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Vor 1918
Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren - Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
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Page - 236 - in Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren - Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts

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236 Mario Döberl stattung, das wie der zuvor beschriebene Tragsessel im Inventar als „seggiola“ bezeichnet ist, war der Beschreibung nach zu schließen ein offener Tragsessel ohne Seitenwände und Bedachung. Er war mit rotem Samt bezogen, mit Fransen und Verzierungen aus Gold und roter Seide versehen und gleich dem anderen Tragsessel mit vergoldeten Ziernägeln bestückt. Darüber hinaus verfügte er über ein Kopfpolster und über eine in ihrer Neigung verstellbare Rückenlehne.96 Es besteht kein Zweifel daran, dass Claudia de’ Medici diese beiden Tragsessel auch tatsächlich nach Tirol mitnahm. Der zweite, offene Tragsessel der Brautausstattung begegnet uns einige Jahre später er- neut in einer anderen Quelle. Zwischen 1626 und 1628 – der genaue Zeitpunkt lässt sich nicht mehr feststellen – wurde er am Innsbrucker Hof einer Reparatur unterzogen, bei der er unter anderem einen neuen Samtbezug erhielt und 400 seiner vergoldeten Ziernä- gel ausgetauscht wurden. Die über die durchgeführten Arbeiten gelegte Rechnung gibt außerdem einen Hinweis auf seinen Einsatzbereich: Claudia de’ Medici ließ sich in diesem „zusamengelegten“ Sessel für gewöhnlich innerhalb des fürstlichen Palastes tragen.97 Die erwähnte Generalüberholung des Tragsessels wurde von Andrea Pandolfini verrich- tet, einem Florentiner Sattler, den Claudia de’ Medici aus ihrer toskanischen Heimatstadt mitgebracht hatte. Seit 1626 erledigte er am Innsbrucker Hof die anfallenden Sattlerarbei- ten, und zwar nicht nur für den Tiroler Landesfürsten und seine Gemahlin, sondern auch für andere hochrangige Personen. Dies erfahren wir aus einem Schreiben Pandolfinis an Erzherzog Leopold V., in dem er darüber klagte, dass seine Kunden mit ihren Zahlungen für bereits geleistete Arbeiten säumig seien.98 In den Innsbrucker Quellen jener Jahre taucht noch ein weiterer Tragsessel auf, der sich allerdings nicht mit dem blau tapezierten, geschlossenen Tragsessel der Brautausstattung von Claudia de’ Medici identifizieren lässt. Die Provenienz dieses dritten Tragsessels ist un- bekannt. Es handelte sich dabei um einen mit einem Dach versehenen Sessel mit Vorhän- gen, der mit grün gemasertem Samt bezogen und mit vergoldeten Ziernägeln beschlagen war. Zudem verfügte er über goldene und seidene Fransen und war mit einem Fußbrett aus rotem Corduanleder versehen. Auch dieser Tragsessel wurde von Pandolfini in Stand Miscellanea Medicea 5/2, fol. 217v. 96 „Una seggiola di velluto rosso con guarnitione d’oro et frango d.o e seta rossa con fullette dorate, et un guanciale del med[esim]o velluto per acconciare la testa sendo la seggiola da ripiegare“. Ebenda, fol. 210v. 97 „Widerumben ain zusamengelegten tragsessel. Darinnen mann ir für[stliche] d[urchlauch]t, die erzherzogin etc. in der für[stlichen] burg hin- und heer tregt. Zway mal von roten cärmesin samet überzogen, auch von rot seiden unnd gulden fransen mit neuen 400 vergulten negl beschlagen die fuessdrit zu 2 mal von roten cardewan überzogen, ist auch fir mein macherlon, guert, aisen und schwarze nögl 6 fl.“ Rechnung von Andrea Pandolfini aus den Jahren 1626–1628, TLA, Kunstsa- chen I 874, unfol. 98 Ebenda. Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
Title
Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren
Subtitle
Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
Author
Mario Döberl
Editor
Alejandro López Álvarez
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2020
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20966-9
Size
17.5 x 24.7 cm
Pages
432
Categories
Geschichte Vor 1918
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