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Identität und Alterität im transkulturellen Raum:
das Beispiel Triest
Maren Ahlzweig
Im folgenden Beitrag soll anhand dreier Romane die Thematisierung von Margi-
nalisierung und Alterität untersucht und dabei die Rolle von Triest/Trieste/Trst
als Beispiel für einen transkulturellen Raum herausgestellt werden. Die Ausgangs-
hypothese ist, dass in kulturellen Grenzräumen die Wahrnehmung von Anders-
artigkeit und der Umgang mit Alteritäten anders strukturiert sind als in eher
»homogen« verstandenen Räumen, in denen Kultur als nationalsprachliches Kon-
zept konstruiert ist. Das heißt, dass im transkulturellen Raum Alterität Teil der
Identität ist1 und sich dies in Triest, dessen Grenzlage durch politische Grenzver-
schiebungen bedingt war und ist, in einer besonderen kulturellen Wahrnehmung
als Grenzstadt und in ihrem kulturellen Ausdruck – wie eben der Literatur – durch
einen besonderen Fokus auf das Marginalisierte und das Andere äußert.
Eine Überprüfung der Ausgangshypothese scheint mir am Beispiel der Be-
handlung psychologischer Einschätzungen in literarischen Darstellungen möglich
zu sein. Abweichendes Verhalten, Alterität, Marginalisierung manifestieren sich
am deutlichsten in psychischen Krankheiten: »Wahnsinn« kann eine Bezeichnung
für eine übersteigerte Form von Andersartigkeit sein. Seit Jahrhunderten wird in
der Literatur mit Wahnsinn eine Problematik angesprochen, die die Grundlage der
Ordnung von Menschen und Gesellschaft begleitet. So geht mit dem Dualismus
von Wahnsinn und Normalität die Frage einher, wo die Grenze zwischen beiden
1 | Wolfgang Welsch prägte den Begriff der Transkulturalität, vgl. Welsch, Wolfgang: Trans-
kulturalität. Lebensformen nach der Auflösung der Kulturen. In: Luger, Kurt/Renger, Rudi
(Hg.): Dialog der Kulturen. Die multikulturelle Gesellschaft und die Medien. Wien: Österrei-
chischer Kunst- und Kulturverlag 1994, S. 147-169. Das Konzept versucht traditionelle Kul-
turkonzepte zu überwinden (insbesondere die der Inter- und Multikulturalität), indem Kultur
als eine Vernetzung von Heterogenitäten betrachtet wird. Mit dem Begriff wird sowohl die
›Reinheit‹ von Kulturen infrage gestellt als auch die Idee von einem starren Konstrukt ver-
worfen. Transkulturalität impliziert eine prozesshafte Vorstellung von Kultur und überwindet
damit auch Ideen wie die der Nationalkulturen. Wenn davon auszugehen ist, dass kulturelle
Prozesse bereits durch Heterogenität geprägt sind, geht es immer auch um das Aushandeln
von Eigenem und Fremdem, das bereits aus der Psychoanalyse bekannt ist. Es gilt, ein Da-
zwischen zu denken.
Transdifferenz und Transkulturalität
Migration und Alterität in den Literaturen und Kulturen Österreich-Ungarns
- Title
- Transdifferenz und Transkulturalität
- Subtitle
- Migration und Alterität in den Literaturen und Kulturen Österreich-Ungarns
- Authors
- Alexandra Millner
- Katalin Teller
- Publisher
- transcript Verlag
- Date
- 2018
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-3248-8
- Size
- 15.4 x 23.9 cm
- Pages
- 454
- Keywords
- transdifference, transculturality, alterity, migration, literary and cultural studies, Austria-Hungary, Transdifferenz, Transkulturalität, Alterität, Migration, Literatur- und Kulturwissenschaften, Österreich-Ungarn
- Category
- Kunst und Kultur