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132 Alejandro López Álvarez
notation der Tragevehikel. Dieser Punkt geht auch deutlich aus Argumenten hervor, die
Ratsmitglieder zur Unterstützung des Verbots ins Feld führten. Neben anderen Nachteilen
habe man auch erkannt, dass
der seit einigen Jahren zu beobachtende exzessive und ungeordnete Gebrauch von Trag-
sesseln durch Männer jeden Alters, der ohne jegliche Notwendigkeit und nur zum reinen
Vergnügen erfolgt, anstößig ist und zu Exzessen und Konfusion geführt hat. Dadurch ge-
riet die lobenswerte und notwendige Übung im Reiten in Vergessenheit.163
Die Verordnung schrieb vor, dass
kein Mann, egal welchen Alters, Ranges oder Standes er auch sei, ohne eine von uns erteilte
schriftliche Lizenz im Tragsessel befördert werden darf.
Zuwiderhandelnde wurden nach einer Schonfrist, die sechzig Tage nach Veröffentlichung
der Verordnung endete, mit einer Strafe bedroht, die in der Beschlagnahmung des Trag-
sessels sowie einer Geldbuße in der Höhe von 20.000 Maravedís bestand.164 Der „Institu-
tionalisierungsprozess“ begann damit faktisch mit Anfang 1605 und dauerte bis ungefähr
1635. Im Folgenden wollen wir besonders die Jahre zwischen 1605 und 1621 eingehend
analysieren. Dieser Zeitraum lässt sich in zwei Abschnitte gliedern, da das Jahr 1611 einen
Einschnitt mit sich brachte. Damals wurde nämlich ein „Institutionalisierungsprozess“ für
Kutschen in Gang gesetzt, was wiederum die Umsetzung des Gesetzes von 1604 erheblich
beeinflusste165 (Abb. 7).
163 „El excesso y desorden que ay en andar en silla de mano los hombres de todas las edades, sin necesidad,
ni otra causa alguna, por solo su regalo, que de pocos años a esta parte se a introduzido, siendo cosa tan
indecente, y que por ello se va olvidando el loable y necesario exercicio de los cavallos“. Premática en
que se prohibe andar a los hombres en silla de mano, BNE, VE 40-75, unfol. Die am 27. Oktober
1604 im nahe Valladolid gelegenen Ventosilla unterzeichnete Verordnung wurde am 30. Oktober
in Valladolid veröffentlicht.
164 „[…] ningun hombre de qualquier edad, calidad y condicion que sea, pueda andar ni ande en silla
de manos, si no fuere teniendo licencia nuestra por escrito y no en otra manera“. Premática en que se
prohibe andar a los hombres en silla de mano, BNE, VE 40-75, unfol. Zum Vergleich: Die Ge-
hälter von in Madrid tätigen Maurern schwankten in den ersten Jahrzehnten des 17. Jahrhunderts
zwischen 3 und 4¼ Reales pro Tag, wobei ein Real 34 Maravedís entsprach. Die Höhe der Strafe
kam demnach etwa dem Lohn für circa 140 bis 198 Arbeitstage gleich.
165 Zu den Lizenzen sind einige Erläuterungen notwendig: Unser Quellenkorpus basiert für den Zeit-
raum von 1604 bis 1621 auf unterschiedlichen Archivbeständen. Ein Teil umfasst Bittgesuche, die
an die Kammer von Kastilien gerichtet waren. Ein kleinerer Teil davon befindet sich in Madrid
im AHN, Consejos, Legs. 4417–4422. Eine größere Zahl an Bittschriften, die auch reichere In-
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren
Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
- Title
- Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren
- Subtitle
- Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
- Author
- Mario Döberl
- Editor
- Alejandro López Álvarez
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20966-9
- Size
- 17.5 x 24.7 cm
- Pages
- 432
- Categories
- Geschichte Vor 1918