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Weitere Handlungsoptionen erfordern planerische Instru-
mente und moderierte Prozesse. In diesem Zusammenhang
spielt nicht nur die Planung in großem räumlichen Maßstab,
sondern auch die Entwicklung neuer touristischer Produkte
und die kreative Gestaltung einzelner Bausteine eine wichtige
Rolle:
• Für den Städtetourismus sind Anpassungsmaßnahmen
in der Städteplanung (z. B. zur Reduktion von Hitze-
inseln) fĂĽr die touristische Anpassung und Angebots-
entwicklung erforderlich. Verstärkte Kommunikation
und Austausch zwischen diesen Sektoren sind dabei
wichtig. Dies gilt insbesondere fĂĽr die Integration mit
der Verkehrsplanung beziehungsweise den lokalen
Verkehrsbetrieben.
• Ein wichtiges Planungs- und Steuerungselement stellen
Zertifizierungen dar. Sie bilden vielfach einen Anreiz fĂĽr
die Umsetzung von klimaschonenden MaĂźnahmen.
• Ein Wiederaufleben der klassischen „Sommerfrische“
infolge des Klimawandels wäre für Anbieter „alpiner
Wellness“ vorteilhaft. Um am Markt erfolgreich zu sein,
sind allerdings eine Differenzierung des Angebots –
weg von dem starken Fokus aus das Thema Wasser und
hin zu einem ganzheitlicheren Wellnessbegriff – sowie
Spezialisierung (z. B. auf eine bestimmte Zielgruppe)
und Innovation (z. B. Schaffung kreativer Angebote und
Packages) notwendig.
• Handlungsoptionen für Gastronomiebetriebe können
auch auf einer neuen, innovativen Planung ihres
Speisenangebots basieren, bei dem durch verstärkte
Nutzung von regionalen, biologisch und saisonal
produzierten Lebensmitteln ein größeres Angebot
vegetarischer beziehungsweise veganer Speisen
erreicht sowie die Reduzierung und Weiterverwertung
von Lebensmittel- und Verpackungsabfällen erzielt
wird. Dies trägt zu einer Reduktion der Treibhausgase
ebenfalls bei.
Von zentraler Bedeutung sind auch die Bewusstseinsbildung
und Klimawandelwahrnehmung. Die FĂĽlle der Anpas-
sungsmaĂźnahmen sollte daher in eine Vision eingebunden
werden. Wichtige Handlungsempfehlungen betreffen fol-
gende Bereiche:
• Um die Ziele des Pariser Klimaabkommens zu erreichen,
sollte ein möglichst emissionsarmer Lebensstil („Paris
Lifestyle“), inklusive klimaschonenden Reisens, pro-
pagiert und entsprechende Angebote sollten geschaffen
werden.
• Die Bewusstseinsbildung bei Anbietern und Nachfragen-
den fĂĽr verkehrsreduzierende Tourismusformen sollte
eine stärkere Beachtung finden. • Die Steigerung der Akzeptanz von nichtmotorisierten
und öffentlichen Mobilitätsangeboten für An- und Ab-
reise und vor Ort sollte durch Bewusstseinsbildung und
Information angestrebt werden.
• Eine transparente klimarelevante Information bei der
Buchung, aber auch vor und während der Konsumation
(z. B. Kennzeichnung des TreibhausgasfuĂźabdrucks fĂĽr
Gerichte) könnte zur Bewusstseinsbildung und Ver-
haltensänderung beitragen.
• Im Blick auf zahlreiche Aktivitäten im Sommer sollte
ein mediales FrĂĽhwarnsystem (bezogen auf Hitze,
Gewitter und Starkregen) eingerichtet werden, um
Anpassungsmaßnahmen der Betriebe und Gäste zu er-
möglichen.
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter spielen bei der Um-
setzung der MaĂźnahmen eine wichtige Rolle und mĂĽssen
entsprechend ausgebildet sein. Deshalb sind entsprechende
Schulungen und Weiterbildung unumgänglich.
13.4.4 Forschungsbedarf
Es ist derzeit noch ungewiss, ob der Klimawandel die Po-
sition des österreichischen Tourismus im internationalen
Wettbewerb verbessern oder verschlechtern wird. Tendenziell
zählt Österreich im Sommer zu den Gewinnern, im Winter zu
den Verlierern. Es besteht in verschiedenen Bereichen jedoch
Bedarf nach weiterfĂĽhrender Forschung.
• Die Forschungsförderung ist eine wichtige Aufgabe der
öffentlichen Hand und sollte im Hinblick auf das Thema
Klimawandel und Tourismus durch kompetitive, öffent-
liche Ausschreibungen gezielt eingesetzt werden.
• Forschungsbedarf besteht für umfassende Studien zu den
Treibhausgasemissionen des österreichischen Tourismus
sowie der Reisen der Ă–sterreicher ins Ausland.
• Forschungsdefizite bestehen im Hinblick auf den Einsatz
von Methoden. Dies gilt besonders fĂĽr die Verhaltens-
ökonomik, die sich ganz besonders für die Politik-,
Destinations- und Unternehmensberatung eignet, weil
Vorgehensweisen und mögliche Reaktionen voraus-
gedacht und zielgruppenspezifische Ergebnisse vorgelegt
werden können.
• Im Gegensatz zu den Aktivitäten im Winter bestehen bei
den Sommeraktivitäten in vielen Bereichen erhebliche
Forschungsdefizite.
• Aus dem Report und den vorliegenden Erkenntnissen
lassen sich zahlreiche zu vertiefende Forschungsfrage-
stellungen ableiten. Sie bilden eine Grundlage fĂĽr weiter-
gehende wissenschaftliche Arbeiten in diesem Gebiet.
Globale Entwicklung und nationale
Verpflichtungen246
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Tourismus und Klimawandel
- Title
- Tourismus und Klimawandel
- Authors
- Ulrike Pröbstl-Haider
- Dagmar Lund-Durlacher
- Marc Olefs
- Franz Prettenthaler
- Publisher
- Springer Spektrum
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-662-61522-5
- Size
- 21.0 x 28.0 cm
- Pages
- 263