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Transdifferenz und Transkulturalität - Migration und Alterität in den Literaturen und Kulturen Österreich-Ungarns
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Amália Kerekes350 bedingt der Textsorte Reportage zuschlagen, ihre Rezeption bringt sie aber in die Nähe des Genres. Dasselbe wurde auch bei ihrem Roman Rozsda (Rost) konstatiert, dessen deutsche Übersetzung 1912 bei dem Wiener Verlag Karl Prochaska heraus- kam, der schwerpunktmäßig stadtgeschichtliche Werke, wie etwa die Wiener Cul- turbilder von Friedrich Schlögl, im Programm führte. Dem feminismuskritischen Roman Rost, der die verrostete Denkweise der Feministinnen anprangert und an die Solidarität der Frauen füreinander appelliert, wurde in der Kritik die Abwen- dung von der Psychologisierung frauenspezifischer Probleme attestiert und die Etikette Tendenzroman verliehen,25 und zwar im Sinne einer Verallgemeinerung gender-, klassen- und generationstypischer Problemfelder.26 Wie im Roman so findet man auch in den Skizzen der Crab Apples – »aus den winzigen Problemen des Alltags«27 zu einer beinahe enzyklopädischen Voll- ständigkeit entfaltet – vor, was man gewöhnlich mit den Vor- und Nachteilen der Modernisierung assoziiert, also jene Beispielhaftigkeit der Texte, die sowohl die synthetisierenden als auch die dekonstruktiven Aspekte der Transdifferenz vor Au- gen führt. Diese Gleichzeitigkeit lässt sich an der Rezension des Bandes im Pester Lloyd ablesen, die mit einer merkwürdigen rhetorischen Geste das Problem des Neuigkeitswerts umschifft: Die »vorzügliche[…] Beobachtungsgabe und gründli- che[…] Kenntnis der gesellschaftlichen Verhältnisse in unseren so genannten Gen- trykreisen« würden mit der »kurze[n], aber scharfe[n] Skizzierung der handelnden Personen« unter Beweis gestellt, und zwar in einer »gesunde[n], kernige[n] Spra- che«.28 In dieser Besprechung zeigt sich eine für diese Darstellungsweise generell charakteristische Erwartung, nämlich die bestätigende Objektivierung landläufi- ger Topoi, die in einem nächsten Schritt eine nahezu verstörende Affinität zu den Grundeinsichten der Cultural Turns aufweisen. Diese äußerst konzentrierte hu- moristische Performance von inkludierenden und exkludierenden Techniken, wie sie in den Dialogen von Szende-Dárday praktiziert wird, lässt jede Schattierung der alltäglichen städtischen Rituale flüchtig aufscheinen. Dank dieser apodiktischen Verkürzung bleibt lediglich so viel Gewissheit übrig, dass etwa die von feministi- scher Seite geplante Einführung der Junggesellensteuer gleich an dem Umstand scheitern wird, dass die Frauen selbst keinen richtigen Bezug mehr zum vertrauten Heim haben und somit selbst Teil der umfassenden urbanen Obdachlosigkeit ge- worden sind. Die kleinen Skizzen erschienen zuerst im konservativen, hinsichtlich der jour- nalistischen Aufmachung jedoch innovativen, mit neuen Darstellungsformen experimentierenden Budapesti Hirlap (Budapester Nachrichtenblatt). Für den Kri- tiker der Zeitschrift A Hét (Die Woche), die regelmäßig vergleichbare satirische Gesellschaftsbilder brachte, erwiesen sie sich als geistreiche, aber nicht sonder- lich gewichtige Notizen mit einem »liebenswerten weiblichen Konservatismus«, allerdings ohne »bitter oder aufdringlich belehrend«29 zu sein. Die anonyme Re- 25 | Vgl. NN: Rozsda. In: Vasárnapi Ujság v. 16.11.1913, S. 920; H. A.: Három nőíró [Drei Schriftstellerinnen]. In: Élet v. 4.1.1914, S. 25-27. 26 | Vgl. –ssa.: Rozsda. In: Magyar Kultúra v. 20.1.1914, S. 88-89. 27 | NN: Szendéné Dárday Olga meghalt [Olga Szende-Dárday gestorben]. In: Budapesti Hirlap v. 23.1.1923, S. 4. 28 | S–s: Vadalmák. In: Pester Lloyd v. 6.6.1909, S. 24. 29 | NN: Vadalmák. In: A Hét v. 13.6.1909, S. 403.
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Transdifferenz und Transkulturalität Migration und Alterität in den Literaturen und Kulturen Österreich-Ungarns
Title
Transdifferenz und Transkulturalität
Subtitle
Migration und Alterität in den Literaturen und Kulturen Österreich-Ungarns
Authors
Alexandra Millner
Katalin Teller
Publisher
transcript Verlag
Date
2018
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8394-3248-8
Size
15.4 x 23.9 cm
Pages
454
Keywords
transdifference, transculturality, alterity, migration, literary and cultural studies, Austria-Hungary, Transdifferenz, Transkulturalität, Alterität, Migration, Literatur- und Kulturwissenschaften, Österreich-Ungarn
Category
Kunst und Kultur
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