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Tragsessel in der spanischen Monarchie des 16 und 17 Jahrhunderts 139
ser Begünstigten gute Beziehungen zum Hof, was sich etwa für Felipe Montenegro y So-
tomayor nachweisen lässt, einen Einwohner von Pontevedra, der mit dem renommierten
Diplomaten Sarmiento de Acuña verkehrte und der wohl nicht zuletzt deshalb eine zwei-
jährige Lizenz zugesprochen bekam.193 Gegen Ende des Jahres 1608 kam der König zu der
Ansicht, dass die Zahl der ausgestellten Lizenzen unangemessen hoch sei. Dieser Meinung
verlieh er anlässlich der Erteilung einer Lizenz an Pedro Alderete de Haro, einen Bewohner
Salamancas, Ausdruck, der sich laut eigenen Angaben aufgrund einer schweren Erkran-
kung weder zu Pferd noch in der Kutsche fortbewegen konnte. Der König forderte anläss-
lich dieses Falls seine Räte auf, bei den Ratssitzungen größeren Eifer bei der Überprüfung
der Anträge an den Tag zu legen.194 Die Vorgänge rund um die „Institutionalisierung“ der
Kutschen führten jedoch zu einem verstärkten Interesse an Tragsessellizenzen und in der
Folge auch zu einer Zunahme der ausgestellten Lizenzen.
Tatsächlich lässt sich ab dem Jahr 1611 ein solcher Anstieg beobachten. Zwischen 1611
und 1621, in jenen Jahren, denen wir nun besonderes Augenmerk schenken wollen, wur-
den 280 Lizenzen erteilt. Zu Beginn dieses Zeitraums schwankte die Zahl der jährlich
ausgestellten Lizenzen relativ stark. Im Jahr 1611 wurden mehr als vierzig registriert, in den
Jahren 1612 und 1613 hingegen weniger als zwanzig – auch wenn bekannt ist, dass 1613 wei-
tere Lizenzen vergeben wurden, allerdings ging das entsprechende Quellenmaterial dazu
verloren. Schon 1614 erhöhte sich die Zahl wieder auf mehr als dreißig. In der Folgezeit
wurden bis 1620 jährlich stets mehr als zwanzig Lizenzen vergeben. Ab 1620 sank diese
Zahl dann rasch ab. Nach einer in den frühen 1620er Jahren erreichten Talsohle lässt sich
wieder ein Anstieg verzeichnen. Bis Mitte der 1630er Jahre wurden schließlich insgesamt
rund 500 bis 600 Tragsessellizenzen vergeben.
Die 280 im Zeitraum zwischen 1611 und 1621 erteilten Lizenzen geben eine solide Basis
für eine soziale Einordnung der Lizenzempfänger. Wie bereits im vorhergehenden Zeit-
abschnitt waren auch nun viele der Begünstigten Träger von Adelstiteln, allerdings verdrei-
fachte sich die Zahl der für sie bestimmten Lizenzen auf dreiunddreißig. Zahlreiche Ver-
treter dieser Gruppe, nämlich einundzwanzig, bekleideten entweder Ämter im Hofstaat
des Königs beziehungsweise der Königin oder in den Räten der Monarchie. Angehörige
des königlichen Hofstaats waren neben Pedro Lasso de la Vega, Conde de Arcos, Hof-
Nr. 120; 1609 August 23; AHN, Consejos, Leg. 4418, Nr. 112; 1610 Januar 18; AHN, Consejos,
Leg. 4419, Nr. 9.
193 1608 Oktober 4; AHN, Consejos, Leg. 4418, Nr. 140; BPR, II/2109, doc. 161.
194 „[…] mirese en q vengan ciertas estas relaciones de fuera y esto se haga assi“. 1607 Dezember 8; AHN,
Consejos, Leg. 4418, Nr. 259.
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Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren
Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
- Title
- Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren
- Subtitle
- Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
- Author
- Mario Döberl
- Editor
- Alejandro López Álvarez
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20966-9
- Size
- 17.5 x 24.7 cm
- Pages
- 432
- Categories
- Geschichte Vor 1918