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Tragsessel in der spanischen Monarchie des 16 und 17 Jahrhunderts 163
chen Schneider wurden bestraft und das damit eingekleidete Dienstpersonal mit einer Geld-
strafe von 6000 Maravedís und zweijähriger Verbannung belegt.398
Die in der Verordnung von 1657 vorgesehene zweijährige Frist schien den Verantwortli-
chen unmittelbar vor ihrem Ablauf zu kurz, weshalb in einer Ratssitzung vom 19. Septem-
ber 1659 eine Fristverlängerung gefordert wurde, „um die Kosten, die durch die Anschaf-
fung neuer Kutschen, Tragsessel und Sänften zwangsweise entstehen würden, zu vermei-
den.“ Das geltende Verbot für die Herstellung neuer Vehikel sollte jedoch seine Gültigkeit
behalten. Der König stimmte dieser Forderung zu, und die Frist wurde bis Ende des Jahres
1661 verlängert, damit die durch das Gesetz verbotenen Vehikel noch einige Zeit weiter
genutzt werden konnten.399 Wie schon in anderen Fällen früherer Zeiten wurde durch
das Herstellungsverbot für luxuriös ausgestattete Vehikel beabsichtigt, ihre Vermehrung zu
verhindern. Durch die Erlaubnis, die bereits vorhandenen Prunkvehikel weiter zu nutzen,
wurden wiederum zusätzliche Ausgaben unterbunden.
Mit Anfang der 1670er Jahre setzte der Kastilische Rat neue Impulse zur Kontrolle von
Luxusausgaben am spanischen Hof. Im Jahr 1671 wurde in Ratssitzungen eine umfassende
Reform der entsprechenden Regelungen für Kleider und andere Objekte in Erwägung ge-
zogen. Der Hof sollte dabei dem gesamten Königreich als Beispiel vorangehen. In zwei ein-
schlägigen Consultas vom 7. Oktober 1671 und 27. April 1672 wurde der schwere Schaden
betont, der in Madrid durch die übermäßig große „Zahl an Lakaien und die Kostspieligkeit
von Kutschen und Tragsesseln“ entstehe. Um den Erfolg der Reform nicht zu gefährden,
plante man allerdings, nicht alle angestrebten Punkte auf einmal umzusetzen, sondern zu-
nächst mit jenen zu beginnen, die aller Voraussicht nach die geringste Unruhe am Hof
hervorrufen würden. Auf eine Anfrage der Königin hin sprach der Rat etwas später die
Empfehlung aus, angesichts der im ganzen Königreich zu beobachtenden Exzesse bei Kleid-
ungen und Festen die Verordnung von 1657 wieder einzuführen. Allerdings, so die Räte,
wäre das Augenmerk dabei auf die tatsächliche Durchsetzung der dort festgelegten Bestim-
mungen zu legen, damit kein schlechtes Licht auf die Gerichtsbarkeit falle. Zwar seien die
Verbote „einige Zeit lang befolgt [worden], bis durch die Unachtsamkeit der zuständigen
Minister eine Auflockerung um sich zu greifen begann.“400 Nachdem die Angelegenheit
fürs Erste im Sand verlaufen war, griff man sie zwei Jahre später erneut auf. Im Februar
1674 fragte die Königin beim Rat an, welche Waren angesichts des unangemessen hohen
398 Premática que su Magestad manda publicar sobre conservacion del contravando, revocación de las
permissiones, prohibición del uso de las mercaderías, y frutos de los Reynos de Francia, Inglaterra,
y Portugal, y reformación de trajes, vestidos, y otras cosas, 1657, BNE, R 23.879 (9).
399 AHN, Consejos, Leg. 7255/ 95.
400 „[…] tubo observançia algún tiempo, hasta que faltando el cuidado de los ministros que la tenían a su
cargo, fue tomando fuerças la relaxaçión“. AHN, Consejos, Leg. 7181, unfol.; ebenda 7137/12.
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Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren
Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
- Title
- Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren
- Subtitle
- Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
- Author
- Mario Döberl
- Editor
- Alejandro López Álvarez
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20966-9
- Size
- 17.5 x 24.7 cm
- Pages
- 432
- Categories
- Geschichte Vor 1918