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Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren - Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
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Page - 219 - in Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren - Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts

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Tragsessel an den Höfen der österreichischen Habsburger 219 Wald oder auf unwegsamen Pfaden, wo es mit Wagen kein Fortkommen gab, in einem Tragsessel transportieren ließ und sich dieser mit dem erwähnten „sesl“ identifizieren lässt. Durch zahlreiche Quellen gesichert ist hingegen, dass der Sohn und Nachfolger Ferdi- nands I., Kaiser Maximilian II. (1527–1576)43, in seinen letzten Lebensjahren häufig auf Tragsessel zurückgriff. Maximilian hatte sich schon 1553 bei einem Jagdunfall eine schwere Verletzung am Knöchel eines Beines zugezogen.44 Diese Läsion war so schwerwiegend, dass sie ihn noch rund ein Jahrzehnt später in seiner Bewegungsfreiheit schwer beeinträch- tigte. Zusätzlich machten ihm seit Anfang der 1560er Jahre auch noch Herzbeschwerden und erste Symptome einer Gichterkrankung zu schaffen.45 Mitte der 1560er Jahre war die Gicht zeitweise schon so stark ausgeprägt, dass Maximilian II. häufig nur noch in der Kutsche den Palast verlassen konnte.46 Für seine letzten Lebensjahre ist auch mehrfach dokumentiert, dass er einen Tragsessel verwendete. Als sich der Hof anlässlich der am 25. September 1572 erfolgten Krönung des späteren Kaisers Rudolf II. zum ungarischen König in Pressburg aufhielt, berichteten diplomatische Vertreter der Toskana vom Krönungsort, dass sich der Kaiser nach einem erlittenen Gichtanfall im Tragsessel transportieren lassen müsse.47 Im August 1575 schrieb der toskanische Botschafter aus Prag, dass die Gesundheit des Kaisers nach einer Erkrankung nun erneut so weit hergestellt sei, dass er sich wieder Jahrhundert (Fontes rerum austriacarum, 2. Abt., Bd. 30, Wien 1870), S. 215 f. Zur Krankenge- schichte Kaiser Ferdinands I. siehe auch Paula Sutter Fichtner, A community of illness: Ferdi- nand I and his family. In: Martina Fuchs/Alfred Kohler (Hg.), Kaiser Ferdinand I. Aspekte eines Herrscherlebens (Geschichte in der Epoche Karls V. 2, Münster 2003), S. 203–216, hier S. 203–208; Alfred Kohler, Ferdinand I. 1503–1564. Fürst, König und Kaiser (München 2003), S. 104–107. 43 Zu ihm siehe Viktor Bibl, Maximilian II. Der rätselhafte Kaiser. Ein Zeitbild (Hellerau bei Dres- den 1929); Friedrich Edelmayer/Alfred Kohler (Hg.), Kaiser Maximilian II. Kultur und Politik im 16. Jahrhundert (Wiener Beiträge zur Geschichte der Neuzeit 19, Wien/München 1992); Paula Sutter Fichtner, Emperor Maximilian II (New Haven/London 2001). 44 Martinengo an Monte, Wien 1553 November 21, Nuntiaturberichte aus Deutschland, 1. Abt.: 1533– 1559, Bd. 16: Helmut Goetz (Bearb.), Nuntiatur des Girolamo Martinengo (1550–1554) (Tübingen 1965), S. 290. 45 Berichte des venezianischen Botschafters Giacomo Soranzo von 1562 beziehungsweise 1563, Euge- nio Albèri (Hg.), Le relazioni degli ambasciatori veneti al senato durante il secolo decimosesto, Serie 1, Bd. 6 (Firenze 1862), S. 150 f.; Fiedler 1870 (wie Anm. 42), S. 217. 46 Toskanischer Gesandter Giulio Ricasoli, Wien 1565 März 20, ASF, MdP, filza 4325, fol. 38r, 40r; Costa, Wien 1566 Juni 26, Juli 3 und Juli 30, Norbert Steingress, Die Korrespondenz der Repub- lik Genua mit ihren Gesandten am Kaiserhof (1564–1566) (ungedr. Dissertation, Universität Wien 2001), S. 780, 782 und 789. 47 „Et con tutto che s[ua] m[aes]tà si faccia anchora portare in sede [sic] per qualche residuo di podagra, […].“ Toskanische Botschafter Lodovico Antinori und Giambatista Concino, Pressburg 1575 Sep- tember 25. ASF, MdP, filza 4332, fol. 9v–10r. Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
Title
Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren
Subtitle
Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
Author
Mario Döberl
Editor
Alejandro López Álvarez
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2020
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20966-9
Size
17.5 x 24.7 cm
Pages
432
Categories
Geschichte Vor 1918
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