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Transdifferenz und Transkulturalität - Migration und Alterität in den Literaturen und Kulturen Österreich-Ungarns
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Anachronistinnen 347 Dass es erst der »großartigen Entwicklung der Reportage« zu verdanken ist, »weibliche Kämpfer in der verantwortungsvollen, ernsthaften Arbeit des Journa- lismus« finden zu können, wie in einer Leistungsschau der Journalistinnen von 1914 konstatiert wird,13 gibt im Sinne einer emanzipatorischen Besetzung etablier- ter Posten eine Erklärung für die Evidenz der Figur der Reporterin und markiert zugleich den Abschluss der Verselbstständigung der Textsorte. Generell existieren zum Berufsbild des Reporters in Ungarn um 1900 nämlich zwei, sich partiell über- schneidende Beschreibungsmuster. Beide gehen davon aus, dass der Status des Re- porters von den zahlreichen Dilemmata, die das Selbstverständnis und die soziale Akzeptanz der Journalisten betreffen, beinahe unberührt bleibt. In einer negativen Annäherung ist dies darauf zurückzuführen, dass seine Position am unteren Ende der redaktionellen Hierarchie und das Ephemere seiner häufig anonym erschie- nenen Artikel mit einem an sich begrenzten Themenrepertoire seine Profilierung nur in den seltensten Fällen14 meistens erst nach einer Publikation in Buchform, ermöglichen. In einer positiven Annäherung ist aber in diesem Umstand die Mög- lichkeit verankert, nur als Journalistin oder Journalist wahrgenommen zu werden, im Gegensatz zu den Vertreterinnen und Vertretern der höher angesehenen Gat- tungen, die stets der Konkurrenz mit anderen etablierten Redepositionen ausge- setzt waren: der Reporter war kein Volkserzieher, kein Politiker und kein Belletrist, sondern ›nur‹ Jour- nalist und nichts anderes. Für ihn ist die Arbeit als Reporter in allen ihren Einzelheiten das Ziel selbst, kein Mittel und auch kein Ersatz. […] [D]er Reporter ist der wahre Journalist, der Journalist »par excellence« […].15 Die Profilierung der Reporterinnen scheint vor diesem Hintergrund in erster Linie eine Frage nach dem Grad ihrer Institutionalisierung zu sein: Wie weit wurden sie als funktionale Einheiten des Blattes wahrgenommen beziehungsweise wie artiku- liert sich jene Vertretungsrolle, die – auch im Sinne der Transdifferenz – offenbar unabhängig von den direkten ideologischen Zuschreibungen ihnen eine souveräne Stimme zu verleihen verspricht? Die vier Autorinnen, deren Publizistik das Korpus des vorliegenden Beitrags bildet, decken die gesamte Palette an Journalistinnen ab, von denen Skizzen und Reportagen über Budapest in Form eines Sammelbands zu Lebzeiten erschienen sind.16 Es wäre wahrscheinlich naiv, in der edlen Buchform 13 | Kovács, Lydia: Magyar ujságirónők [Ungarische Journalistinnen]. In: Érdekes Ujság v. 26.4.1914, S. 1-4, hier S. 3. 14 | Vgl. Szabó, László: A modern ujságirás [Der moderne Journalismus]. Budapest: Dick 1916, S. 115ff. 15 | Buzinkay, Géza: A bűnügy és az újságíró: a riporter születése [Der Kriminalfall und der Journalist: die Geburt des Reporters]. In: ders. (Hg.): A magyar újságíró múltja és jelene. Eger: Eszterházy Károly Főiskola 2006, S. 33-41, hier S. 33 (s. auch http://media.ektf.hu/ kiadvanyok/online_kotetek/Buzinkay_Geza_szerk_2006_Acta_33.pdf (zuletzt eingese- hen am 12.8.2015). 16 | Ein weiteres mögliches Beispiel wären die im Band Budapesti fotográfiák (1908) er- schienenen Feuilletonnovellen von Terka Lux, die aber auch mit Blick auf ihre zeitgenössi- sche Rezeption eindeutig der fiktionalen Belletristik zuzurechnen sind. Unter ihren sonstigen Feuilletons im Pesti Hirlap (Pester Journal) finden sich nur vereinzelt den großzügig ausge-
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Transdifferenz und Transkulturalität Migration und Alterität in den Literaturen und Kulturen Österreich-Ungarns
Title
Transdifferenz und Transkulturalität
Subtitle
Migration und Alterität in den Literaturen und Kulturen Österreich-Ungarns
Authors
Alexandra Millner
Katalin Teller
Publisher
transcript Verlag
Date
2018
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8394-3248-8
Size
15.4 x 23.9 cm
Pages
454
Keywords
transdifference, transculturality, alterity, migration, literary and cultural studies, Austria-Hungary, Transdifferenz, Transkulturalität, Alterität, Migration, Literatur- und Kulturwissenschaften, Österreich-Ungarn
Category
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