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Transdifferenz und Transkulturalität - Migration und Alterität in den Literaturen und Kulturen Österreich-Ungarns
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Identität und Alterität im transkulturellen Raum: das Beispiel Triest 421 Beim Aufwachen nach jahrelangem Inkubus der Selbstunterdrückung war es beinah zu spät. Der Körper lehnte sich mit Lungeninfarkt auf, und die Stimme irgendwo im Inneren sagte, hör jetzt auf damit, heraus aus dem destruktiven Feld, bevor du liegen bleibst – entweder auf dem Operationstisch oder, wenn du dich irgendwo im Spitalsgelände befindest, im Areal einer hinterfotzigen Krankheit namens Gesellschaft.28 Es ist diese »Krankheit namens Gesellschaft«, die sein wahres Ich unterdrückt und ihm zu schaffen macht – auch diese Darstellungsweise knüpft an antipsychiatri- sche Sichtweisen an. Die Klinik steht metaphorisch auch für die von dem Prota- gonisten als krank erlebte Gesellschaft, wenn er behauptet: »Offensichtlich ist die ganze heutige Welt ein Krankenhaus, folglich ist, da eins das andere aufhebt, das Krankenhaus eine sehr normale Umgebung.«29 Die Krise, in der der Protagonist sich befindet, ist die Erkenntnis, dass er sich selbst – durch die Unterdrückung der eigenen Persönlichkeit – in Seele und Körper zergliedert hat, und beide nicht mehr zueinander zurückfinden können. Die Tren- nung von Körperlichkeit und Geist bedeutet also, dass das eigene Ich nicht mehr als Einheit besteht, sondern eine Entfremdung im Inneren stattgefunden hat – hier wird die Erkenntnis über die eigene Alterität als Anstoß dazu genutzt, das eigene Ich, die eigene Identität als Einheit zu hinterfragen. Zudem impliziert die Auseinandersetzung mit der eigenen Alterität auch die Sehnsucht nach einem Anderen beziehungsweise einem anderen Leben: »Was ist für ihn das ›ganz Andere‹? Sein so ganz anderes Buch, eine völlig veränderte Welt? Im Glauben an dieses ganz Andere von ›dem da‹, das immer gleich bleibt.«30 Eine Antwort auf diese Fragen scheint es nicht zu geben, wohl aber die Einsicht, dass die Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit der Schlüssel zur eigenen Identität ist. Der Protagonist definiert sich selbst als »verrückt« und »neurotisch«31 und positioniert sich damit im Marginalen. Denn Alterität sieht der Protagonist nicht nur in seinem Inneren als Zerrissenheit, sondern auch als Außenstehender in Bezug auf die Gesellschaft: »Ein von den Kollegen fachlich stets Ausgegrenzter war er, solipsistisch in weltfremder Selbstvergessenheit vor sich hin dämmernd«32 und nach seiner Frühpensionierung sieht er sich »am äußersten Rand der Gesell- schaft«33 stehen. Und der Verlust seiner Tätigkeit als Psychologe, die gesellschaft- liche Anerkennung mit sich zog, bedeutet gleichzeitig auch den Verlust der Maske »Identität«.34 Die Einsicht, dass die Situierung in der Gesellschaft nichts mit Iden- tität zu tun haben kann, lässt ihn sein gesamtes Schaffen als Anstaltspsychologe hinterfragen und gleichzeitig in eine tiefe Depression fallen. Erst dadurch wird es ihm möglich, sich wieder neu zu definieren. Um zu sich zurückzukehren, versucht Joris Ebner nun, sein wahres Ich zu finden: »Dieses Ich soll nun laut und deutlich sprechen, sann er, weder ein anderes noch das so genannte eigentliche – ein natur- belassenes Ich, sonst niemand. Er wusste aber immer noch nicht, wer ein oder sein 28 | Ebd., S. 88. 29 | Ebd., S. 147. 30 | Ebd., S. 48. 31 | Ebd., S. 35 und 49. 32 | Ebd., S. 35. 33 | Ebd., S. 127. 34 | Vgl. ebd., S. 49: »Aus mit der Identität, nur ja kein Psychologe mehr […].«
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Transdifferenz und Transkulturalität Migration und Alterität in den Literaturen und Kulturen Österreich-Ungarns
Title
Transdifferenz und Transkulturalität
Subtitle
Migration und Alterität in den Literaturen und Kulturen Österreich-Ungarns
Authors
Alexandra Millner
Katalin Teller
Publisher
transcript Verlag
Date
2018
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8394-3248-8
Size
15.4 x 23.9 cm
Pages
454
Keywords
transdifference, transculturality, alterity, migration, literary and cultural studies, Austria-Hungary, Transdifferenz, Transkulturalität, Alterität, Migration, Literatur- und Kulturwissenschaften, Österreich-Ungarn
Category
Kunst und Kultur
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