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Vor 1918
Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren - Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
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188 Attilio Antonelli – Stefano Moscatelli – Ilaria Telesca in unseren Schriftquellen keine Erwähnung findet, soll sie dennoch an dieser Stelle et- was näher besprochen werden, da sie ein Beispiel für ein besonderes Einsatzgebiet einer silla de manos darstellt. Die mostra general bot dem Vizekönig die Gelegenheit, seine volle Identifikation mit der Politik des Hauses Habsburg zur Schau zu stellen (der Herzog war in jenen Jahren persönlich darum bemüht, finanzielle und personelle Ressourcen für die Krone bereitzustellen) und die spanische Machtpräsenz im Königreich zu verkörpern. Die Graphik gibt sowohl spanische als auch italienische Fußtruppen und Kavallerieeinheiten wieder, die in Richtung Küste Salven abschießen. Sie zeigt auch Tribünen, von denen aus das gesamte Geschehen beobachtet werden konnte. Über all dem steht das Wappen des Duque de Alba.19 Im Unterschied zum schlichten Tragevehikel, dessen sich der Vizekönig bei der Parade bediente, waren Tragsessel in ihrer „klassischen“ Form mit einem kuppel- oder tonnen- förmigen Dach versehen und seitlich mit Vorhängen – oder später auch mit Gläsern – ge- schlossen. Es handelte sich dabei um das bevorzugte Fortbewegungsmittel hochrangiger Personen. Der aus Neapel stammende del Tufo erinnerte sich in seinen Versen auch an „tausend“ Tragsessel, die anlässlich eines zeremoniellen Ereignisses eigens für Vertreter der Oberschicht bereitstanden und von Sklaven, Trägern oder Dienern geschultert wurden („mille seggiette a posta accomodate, / sugli omeri portate / da schiavi, d’i facchini o servitori / di quei miei gran signori“20). Fynes Moryson, ein englischer Reisender, der gegen Ende des 16. Jahrhunderts verschiedene Länder Europas besuchte und deren Gebräuche schrift- lich festhielt, merkte zu Neapel überrascht an, dass es in den engen Straßen der Stadt von rundum geschlossenen Tragsesseln nur so wimmelte und dass diese volkstümlich „Seggioli di Napoli“ genannten Vehikel gleich jenen in Genua gestaltet seien.21 19 Giancarlo Alisio/Nicola Spinosa (Hg.), Vedute Napoletane della Fondazione Maurizio e Isa- bella Alisio (Napoli 2001), S. 96–98. Eine ausführliche Beschreibung der Parade findet sich bei Capaccio, der jenes Schreiben wiedergibt, das Gomez de Campo an den königlichen Archi- tekten Giulio Cesare Fontana schickte. Gomez de Campo war ein spanischer Militär, der den Auftrag hatte, einen kurzen Bericht und eine Reihe von Skizzen zu erstellen, womöglich, damit Fontana auf dieser Grundlage das Ereignis darstellen konnte. Vgl. die Edition von „Il forastiero“ von Giulio Cesare Capaccio, hg. von Memofonte (Die Fondazione Memofonte kümmert sich um die Online-Publikation schwer zugänglicher Schrift- und Bildquellen. Die derart heraus- gegebenen Texte werden im vorliegenden Beitrag hinkünftig mit dem Zusatz „Memofonte“ und dem entsprechenden Erscheinungsjahr angegeben. Für weitere Informationen dazu siehe die Internetseite http://www.memofonte.it, letzter Zugriff: 16.08.2016). Giulio Cesare Capaccio, Il forastiero, hg. von Stefano De Mieri/Maria Toscano (Napoli 1634, Memofonte 2007), S. 365–371. 20 Del Tufo, 2007 (wie Anm. 9), Ragionamento Quarto, Vers 1324–1327. 21 Fynes Moryson, An Itinerary Containing His Ten Yeeres Travell through the Twelve Dominions of Germany, Bohmerland, Sweitzerland, Netherland, Denmarke, Poland, Italy, Turky, France, Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
Title
Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren
Subtitle
Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
Author
Mario Döberl
Editor
Alejandro López Álvarez
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2020
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20966-9
Size
17.5 x 24.7 cm
Pages
432
Categories
Geschichte Vor 1918
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