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158 Alejandro López Álvarez
Das Vorgehen sorgte für heftige Debatten im Rat, auf die wir hier nicht weiter einge-
hen können. Zwar sollte das Verbot schließlich nicht in Kraft treten,385 jedoch lässt sich
nachweisen, dass damals der Verkauf von Lizenzen einsetzte. Auch wenn die Datenlage zu
diesem Phänomen äußerst dürftig ist, deuten dennoch einige Informationen darauf hin,
dass verschiedene Personen mit dem Privileg ausgestattet wurden, Kutschenlizenzen zu
verkaufen, wobei hier besonders der Conde de Castrillo hervorzuheben ist.386 Ein analoges
Privileg für den Verkauf von Tragsessellizenzen erhielt Fernando Pizarro im Jahr 1635.387
Der Verkauf von Kutschenlizenzen lässt sich auch für das darauf folgende Jahrzehnt beob-
achten.388 In Anbetracht des großen Interesses und der erheblichen Schwierigkeiten, in den
Genuss entsprechender Lizenzen zu gelangen, liegt die Vermutung nahe, dass viele Perso-
nen, denen zuvor eine Genehmigung für die Benutzung von Tragsesseln oder Kutschen
versagt geblieben war, nun danach strebten, mittels Zahlung eines Geldbetrages derartige
Vehikel legal zu benutzen. Während der Verkauf von Lizenzen voranschritt, nahmen die
Debatten darüber kein Ende, auch wenn nach Abschluss des „Institutionalisierungsprozes-
ses“ keine der widerstreitenden Parteien mit ihrer Position die Oberhand gewann.
Im Jahr 1637 stellte der Conde-Duque de Olivares in einer Consulta hinsichtlich Kut-
385 Auch der Schriftsteller Quevedo sprach das Scheitern der gesetzlichen Maßnahme in einem
Schreiben vom 22. Januar 1636 an: „Paguen, que es muy justo, los poltrones que se mecen y arrullan las
panzas“. Kurz darauf hielt er fest, dass die Verordnung an vielen Orten veröffentlicht worden war,
nicht jedoch in Madrid. Luis Astrana Marín, Epistolario completo de D. Francisco de Quevedo.
Edición crítica (con anotaciones, apéndices, documentos inéditos y una acabada bibliografía) (Ma-
drid 1946), S. 282 f., 374.
386 Erwähnt sei die Lizenz, die er an den Príncipe de Mélito, Duque de Pastrana, verkaufte, die diesem
1636 gestattete, nach Belieben und frei von jeglicher Strafe „eine oder mehrere von zwei oder vier
Maultieren gezogene Kutschen zu fahren oder mit sich zu führen, wenn diese ihm gehören, sowie
Kutschen mit zwei oder vier vorgespannten Pferden sowie Sänften und Tragsessel“ zu verwenden
(„[…] pueda ruar y traer uno/ o más coches de dos o quatro mulas siendo propias suyas […] coches de
dos/ o quatro cavallos literas y sillas de manos“). Zudem durfte „alles, oder auch nur ein Teil davon,
nach Belieben verliehen werden, selbst in seiner Abwesenheit, ohne dass Einwände oder Behin-
derungen seitens der Justiz befürchtet werden müssen“ („[…] prestarlo todo/ o parte dello como
quissiere aunqueste aussente de su cassa sin que ningunas justiçias se lo impidan ni estorven“). AHN
Nobleza, Osuna, Leg. 1977, Nr. 35/2.
387 Siehe dazu Luis Vázquez Fernández, Memoria de Gracias que Puede otorgar Don Fernando
Pizarro, del Consejo de Castilla, en Virtud de la Comisión que de su Majestad Felipe IV tiene (De
un documento inédito). In: Coloquios Históricos de Extremadura (2000), Weblink: http://www.
chdetrujillo.com/memoria-de-gracias-que-puede-otorgar-don-fernando-pizarro-del-consejo-de-
castilla-en-virtud-de-la-comision-que-de-su-majestad-felipe-iv-tiene-de-un-documento-inedito/
(letzter Zugriff: 16.08.2016). Zu diesen Gracias zählte die Erlaubnis, Lizenzen für den Gebrauch
von Kutschen und Tragsesseln zu verkaufen.
388 López Álvarez 2007 (wie Anm. 1), S. 269–277.
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren
Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
- Title
- Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren
- Subtitle
- Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
- Author
- Mario Döberl
- Editor
- Alejandro López Álvarez
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20966-9
- Size
- 17.5 x 24.7 cm
- Pages
- 432
- Categories
- Geschichte Vor 1918