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Tragsessel in der spanischen Monarchie des 16 und 17 Jahrhunderts 157
lichster Art eingehoben wurden. Zwar war die Idee, Kutschen zu besteuern, in den Cortes
auch zuvor schon mehrmals zur Sprache gebracht worden,382 jedoch stets ohne Folgen nach
sich zu ziehen. Dies änderte sich erst im Dezember 1635, als bei der Debatte rund um
die Durchsetzung der sogenannten „Neun-Millionen-Steuer“ die Procuradores, die stets
nach neuen Finanzierungsmöglichkeiten Ausschau hielten, den Antrag mit aufnahmen,
Männern den Gebrauch von Kutschen, Sänften und Tragsesseln gesetzlich zu untersagen.
Gleichzeitig sollte das Verbot aber in bestimmten Fällen aufgehoben werden, nämlich „für
Personen, denen es aufgrund ihrer Würde, ihres Dienstes, ihres Alters oder aufgrund von
Gebrechlichkeit gegen eine einmalige Zahlung von 100 Dukaten in Silberdublonen gestattet
sein muss“, die betroffenen Vehikel zu verwenden.383 Das Inkrafttreten der Verordnung wurde
für die nächstfolgende Zeit in Aussicht gestellt. Tatsächlich wurde sie schon bald darauf in
Sevilla, Valladolid und anderen Städten veröffentlicht, nicht jedoch in Madrid, wo höhere
Einnahmen zu erzielen gewesen wären. Dies schränkte die Wirksamkeit der gesetzlichen
Maßnahme erheblich ein. Die Verordnung traf von Anbeginn an auf Widerstand. Zu ihren
Gegnern zählte nicht zuletzt der Procurador del estado eclesiástico, der sich über das, was er
als „neue Steuer“ bezeichnete, heftig beklagte. Selbst der Rat von Kastilien wandte sich am
27. Januar mit kritischen Worten an den Monarchen:
Den Gesetzen und Verordnungen, die im königlichen Namen Eurer Majestät erlassen wer-
den und die dem allgemeinen Wohl der Republik dienen sollen, müssen die Prinzipien
Dauerhaftigkeit und Akzeptanz zugrunde liegen. Da es aber den Anschein hat, als ob dieser
Beschluss des Königsreichs nicht das Verbot von Kutschen, Sänften und Tragsesseln bezwe-
cke, sondern den Verkauf von Lizenzen zu einem bestimmten Preis, ist es nicht angebracht,
ein gesetzliches Verbot zu erlassen, das vor seinem Inkrafttreten bereits über den Preis seiner
Übertretung informiert.384
382 Actas de las Cortes de Castilla 1861–2006 (wie Anm. 76), Bd. 49, S. 483, Bd. 50, S. 22, Bd. 54, S.
464.
383 „[…] en las perssonas a quien se deve permitir por su dignidad exercicio hedad o enpedimentos pagando
100 ducados en plata doble por una vez“. Actas de las Cortes de Castilla 1861–2006 (wie Anm. 76),
Bd. 55, S. 181 f., 197.
384 „Las leyes y Pragmáticas q autoriça el Rl nombre de VM y se encaminan al vien universal de la Repú-
blica deven tener por uno de los principales atributos la perpetuidad y observancia y ansí pareçe q siendo
el fin q el Reyno a tenido en este acuerdo no la prohivición de los coches literas y sillas, sino el bender por
çierto preçio las Liçençias no será conveniente promulgar una ley prohibitiva q antes de pronunciarse
tenga prevenido el precio de la transgresión“. AHN, Consejos, Leg. 51.438/1.
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Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren
Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
- Title
- Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren
- Subtitle
- Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
- Author
- Mario Döberl
- Editor
- Alejandro López Álvarez
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20966-9
- Size
- 17.5 x 24.7 cm
- Pages
- 432
- Categories
- Geschichte Vor 1918