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Transdifferenz und Transkulturalität - Migration und Alterität in den Literaturen und Kulturen Österreich-Ungarns
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Maren Ahlzweig414 ohnehin nur für eine begrenzte Dienstzeit in Triest aufhalten. Die deutsche Spra- che ist zwar Amtssprache, doch entsteht in der Hafenstadt kein Zugehörigkeits- gefühl zur deutschen Kultur und Sprache, vielmehr hängt ihr etwas Koloniales an, das sich in institutionellen Einrichtungen erschöpft. Aus diesem Wirrwarr der Nationen, Sprachen und Kulturen scheint zwar die Bekenntnis zur Italianità eine einheitliche Orientierung zu bieten, doch gerade diese Orientierung geht im 20. Jahrhundert in einem Trugschluss auf, wenn diverse Literaten und Literatinnen und Vertreter und Vertreterinnen des Bürgertums zu erkennen glauben, dass ›der Triestiner‹ ›anders‹ als andere Italiener sei. Als Triest nach dem Ersten Weltkrieg Teil Italiens wird, kommt hinzu, dass die Stadt ihre Bedeutung als mitteleuropäische Hafen- und Handelsstadt verliert und sich nun in die Randposition einer nordöstlichen Provinz gedrängt fühlt. Und so avancieren die Fragen um die eigene Identität und nationale Zugehörigkeit zur zentralen Frage, der sich insbesondere die Triestiner Literatur annimmt. Bereits vor dem Anschluss an Italien deutet Scipio Slataper in dem 1912 veröffentlichten Roman Mein Karst (Il mio Carso) die Triestinität als undefinierbare Andersheit. Claudio Magris und Angelo Ara sprechen von Triest als einem »Modell der He- terogenität und Widersprüchlichkeit der ganzen modernen Zivilisation«,5 das die Schriftsteller und Schriftstellerinnen erkannten und für sich einnahmen. Es ver- wundert nicht, dass die ersten italienischsprachigen psychoanalytischen Romane von Triestiner Autorinnen und Autoren stammen und sowohl in den Romanen als auch in den Gedichtbänden stets ein melancholischer Unterton mitschwingt. Denn: »Wie der Österreicher bei Musil […] hat auch der Triestiner Mühe, sich in positiven Termini zu definieren. Es fällt ihm leichter zu verkünden, was er nicht ist, was ihn von jeder anderen Realität unterscheidet, als seine eigene Identität zu bestimmen.«6 Die Psychoanalyse bestimmt in diesem Zusammenhang die Tries- tiner Literatur insofern mit, als ausgehend von dem psychoanalytischen Konzept Freuds, das das Ich in Bezug zu den oder dem Anderen setzt, die Suche nach der eigenen kulturellen Identität der Stadt einen theoretischen Unterbau bekommt.7 Freuds Kategorien des »Ich«, des »Es« und des »Über-Ich« spielen für die Frage nach kultureller Identität eine entscheidende Rolle. Die Instanzen stehen sich in einer Art Wechselbeziehung gegenüber und können so als Alteritäten gelten. Unter die Kategorie des »Ich« fällt auch die Selbst-Wahrnehmung. Gleichzeitig verleiht die Literatur der Stadt ein Gesicht: Italo Svevo, Umberto Saba, Scipio Slataper, aber auch Autoren wie Franz Kafka und James Joyce wirken und schreiben in Triest. Die Triestiner und Triestinerinnen fordern früh eine neue Literatur, die Ausdruck einer eigenen Identität, der Triestinität, werden und diese zugleich mitbestimmen soll. Diese Forderung stützt sich insbesondere auf die Ab- sage an die Nationalliteraturen Österreichs und Italiens und auf die Hinwendung zur Triestiner Realität. So folgt auf die Einsicht, eine gesellschaftspolitische Son- derstellung einzunehmen, das Bedürfnis, dieser Ausdruck zu verleihen. Bei dieser Suche nach etwas Eigenem, nach einer eigenen Identität, nimmt die Abgrenzung 5 | Magris/Ara: Triest, S. 9. 6 | Ebd. 7 | Sigmund Freud kam schon 1876 nach Triest, als die Stadt noch österreichische Hafen- stadt war, um dort die Sexualorgane der Aale zu untersuchen, und verfasste hier seine ersten Studien.
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Transdifferenz und Transkulturalität Migration und Alterität in den Literaturen und Kulturen Österreich-Ungarns
Title
Transdifferenz und Transkulturalität
Subtitle
Migration und Alterität in den Literaturen und Kulturen Österreich-Ungarns
Authors
Alexandra Millner
Katalin Teller
Publisher
transcript Verlag
Date
2018
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8394-3248-8
Size
15.4 x 23.9 cm
Pages
454
Keywords
transdifference, transculturality, alterity, migration, literary and cultural studies, Austria-Hungary, Transdifferenz, Transkulturalität, Alterität, Migration, Literatur- und Kulturwissenschaften, Österreich-Ungarn
Category
Kunst und Kultur
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