Web-Books
in the Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Geschichte
Vor 1918
Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren - Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
Page - 258 -
  • User
  • Version
    • full version
    • text only version
  • Language
    • Deutsch - German
    • English

Page - 258 - in Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren - Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts

Image of the Page - 258 -

Image of the Page - 258 - in Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren - Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts

Text of the Page - 258 -

258 Mario Döberl wie dies sonst bei vergleichbaren Festeinzügen üblich war, reitend zurücklegen. Vielmehr war er so geschwächt, dass er sich aus dem Schiff bis zu seiner Karosse tragen lassen musste und anschließend gemeinsam mit seiner Gemahlin und seinen Söhnen Ferdinand IV. und Leopold (I.) im Wagen bis nach St. Stephan fuhr.216 In der Folge ging es mit Ferdinands III. Gesundheit immer weiter bergab. Von einer Audienz gegen Ende des Jahres 1654 wird berichtet, dass sich der Kaiser kaum noch aus eigener Kraft von seinem Sessel erheben konnte.217 Als die niederösterreichischen Stände im Januar 1655 dem Erzherzog und spä- teren Kaiser Leopold I. huldigen sollten, verzögerte sich die Zeremonie um einige Tage, da der Kaiser mit Gicht im Bett lag. Der venezianische Botschafter nahm dies in einer Depeche an den Dogen als Anlass zu der Bemerkung, dass der Kaiser nur noch in den eigenen Gemächern einige wenige Schritte mache und selbst dabei auf die Hilfe anderer angewiesen sei; außerhalb seiner Räumlichkeiten aber, so der Botschafter, lasse sich der Kaiser überhaupt nur noch im Tragsessel transportieren.218 Natürlich musste Ferdinand III. trotz seiner eingeschränkten Bewegungsfreiheit während seiner letzten Lebensjahre auch weiterhin öffentliche Pflichten wahnehmen. Wenn er bei feierlichen Zeremonien nicht in seiner Karosse fahren konnte, wurde er meist im Tragsessel befördert. So wurde er bei- spielsweise bei der Ernennung seines Sohnes Leopold (I.) zum Vliesordensritter am 9. Mai 1655 in einem Sessel getragen,219 und sowohl für die Krönung seiner dritten Gemahlin Eleonora Gonzaga (II.) zur Königin von Ungarn am 6. Juni 1655 in Pressburg220 als auch für ihre Krönung zur böhmischen Königin am 11. September 1656 in Prag221 ist überliefert, 216 ÖStA, HHStA, ZA, Prot. 1, S. 400–407; Aigentliche Beschreibung / deß den 24. May Anno 1654. Ihrer Kayerlich: und Königlicher Maystätten zu Wienn beschehenen Einzugs (Wien o.J.). 217 Venezianische Botschafter Girolamo Giustinian und Battista Nani an Doge Francesco Molin, Wien 1654 November 28, ÖStA, HHStA, Venedig, DdG, Bd. 104, S. 257. 218 „La fontione dell’homaggio da farsi al s[igno]r arciduca s’è differita sino al 26 del corrente; perchè la podagra ha trettenuto a letto s[ua] m[aes]tà qualche giorno, et se bene si leva non per anco soffre senza incomodo il moto. È però da questi frequenti flussioni la m[aes]tà s[ua] debilitata nè piedi di modo, che per la stanza a pena con appoggio può far qualche passo, et fuori di essa in sedia fa sempre portarsi.“ Venezianischer Botschafter Battista Nani an Doge Francesco Molin, Wien 1655 Januar 23, ÖStA, HHStA, Venedig, DdG, Bd. 104, S. 329. Bei der am 26. Januar abgehaltenen Erbhuldigungszere- monie benutzte der Kaiser schließlich laut Hofzeremonialprotokoll „einen mit goldt gestickhten wagen“, den der anonyme Autor einer gedruckten Festbeschreibung als „schönen newen Leib-Wa- gen“ bezeichnete. ÖStA, HHStA, ZA, Prot. 1, S. 457; Außführliche Erzehlung / Welcher gestalt dem Durchleuchtigen Fürsten und Herrn / Herrn Leopoldo Ignatio Ertz-Hertzogen zu Oesterreich / etc. die Erbhuldigung von allen Vier Ständten deß Löblichen Ertz-Hertzogthumbs Oesterreich gelaistet worden / in der Kays: Residentz-Statt Wien / den 26. Januarij Anno 1655 (Augsburg 1655), S. 4. 219 ÖStA, HHStA, ZA, Prot. 1, S. 484. 220 ÖStA, HHStA, ZA, Prot. 1, S. 490. 221 Eleonorae Römischer Kayserin, Königl. Crönung in Böheimb (Prag 1656), einl. in ÖStA, AVA, FA Harrach, Akten, K. 172. Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
back to the  book Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren - Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts"
Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
Title
Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren
Subtitle
Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
Author
Mario Döberl
Editor
Alejandro López Álvarez
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2020
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20966-9
Size
17.5 x 24.7 cm
Pages
432
Categories
Geschichte Vor 1918
Web-Books
Library
Privacy
Imprint
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren