Web-Books
in the Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Geschichte
Vor 1918
Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren - Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
Page - 201 -
  • User
  • Version
    • full version
    • text only version
  • Language
    • Deutsch - German
    • English

Page - 201 - in Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren - Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts

Image of the Page - 201 -

Image of the Page - 201 - in Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren - Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts

Text of the Page - 201 -

Portantine und sillas de manos im Hofzeremoniell Neapels 201 sie zu äußerst vornehmen Objekten, an denen die Kunstfertigkeit mehrerer Handwerks- sparten (Schlosser, Schnitzer, Vergolder, Sattler, Tapezierer, Spengler, Tischler und so fort) sichtbar wurde. Tragsessel waren deshalb auch passende Geschenke für illustre Personen und unverzichtbare Ausstattungsstücke bei bedeutenden diplomatischen Missionen. Während des gesamten 17. Jahrhunderts und auch noch darüber hinaus umgab Tragses- sel eine gravitätische, von großer Formalität geprägte Aura, und dies trotz der erwähnten Abneigung Renaos, der im Anschluss an Miguel Díez de Aux das Amt des obersten Zere- monienmeisters bekleidete und als solcher bemüht war, das Einsatzgebiet von Tragsesseln für den Vizekönig und dessen Gemahlin so weit als möglich einzuschränken. Bei Renao lassen sich zahllose Passagen finden, in denen er minutiös festhielt, auf welche Art Trag- sessel bei Ausgängen zu verwenden seien. Dies lässt ein eigenartiges Bild entstehen: Für Renao waren Tragsessel Objekte, die stets verfügbar sein mussten; sie hatten allerdings immerzu im Hintergrund zu bleiben, da sonst ihr Einfluss auf das Zeremoniell allzu stark geworden wäre. Der Zeremonienmeister war der Ansicht, dass Reittiere oder Karossen gegenüber Tragsesseln stets bevorzugt werden sollten. Kam aber dennoch ein Tragsessel zum Einsatz, ließ Renao es sich nicht nehmen, die genauen Verwendungsumstände zu beschreiben und zuweilen auch seinen persönlichen Widerwillen gegenüber der Entschei- dung des Vizekönigs zugunsten des Tragevehikels zu unterstreichen. Sowohl bei Ausgängen außerhalb der Palastmauern als auch in den Treppenhäusern der königlichen Residenz führte der Vizekönig einen Tragsessel mit sich.52 Benutzte er diesen schließlich auch, war sein Gefolge angehalten, ihm stets zu folgen: Advirtiendo que tomando silleta, se tiene de mandar se vaya todo el acompañamiento, atento no tienen puesto; pero saliendo a pié tiene de ir cada uno en su lugar.53 Die Ausgänge des Vizekönigs sind in den Quellen in aller Ausführlichkeit überliefert. Nur er hatte dabei das Recht, einen geschlossenen Tragsessel und einen sechsspännigen Wagen fällen geschmückt blieben: „El aposento donde Su Exçelençia reçibió las paredes blanca, dosel y sillas moradas de la misma manera estaua compuesto el quarto de la señora virreyna, no poniendo lutto, ni a gentileshombres, ni a pajes, lacayos, coches, silla de manos ni a los tudescos“. Ebenda, S. 474, c. 154r. 52 „[…] al canton de la escalera adonde reciuio a sus Excelencias, y esto por yr en silla la Virreyna, que si fuera a pie, hauia de salir a recibirla adonde se apeaua“. Renao 1634 (wie Anm. 2), c. 161r. An späterer Stelle ist erwähnt, dass auch die Mitglieder des Consiglio collaterale, des höchsten poli- tisch-juridischen Organs im Königreich Neapel, in derartigen Fällen verpflichtet waren, sich dem Geleit anzuschließen: „Quando el Virrey va acompañando á la Virreyna a pie y ella en silla y se hallan algunos del Colateral, el puesto que han de tener, es delante del Virrey y no detras“. Ebenda, c. 169r. 53 Ebenda, c. 81r. Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
back to the  book Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren - Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts"
Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
Title
Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren
Subtitle
Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
Author
Mario Döberl
Editor
Alejandro López Álvarez
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2020
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20966-9
Size
17.5 x 24.7 cm
Pages
432
Categories
Geschichte Vor 1918
Web-Books
Library
Privacy
Imprint
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren