicher Akteure zu „erleichtern“. Das bedeutet,
dass Kompetenzen und Steuerungsaufträge dem Moderati-
onsprozess und der Selbstorganisation gesellschaftlicher
Akteure übertragen werden. Entsprechende Lösungen sind
immer dann besonders erfolgreich, wenn bestimmte An-
forderungen beachtet werden (Danielzyk und Sondermann
2018). Dazu gehören ein hohes Maß an Flexibilität und si-
tuationsgerechter Anpassung bei der Vorgehensweise sowie
eine gezielte Einbeziehung umsetzungsrelevanter Akteure.
Von entscheidender Bedeutung ist auch, dass der Prozess
nicht durch zu viele Vorgaben und Wünsche der beteiligten
Parteien belastet wird. Im Falle von moderierten und ausver-
handelten Lösungen ergibt sich eine Verbindlichkeit in der
Regel aus der Selbstbindung der Akteure im Prozess. Dieses
Instrument ist jedoch nur dann erfolgreich, wenn der Dialog
und die Umsetzungsorientierung im Mittelpunkt stehen und
im Vorfeld als Ziel vereinbart wurden. Erfolgreiche Prozesse
sind weiterhin durch Verfahrensregeln gekennzeichnet, die
sich die beteiligten Akteure oder Stakeholder in der Regel
selbst gegeben haben.
In Österreich übernehmen in vergleichbarer Weise zum
Beispiel die Klima- und Energiemodellregionen (KEM) und
Klimawandelanpassungsregionen (KLAR!) entsprechende
Aufgaben. So setzen im Jahr 2019 insgesamt 95 österreichi-
sche Klima- und Energiemodellregionen in 819 Gemeinden
selbstständig lokal ausverhandelte Klimaschutzprojekte um.
Allerdings erwies sich ihr Beitrag im Bereich Tourismus bis-
her als eher gering, wie eine Analyse von Salak (2016) zeigt.
Bei den Klimawandelanpassungsregionen unterstützt der Klima- und Energiefonds seit 2017 insgesamt 44 Regionen
dabei, sich frühzeitig auf die Herausforderungen des Klima-
wandels einzustellen. Ziel ist es, ein regionales Anpassungs-
konzept zu entwickeln und anschließend umzusetzen. Auch
touristische Belange sollen, wie die Informationsveranstal-
tungen hierzu zeigen, Berücksichtigung finden. Ergebnisse
liegen hierzu jedoch noch nicht vor.
Entsprechende Aushandlungsprozesse könnten erforderlich
und erfolgreich eingesetzt werden, wenn es beispielsweise um
die Umlegung der Energiekosten für die technische Beschnei-
ung geht (vgl. dazu auch Fragestellungen in Abb. 13.13).
Diese stellt zwar eine wichtige technische Anpassung für die
Skiregion dar, wird bislang jedoch meist nur von den Berg-
bahnen getragen, obschon ein erheblicher Nutzen für andere
touristische Betriebe, den Einzelhandel u. v. a. besteht.
Auch Lösungen im Zusammenhang mit Hitzeperioden und
bestimmten Outdooraktivitäten müssen vor Ort entwickelt
werden und erfordern die Zusammenarbeit verschiedener
lokaler Akteure.
Die Vorgehensweise und Form der jeweiligen Betei-
ligungs- und Moderationsprozesse müssen der konkreten
Aufgabenstellung angepasst werden. Auch die Mitgestal-
tungsmöglichkeiten der Stakeholder müssen unter anderem
im Zusammenhang mit der Anzahl der Beteiligten, dem zur
Verfügung stehenden Zeit- und Kostenrahmen, dem Thema
und der Art des zu erzielenden Ergebnisses individuell ange-
passt werden (Bischoff et al. 2005).
13.3.6 Bewusstseinsbildung und Information
Der Weg zum „Paris Lifestyle“ erfordert eine Bewusstseins-
änderung als Grundlage für Verhaltensänderungen und An-
passungen. Eine Voraussetzung dafür bildet auch der Zugang
zu adäquater, aktueller, vollständiger und leicht verständli-
cher Information zu diesem Thema. Nach Steurer (2013) stel-
len Bewusstseinsbildung und Information die Basis für eine
sanfte Regulierung und Intervention hin zu Anpassungs- und
Vermeidungsmaßnahmen dar. Als wesentliche und erfolg-
reiche Instrumente gelten in diesem Zusammenhang Unter-
stützungsbekundungen, Benchmarkingberichte, Broschüren,
Leitlinien, Websites und Medienkampagnen. Mostegl (2019)
Abb. 13.13 Bei steigenden
Kosten für die Beschneiung
sind Aushandlungsprozesse von
Bedeutung Was wäre, wenn die Energiepreise deutlich steigen und die Kosten für flächig beschneite Pisten sich
entsprechend erhöhen? Aktuelle Forschungsergebnisse zeigen bereits eine hohe Preissensibilität
der Skifahrerinnen und Skifahrer (Pröbstl-Haider &Flaig, 2019; Pröbstl-Haider &Mostegl, 2019).
Können die steigenden Kosten für die Beschneiung durch Einkünfte aus der Energieerzeugung
zum Beispiel mit Hilfe der Beschneiungsanlage in den Sommermonaten ganz oder teilweise
durch die Seilbahn aufgefangen werden?
Können die erhöhten Kosten durch Skipass-Preiserhöhungen aufgefangen werden oder
erfordern diese eine Beteiligung zum Beispiel von Nächtigungsbetrieben?
Sind Verlagerungen der Gästeströme in eine in den Hochlagen meist schneereichere
Spätwinterzeit (April) möglich?
13 Ableitung von Handlungsoptionen 241
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Tourismus und Klimawandel
- Title
- Tourismus und Klimawandel
- Authors
- Ulrike Pröbstl-Haider
- Dagmar Lund-Durlacher
- Marc Olefs
- Franz Prettenthaler
- Publisher
- Springer Spektrum
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-662-61522-5
- Size
- 21.0 x 28.0 cm
- Pages
- 263