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Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren - Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
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Page - 232 - in Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren - Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts

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232 Mario Döberl Transportmittel für Waldwege ungeeignet seien und darüber hinaus das Wild scheu mach- ten. Aus diesem Grund ersuchte sie ihren Bruder, er möge ihr doch einen Tragsessel bauen lassen und zusammen mit diesem sechs Sesselträger schicken. Diese sollten entweder aus Genua oder aus Neapel stammen, wo Tragsessel besonders stark verbreitet waren. Keines- falls aber, so die Kaiserin, sollte ein gemischtes Sesselträgerteam, das sowohl aus Genuesen als auch aus Neapolitanern bestünde, an den Kaiserhof gesendet werden, da Streitigkeiten damit bereits vorprogrammiert wären und sie derartige Konflikte nicht ertragen könne.87 Gegen Jahresende trafen der gewünschte Tragsessel und die sechs Sesselträger schließlich in Wien ein, wofür sich die Kaiserin bei ihrem Bruder brieflich bedankte.88 Ob sich der Her- zog für Sesselträger aus Genua oder Neapel entschied, geht aus dem Schreiben leider nicht hervor. Zu Beginn des Jahres 1624 ließ die Kaiserin in Mantua nachfragen, welchen Betrag sie für den Tragsessel und das mitgeschickte Personal schuldig sei.89 Wir können davon ausgehen, dass sie diese Anfrage nur der Form halber stellen ließ, denn es ist kaum vor- stellbar, dass der Herzog von Mantua sich die Gelegenheit entgehen ließ, seiner Schwester mit dem Tragsessel ein Geschenk zu machen. Über die anschließende Verwendung des Präsents durch die Kaiserin liegen keine Informationen vor. Ob sie den Tragsessel nur auf der Jagd oder auch zu anderen Anlässen benutzte, ist unbekannt. Fest steht allein, dass sie ihn nicht während einer Schwangerschaft benötigte, da ihre Hoffnung auf Nachkommen- schaft unerfüllt blieb. Bedauerlicherweise lässt sich den vorliegenden Quellen auch nicht entnehmen, wie der aus Mantua stammende Tragsessel gestaltet war. Wahrscheinlich handelte es sich dabei jedoch um ein geschlossenes Vehikel, hätte doch der Gebrauch eines offenen Tragsessels bei Jagden im Wald durch das dort anzutreffende dornige Gestrüpp oder durch zurück- schwingende Äste unberechenbare gesundheitliche Risken für die Insassin mit sich ge- bracht. Der Verwendungszweck legt weiterhin nahe, dass der Tragsessel zumindest außen 87 „Serenissimo fratello mio amatissimo, di già l’altezza vostra è informata del gusto che ha l’imperatore mio signore nella caccia, et questo se le radoppia quando vede che l’habbino altri, et io in particolare: il che fa che non patisce volontieri ch’io resti quando egli esce alla campagna … poiché quelle poche volte ch’io cavalcato son restata fuor di modo offesa nella schena, hora non potendo io esser seco né in carrozza né in letica per la qualità de’ boschi, et perché si smarirebbero gli animali, ho pensato di valermi delle comodità della seggietta, et a questo effetto vivamente prego l’altezza vostra a farmene far una, et pro- vedermi di sei segettarii o napolitani o genovesi come ella stimerà meglio, pure che siano tutti di una natione perché mi daria troppo pena il vederli in contrasto tra loro, come facilmente seguirebbe quando altri fossero genovesi et altri napolitani …“. Eleonora Gonzaga an Ferdinando Gonzaga, Wien 1623 Juli 22, Venturini 2002 (wie Anm. 51), S. 683. 88 Eleonora Gonzaga an Ferdinando Gonzaga, Wien 1623 Dezember 6, ebenda, S. 687. 89 Vincenzo Zucconi an Alessandro Striggi, Großkanzler von Mantua, Wien 1624 Februar 3, ebenda, S. 689. Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
Title
Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren
Subtitle
Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
Author
Mario Döberl
Editor
Alejandro López Álvarez
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2020
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20966-9
Size
17.5 x 24.7 cm
Pages
432
Categories
Geschichte Vor 1918
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