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Vor 1918
Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren - Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
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Tragsessel an den Höfen der österreichischen Habsburger 251 Ein Bruch mit dieser Tradition fand bei den Hervorgängen nach den Geburten der ersten drei Kinder der Thronfolgerin Maria Theresias statt. Maria Elisabeth (1737)196, Maria Anna (1738)197 und Maria Karolina (1740)198 wurden von der zu Fuß gehenden Aja auf ein Polster gebettet zur in der Augustinerkirche gelegenen Xaverikapelle und anschließend auf gleiche Weise wieder zurück getragen. Tragsessel kamen bei diesen drei festlichen Ereig- nissen nicht zum Einsatz. Möglicherweise war der Grund für das geänderte Zeremoniell, dass Maria Theresia damals den Titel einer Herzogin von Lothringen trug, aber noch kein Regierungsamt ausübte. Erst beim Hervorgang nach der Geburt ihres ältesten Sohnes, des späteren Kaisers Joseph II. (1741)199, dem ersten derartigen Ereignis nach ihrer Regierungs- übernahme, wurde die Aja mit dem Kind auf dem Schoß erneut in einem Tragsessel zur Hervorsegnung befördert, die nun auch wieder in der Loretokapelle der Augustinerkirche stattfand. Dem freudigen Ereignis entsprechend – nach drei Töchtern hatte Maria Theresia endlich den lang erwarteten Thronfolger zur Welt gebracht – verwendete man bei diesem Hervorgang einen „rodt sammeten reich mit gold bordirten“200 Tragsessel, der gleich von sechs mit kostbarer Livree bekleideten königlichen Sesselträgern bedient wurde. Überblicken wir nun zusammenfassend den gesamten Zeitraum von Mitte des 17. Jahr- hunderts bis Anfang der 1740er Jahre, so lässt sich feststellen, dass ab 1667 Tragsessel mit einer gewissen Regelmäßigkeit bei Hervorsegnungen zum Einsatz kamen. Meist folgte da- bei die Aja des erst wenige Wochen alten Kindes dem zu Fuß schreitenden Kaiserpaar in einem Tragsessel bis zur Hofkirche und hielt dabei das Kind im Arm. Nach vollzogener Segnung des Kindes brachte die Aja dieses erneut im Tragsessel sitzend in die kaiserlichen Gemächer zurück. 2 7 Gebrechliche Kaiser: Ferdinand II und Ferdinand III im Tragsessel Der Anwendungsbereich von Tragsesseln, der sich für Fürstinnen des Hauses Habsburg im Lauf des 17. Jahrhunderts schrittweise erweiterte, blieb für männliche Mitglieder der Herrscherfamilie auch weiterhin stark eingeschränkt. Für sie war die Verwendung von Tragsesseln nur opportun, wenn gesundheitliche Gründe sie dazu zwangen. Dies lässt sich anhand der Verwendung von Tragsesseln seitens Kaiser Ferdinands II. und seines Sohns Kaiser Ferdinand III. anschaulich demonstrieren. 196 ÖStA, HHStA, ZA, Prot. 16, fol. 213v–216r. 197 ÖStA, HHStA, ZA, Prot. 16, fol. 407r–410r. 198 ÖStA, HHStA, ZA, Prot. 17, fol. 108v–109v. 199 ÖStA, HHStA, ZA, Prot. 18, fol. 80v–90v. 200 ÖStA, HHStA, ZA, Prot. 18, fol. 84v. Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
Title
Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren
Subtitle
Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
Author
Mario Döberl
Editor
Alejandro López Álvarez
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2020
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20966-9
Size
17.5 x 24.7 cm
Pages
432
Categories
Geschichte Vor 1918
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