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Transdifferenz und Transkulturalität - Migration und Alterität in den Literaturen und Kulturen Österreich-Ungarns
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›Zu Nixe‹ werden 387 treibung aus dem Paradies der Kindheit inszeniert, da der Lauschszene Nellys Lek- türe des Andersen-Märchens Der Garten des Paradieses vorangeht beziehungsweise diese abschließt.8 Die »Weihe« bereitet ein Leben jenseits der tradierten Frauenrol- len vor, das indiziert die wiederkehrende Apostrophierung von Nelly als werdende Dichterin. Durch die Wasserfrau wird dem Kind der Strom als symbolischer Ort zugewie- sen jenseits der Vorgaben und Rollenunterscheidungen der menschlichen Gesell- schaft. Aus Nellys Gedankengang geht hervor, dass sie die Nixe als eine märchen- hafte Personifizierung des Stromes erlebt, was die paradoxe Attribuierung dieser Heimat als unheimlich zur Folge hat: »Wer wird sie wiederholen [sic!]? Die Donau- nixe, die sie aus ihren Märchen kennt? Oder dieser ganze, mächtige, wild dahin- rauschende Strom, aus dem sie ein unheimliches Wesen gleichsam noch einmal in der Mutter Arme zurückgelegt?«9 Neben der symbolischen Codierung des Flusses sind aber in delle Grazies Buch sämtliche Donau-Diskurse des liberalen Zeitalters versammelt, was für gelegent- liche Widersprüche ihrer Beschreibungen sorgt. Denn der Strom, um den es hier geht, ist nicht irgendein Wasser, sondern ein Strom, dem im 19. Jahrhundert am häufigsten das Attribut ›majestätisch‹ verpasst wurde, auch um jene enormen im- perialen Ansprüche zu signalisieren, die an ihn geknüpft waren. An der Großartig- keit der Natur wurde dann auch die Größe des an sie gestellten zivilisatorischen Auftrags gemessen. War die Donau als Ganzes der majestätische Strom Europas, so war die Kasanenge in der Gegend von Nelly Grittys Heimatstadt die erhabene Landschaft schlechthin – oder in einer dem Roman eigenen weiteren Überhöhung, »[e]ine heroische Landschaft!«.10 Das Heroische an ihr macht der Roman allerdings nicht nur an der Natur und auch nicht nur an den Plänen der Donauregulierung fest, sondern z.T. an jenen eth- nischen Gegensätzen, die diese Grenzlandschaft prägen. Zwar wird die Gegend als multiethnisch charakterisiert, doch bedeutsam für Nelly Grittis Bildungsweg sind jene kriegerischen Gegensätze, die nicht die hier lebenden Völker, sondern ihre Er- oberer verantworten. Der Kampf der Elemente in den Donaukatarakten steht auch für ihre Kämpfe. Die Trajanstafel am Donauufer wird als »mächtige[s] Wahrzei- chen«, die alte Römerstraße als »unzerstörbar[…]«, die Spuren der Römer aber als »unverwüstlich[…]«11 beschrieben. Das deutsche »Erbe« wiederum wird mit Blick auf die gesamte Donau heraufbeschworen und in der militärischen Gegenüberstel- lung von Rom und Germania zum Diesseits gegenüber dem römischen Donauufer stilisiert.12 Historische Topoi dienen dabei lediglich dazu, die Geschichte ihrer Ge- schichtlichkeit zu berauben und ihre heroischen Augenblicke als immerwährende darzustellen. Diese historische Stilisierung der Landschaft wird durch Nelly Grittis Herkunft interessant und ist durch ihr widersprüchliches familiäres Erbe vorgegeben, da ihr 8 | Da ein Kind im Mittelpunkt steht und delle Grazie die Deutung der sie umgebenden Welt in einer Erwachsenensprache vornimmt, wird alles, was sie erlebt, teils mit nachträglichen, teils mit parallelgeführten gelehrten Kommentaren unterstützt. 9 | Ebd., S. 156. 10 | Ebd., S. 29. 11 | Ebd., S. 5f. 12 | Ebd., S. 5ff.
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Transdifferenz und Transkulturalität Migration und Alterität in den Literaturen und Kulturen Österreich-Ungarns
Title
Transdifferenz und Transkulturalität
Subtitle
Migration und Alterität in den Literaturen und Kulturen Österreich-Ungarns
Authors
Alexandra Millner
Katalin Teller
Publisher
transcript Verlag
Date
2018
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8394-3248-8
Size
15.4 x 23.9 cm
Pages
454
Keywords
transdifference, transculturality, alterity, migration, literary and cultural studies, Austria-Hungary, Transdifferenz, Transkulturalität, Alterität, Migration, Literatur- und Kulturwissenschaften, Österreich-Ungarn
Category
Kunst und Kultur
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