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Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren - Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
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244 Mario Döberl ausgeschlagen war.134 Die Herstellungskosten sind in diesem Fall nicht vollständig archi- valisch überliefert, allein eine Zahlung von 130 Gulden an den Hofhandelsmann Johann Paul Bartholoti, der vermutlich Materialien für den Bau des Tragsessels bereitstellte, ist schriftlich belegt.135 Die Quellen erwähnen zwar nicht, warum die Kaiserin gerade damals einen Tragsessel in der Trauerfarbe Schwarz benötigte, vermutlich steht dessen Herstellung aber in Zusammenhang mit dem Tod von Maria Annas geliebtem jüngeren Bruder, dem Kardinalinfanten Ferdinand, Ende 1641. Während über die Tragsessel Maria Annas erstaunlich viele Informationen vorliegen, stellt sich die Quellenlage bei ihren unmittelbaren Nachfolgerinnen ungleich schlechter dar. Nach Maria Annas überraschendem Tod 1646 heiratete Kaiser Ferdinand III. noch zweimal, nämlich die bald darauf verstorbene Maria Leopoldine (1632–1649, Kaiserin seit 1648) und Eleonora Gonzaga (II.) (1630–1686, Kaiserin seit 1651, seit 1657 Witwe). Die wenigen Hinweise auf eine Verwendung von Tragsesseln seitens dieser beiden Kaiserinnen sind schnell aufgezählt. Einige Wochen nach der Hochzeit von Ferdinand III. mit Maria Leopoldine reisten die beiden donauabwärts von Linz nach Wien, wobei auf der Schiffs- liste für diese Reise auch eine Plätte angeführt ist, die für Leiblakaien und Sesselträger reserviert war.136 Die Sesselträger nahmen vielleicht an dieser Hofreise teil, um die Kaiserin gleich mit einem Tragsessel bedienen zu können, sollten sich schon bald nach der Hochzeit erste Anzeichen einer Schwangerschaft einstellen. Von Eleonora Gonzaga (II.) sind nur zwei Fälle überliefert, nämlich von 1653137 und 1656138, in denen sie sich in einem Tragsessel befördern ließ, wobei die Kaiserin beide Male guter Hoffnung war. 2 6 Exkurs II: Tragsessel bei Tauffeiern und Hervorgängen von der 2 Hälfte des 17 Jahr- hunderts bis Anfang der 1740er Jahre Nachhaltige Änderungen im Hofzeremoniell? Wenn auch für das Jahr 1640 erstmals mit Sicherheit der Gebrauch von Tragsesseln bei einer Taufe und einem Hervorgang am Kaiserhof nachgewiesen werden kann, bedeutete 134 ÖStA, FHKA, Hoffinanz Österreich, Bd. 782, fol. 49r (1642 Januar 16) und Bd. 784, fol. 18v (1642 Januar 16). 135 ÖStA, FHKA, HZAB, Bd. 90, fol. 151r (1644 April 2); bei Schwaighofer ist der Betrag irrtümlich mit 138 Gulden transkribiert: Schwaighofer 1938 (wie Anm. 126), Reg. 439. 136 ÖStA, HHStA, ÄZA, K. 3, Konv. 14, fol. 1v. 137 Die Kaiserin befand sich damals auf dem Reichstag in Regensburg und ließ sich dort zu einem Besuch der Kurfürstin von der Pfalz „über die gassen in einen sessel tragen.“ ÖStA, HHStA, ZA, Prot. 1, S. 114 f. 138 Venezianischer Botschafter Battista Nani an Doge Bertuccio Valier, Wien 1656 August 12, ÖStA, HHStA, Venedig, DdG, Bd. 107, S. 312 f. Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
Title
Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren
Subtitle
Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
Author
Mario Döberl
Editor
Alejandro López Álvarez
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2020
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20966-9
Size
17.5 x 24.7 cm
Pages
432
Categories
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