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Tragsessel an den Höfen der österreichischen Habsburger 259
dass er dabei zu einem Tragsessel greifen musste, wobei eine Beschreibung der Krönung in
Prag erwähnt, dass der Tragsessel des Kaisers „mit gelbem Goldstück überzogen“222 gewesen
sei. Auch wenige Wochen vor seinem Tod, bei der Taufe seines Sohnes Ferdinand Joseph
am 11. Februar 1657, musste sich der von seiner körperlichen Hinfälligkeit gezeichnete
Monarch tragen lassen.223
Trotz seiner stetig zunehmenden Gebrechlichkeit ließ sich Ferdinand III. aber nicht die
Freude an der Jagd nehmen. Kardinal Harrach erwähnte 1655, dass der Kaiser auch dabei
auf seinen Tragsessel angewiesen war. Beim Besteigen der kleinen Karosse, die er zur Jagd
verwendete, ließ er sich in einem Tragsessel sitzend in das Fahrzeug heben. Allein wenn er
die Schusswaffe anlege, so Harrach, müsse der Monarch aus eigener Kraft aufstehen und
könne nicht auf die Dienste seiner Sesselträger bauen.224
2 8 Reformen im Hofmarstall und ihre Auswirkungen auf die kaiserlichen Sesselträger
(1657)
Im Jahr 1657 wurden Reformen im kaiserlichen Hofmarstall umgesetzt, die auch auf
die kaiserlichen Sesselträger und ihr Aufgabengebiet gravierende Auswirkungen hatten.
Auslöser dafür waren die damals am Kaiserhof vorherrschenden Finanzprobleme sowie
Änderungen, die der Regierungsübergang von Ferdinand III. auf Leopold I. mit sich
brachte. Den schließlich realisierten Reformen ging eine mehrere Jahre währende In-
kubationszeit voran, in der man zwar oftmals strukturelle Änderungen und finanzielle
Einschnitte erwog, diese aber letztlich dann doch immer wieder auf unbestimmte Zeit
verschob. Besonders großes Einsparungspotential wurde damals bei der Hofkapelle und
beim kaiserlichen Marstall vermutet. Vor allem die dem Oberststallmeister unterstellte
Jagdabteilung galt als Fass ohne Boden, in dem große Geldsummen versickerten. Felice
Marchetti, toskanischer Resident am Kaiserhof, berichtete 1655 aus Wien, dass Gerüchte
kursierten, Ferdinand III. wolle mit der Ernennung von Johann Weikhard Fürst von Au-
ersperg zum neuen Obersthofmeister längst überfällige Reformen zur Ausgabensenkung
einleiten. Als der ob drohender Einsparungen besorgte Hofkapellmeister bei Auersperg
vorfühlte, ob er für seinen eigenen Bereich Einsparungen zu befürchten habe, beruhigte
222 Theatrum Europaeum, Bd. 7 (Frankfurt a. M. 1685), S. 870.
223 ÖStA, HHStA, ZA, Prot. 1, S. 632.
224 „Sua Maestà non camina quasi mai più, ma sempre si fa portare in sedia, et ha un carozzino nel quale
entra insieme con la sedia, solo nel carozzino, donde tira alli cervi, bisogna che si facci alzare dentro
senza sedia.“ Kardinal Ernst Adalbert von Harrach, Wien 1655 Juli 24, Keller/Catalano 2010 (wie
Anm. 213), Bd. 4, S. 137.
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Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren
Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
- Title
- Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren
- Subtitle
- Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
- Author
- Mario Döberl
- Editor
- Alejandro López Álvarez
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20966-9
- Size
- 17.5 x 24.7 cm
- Pages
- 432
- Categories
- Geschichte Vor 1918