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Vor 1918
Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren - Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
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Portantine und sillas de manos im Hofzeremoniell Neapels 195 Eine in der Zeremonialschrift 1483 festgehaltene Episode aus der Regierungszeit des Marchese di Astorga (1672–1675) zeigt, dass die Bereitstellung eines Tragsessels manchmal auch in den Komplex jener Verhaltensweisen fiel, die das Verhältnis zwischen Männern und Frauen regelten. Als der Vizekönig wie gewöhnlich an der feierlichen Zeremonie teil- nahm, bei der eine Novizin den Ordenseid ablegte, wollte es der Brauch, dass nach Be- endigung der feierlichen Handlung der Vizekönig die frisch gebackene Nonne zum Tor des Konvents begleitete. Da damals aber ein heftiges Gewitter niederging, beschloss man, der Nonne und ihrer Mutter die Tragsessel des Vizekönigs und des Kapitäns der deutschen Leibgarde zur Verfügung zu stellen, um die beiden Damen entlang der kurzen Wegstrecke zwischen der Kirche San Gregorio Armeno und dem Konvent vor dem Regen zu schüt- zen.36 Es war auch üblich, Adeligen und Regierungsmitgliedern, denen aus gesundheitlichen Gründen das Stufensteigen innerhalb der Palastmauern Probleme bereitete, die Verwen- dung eines Tragsessels zu gestatten, damit sie ohne Mühe zum Treffpunkt gelangen konn- ten.37 Höflichkeitshalber zur Verfügung gestellte „silletas de respetto“ befanden sich auch im Gefolge des Conte di Benavente und dessen Gemahlin, als das Paar in der Karwoche in Begleitung einer großen Zahl von Dienern, Garden und Damen in den Kirchen des Quar- tiers rund um den Vizekönigspalast die sogenannten „Sepolcri“ besuchten, bei denen es sich um geschmückte Altäre handelte, auf denen am Gründonnerstag Brot und Wein für die Karfreitagsliturgie aufbewahrt wurden.38 Dies führt uns zu einem anderen Aspekt des Hof- zeremoniells, nämlich zur Position von Tragsesseln innerhalb feierlicher Prozessionen und zum Gefolge, von dem sie bei derartigen festlichen Ereignissen umgeben waren. Je nach Be- deutung und Charakter der Veranstaltung begleiteten unterschiedliche Personen die Trag- sessel in genau festgelegter Form und gingen ihnen entweder voraus, folgten ihnen nach 36 „En tiempo del señor de Astorga se puço monja la hija del prínçipe de Furino a Santo Ligorio, y fue allá Su Exçelençia, y entretanto se acabó la funçión, bino un agua grandiosa en tal forma que no dio lugar a Su Exçelençia, que podiesse lleuar la tal señora a la portería, y assí la fue seruiendo hasta la puerta de la iglesia, y hiço poner la monja en su silla y su madre en la silla del capitán de la guardia, y las lleuaron a la portería de las monja“. Ebenda, S. 242, c. 56v. 37 „Entran lugo por su orden y con sus precedencias los señores de los Siete Officios, príncipes, duques, marqueses, condes, Colateral, arçobispos y obispos por su antigüedad y hauiendo alguno destos señores impedidos de alguna enfermedad entra con silleta y se hallará Su Excelencia debaxo de su dosel sentado, y sientraren [sic] arrimados les mandará dar silla por el impedimento que tuuiere“. Díez de Aux 1622 (wie Anm. 2), S. 18 f. 38 „Después de hauer comido, yvan a uisitar los monumentos de todo el quartel y Santiago a pie con todos sus criados, continos y guarda. Y la virreyna con sus dueñas y damas yva detrás de Sus Excelencias, el cauallerizo mayor, coches y silletas de respetto. El guardaropa y moço de estrado lleuauan dos almohadas para arrodillarse los virreyes los quales les daua el vger mayor. Tanbién yva el limosnero mayor y Su Excelencia mandaua acabado de adorar la cruz se diessen muy largas limosnas“. Ebenda, S. 214. Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
Title
Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren
Subtitle
Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
Author
Mario Döberl
Editor
Alejandro López Álvarez
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2020
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20966-9
Size
17.5 x 24.7 cm
Pages
432
Categories
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