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8.4. DIE BIBLIOTHEK ALS WISSENSCHAFTLICHES INSTRUMENT 419
Die drei Beispiele zeigen die unterschiedlichen Vorstellungen von Qualifika-
tion und Aufgaben eines Bibliothekars und bezeugen auch, dass der Prozess
der Herausbildung eines eigenen Berufsbildes damals noch nicht abgeschlos-
sen, sondern vielmehr noch im Fluss war. Zudem weisen die Beispiele auch
auf den im Folgenden zu behandelnden Punkt hin, nämlich auf das Verhält-
nis von Universität und Bibliothek und die Einflussmöglichkeiten der Uni-
versität auf deren Geschicke.
8.4.2. Die Stellung der Bibliothek
Die Bibliothek war eine selbständige Staatsanstalt, dem Wirkungskreis des
Ministeriums für Kultus und Unterricht zugeordnet und der Statthalterei
für Tirol und Vorarlberg untergeordnet.94 Wie am Beginn des Kapitels ge-
zeigt, wurde die Bibliothek als öffentliche Bibliothek errichtet, in der Ti-
tulierung und Wahrnehmung war sie jedoch bald ‚Universitätsbibliothek‘
geworden. Eine formale Eingliederung der Bibliothek hatte es jedoch nicht
gegeben – diese fand tatsächlich erst mit dem UOG 1993 statt.95 Allerdings
gab es vielfältige Verbindungen zwischen Universität und Bibliothek. Wie
oben bereits geschildert, gab es personelle Verschränkungen, da die Bib-
liothekarsstelle bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts oft in den Händen von
Universitätsprofessoren lag. Zudem waren in den allgemeinen Instruktionen
von 1825 auch einige wenige Fälle geregelt, die den Einfluss der Univer-
sität auf die Bibliothek festlegten: etwa die Übernahme der Bibliothek im
Todesfall des Vorstandes und die Übergabe der Bibliothek bei einer Amts-
übergabe. Die Möglichkeiten der Einflussnahme vermehrten sich 1862 und
2267/1867, Tiroler Landesarchiv. Vgl. dazu eben die von Foregg angesprochene Ansicht von
Ebert, „nicht für sich, sondern für andre muss er arbeiten und willig muss er sich selbst
Genüsse versagen, die er andern bereitet.“ eBert, Die Bildung des Bibliothekars, S. 55–
56. Vgl. dazu auch das Kapitel 100 in Musils Mann ohne Eigenschaften, General Stumm
dringt in die Staatsbibliothek ein. Der Bibliothekar meint dort, dass ein guter Bibliothekar
keine Bücher lese, sondern nur deren Titel kenne. „‚Wer sich auf den Inhalt einläßt, ist als
Bibliothekar verloren!‘ hat er mich belehrt. ‚Er wird niemals einen Überblick gewinnen!‘“
Robert musiL, Der Mann ohne Eigenschaften, Reinbek bei Hamburg 1978 (1930), S. 462.
94 grassauer, Handbuch für österreichische Universitäts- und Studienbibliotheken sowie für
Volks-, Mittel- und Bezirks-Lehrerbibliotheken, S. 40–41.
95 Siehe Walter neuHauser, Am Anfang stand die Biblioteca publica (Oenipontana). Zur Ent-
stehung des staatlichen Bibliothekswesens in Österreich im 18. Jahrhundert. Abgesang
oder Neubeginn?, in: Birgit Schneider/Felix Heinzer/Vera Trost (Hgg.), Bücher, Menschen
und Kulturen. Festschrift für Hans-Peter Geh zum 65. Geburtstag, München 1999, S. 188–
205, hier S. 195–196; auch Hittmair, Geschichte der k.k. Universitätsbibliothek in Inns-
bruck, S. 3.
Die Universität Innsbruck in der Ära der Thun-Hohenstein’schen Reformen 1848–1860
Aufbruch in eine neue Zeit
- Title
- Die Universität Innsbruck in der Ära der Thun-Hohenstein’schen Reformen 1848–1860
- Subtitle
- Aufbruch in eine neue Zeit
- Author
- Christof Aichner
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Date
- 2018
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20847-1
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 512
- Keywords
- University of Innsbruck, University Reforms, Thun-Hohenstein, Leo, Universität Innsbruck, Reform, Universitätspolitik, Thun-Hohenstein
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen