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Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren - Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
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Page - 239 - in Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren - Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts

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Tragsessel an den Höfen der österreichischen Habsburger 239 Aus anderen Quellen geht hingegen eindeutig hervor, dass der eigentliche Geschenkgeber nicht Francesco Barberini, sondern dessen Onkel Papst Urban VIII. war.109 Anlässlich der Vorbereitungen für den wenige Wochen später erfolgenden Einzug Maria Annas in Triest wurden in einer Liste110 drei Tragsessel erwähnt, die die Braut mit sich führte. Einer davon verfügte über einen verglasten Sitzkasten und stammte aus ihrem eigenen Besitz. Vielleicht hatte Maria Anna ihn aus Spanien mitgenommen. Beim anderen handelte es sich um den Tragsessel, den ihr der Papst verehrt hatte. Beide waren mit Vorhängen und Polstern ausge- stattet. Der dritte Tragsessel war klein, mit grünem Damaststoff überzogen111 und stammte möglicherweise ebenfalls aus Spanien.112 Es ist anzunehmen, dass diese drei Tragsessel nach Maria Annas Ankunft in Wien dem Oberststallmeister zur Verwaltung überlassen wurden. Etwas weniger als zwei Jahre nach ihrer Vermählung war Maria Anna guter Hoffnung. Während ihrer Gravidität ließ sie sich zumindest fallweise im Tragsessel befördern. Der toskanische Botschafter Niccolò Sacchetti berichtete im Mai 1633 aus Wien, dass die im sechsten Monat schwangere Maria Anna zwar an der Fronleichnamsfeier teilgenommen habe, während der Prozession aber in der Kirche verblieben sei und sich vom Palast zur Kirche und wieder zurück neben dem in der Karosse fahrenden Kaiser im Tragsessel trans- portieren habe lassen.113 Am 8. September 1633 erblickte das erste Kind von Maria Anna und Ferdinand III., Erz- herzog Ferdinand IV. (1633–1654), das Licht der Welt. Mit ihm schien die Erbfolge lang- toria della Sacra Real Maestà di Christina Alessandra Regina di Svetia, &c. (Roma 1656), S. 242 f. Für weitere Beispiele siehe den Beitrag von Alejandro López Álvarez im vorliegenden Band. 109 „Manda di più s[ua] s[antit]à [Papst Urban VIII., Anm. d. Verf.], otro la carozza, lettiga, e sedia, che ha fatto fare per serv[izio] di s[ua] m[aest]à [Maria Anna, Anm. d. Verf.] un regalo […].“ Schreiben an Fürst Hans Ulrich von Eggenberg (?), Rom 1630 Dezember 28, ÖStA, HHStA, ÄZA, K. 2, Konv. 13, fol. 4v. Siehe dazu auch ÖStA, HHStA, ÄZA, K. 2, Konv. 16, fol. 20r. 110 „Memoria de las caualgaduras de la caualleriza de su mag[esta]d que desembarcaron en Trieste, y se entregaron al conde mi s[eño]r oy sabado 1 de febrero de 1631 […]. Dos sillas una de su mag[esta]d y otra de su sant[ida]d con cortinas y almuadas, y la de su mag[esta]d hay una cassa de bidrios. Otra silla pequena de dam[as]co verde de su mag[esta]d“. ÖStA, HHStA, ÄZA, K. 2, Konv. 16, fol. 20r–v. 111 Im gleichen Jahr wird ein „grüen sameten trag sessl“ der Königin erwähnt. Ob es sich dabei um denselben Tragsessel handelt, ist unklar. ÖStA, HHStA, OMeA, SR, K. 75, Konv. 1, Akten von 1631. 112 Die Tatsache, dass die Infantin Tragsessel aus Spanien mitbrachte, ist auch vor dem Hintergrund der außerordentlichen Bedeutung zu sehen, die diese Tragevehikel damals bereits am Madrider Hof erlangt hatten. Siehe dazu den Beitrag von Alejandro López Álvarez im vorliegenden Band. 113 „Tutti lor’ mm[aes]tà, et alt[ezz]e se la passano bene, essendo giovedì mattina intervenute alla pro- cessione del corpus domini, essendo però la regina rimasta in chiesa, che venne dà palazzo, e tornò in seggetta accanto alla carrozza dell imp[erato]re, rispetto alla sua gravidanza, che dev’essere adesso al principio del sesto mese con buone speranze d’uscire felicemente, […].“ Toskanischer Botschafter Nic- colò Sacchetti, Wien 1633 Mai 28, ASF, MdP, filza 4388, unfol. Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
Title
Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren
Subtitle
Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
Author
Mario Döberl
Editor
Alejandro López Álvarez
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2020
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20966-9
Size
17.5 x 24.7 cm
Pages
432
Categories
Geschichte Vor 1918
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