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Die Universität Innsbruck in der Ära der Thun-Hohenstein’schen Reformen 1848–1860 - Aufbruch in eine neue Zeit
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8.4. DIE BIBLIOTHEK ALS WISSENSCHAFTLICHES INSTRUMENT 425 8.4.3. Das Allgemeine und das Spezielle Wie Walter Neuhauser erwähnt, sollten sich die Spannungen zwischen Uni- versität und Bibliothek auch noch in den folgenden Jahrzehnten regelmäßig wiederholen.118 Vordergründig erscheint der Konflikt daraus zu resultieren, dass die Bibliothek ihre Unabhängigkeit bewahren, die Universität im Ge- gensatz dazu ihre Einflussnahme stärken wollte. Im Hintergrund scheint jedoch auch ein anderes Spannungsverhältnis die Beziehungen beeinflusst zu haben. Während nämlich die Professoren zunehmend zu Spezialisten ih- rer Disziplin und ihres Faches wurden, sollte der Bibliothekar ein Spezialist des Allgemeinen bleiben bzw. werden.119 Scherer meinte in dieser Hinsicht symptomatisch auch, der Bibliothekar hat „für Erhaltung aller Fächer zu sorgen, er darf kein Fach vorzüglich begünstigen“120. Daher wollte er auch „den immer mehr erwachenden Sonderstreben einzelner Fächer und Zweige des Wissens über andere“121 entgegentreten und betrachtete deshalb auch jüngere Publikationsformen wie Zeitschriften und Monografien kritisch. Mit seiner Anschaffungspolitik wollte er daher dafür sorgen, „über dem Beson- deren das Allgemeine der Wissenschaft nicht zu weit aus dem Auge zu ver- lieren.“122 In einem gewissen Sinn verkörperte damit der Bibliothekar auch das alte System der philosophischen Fakultät oder das eines Studium Generale, die beide auf Grundlegung eines möglichst breiten Wissens abzielten. Wurde mit der Thun-Hohenstein’schen Reform das allgemeinbildende Element der philosophischen Fakultät zugunsten einer disziplinären Entwicklung aufge- geben, wurde im Gegenzug bei den Bibliothekaren daran festgehalten. Als die erste und wesentliche Anforderung für Bibliothekare, die im Übrigen auch zusehends Akademiker waren, sollten die Kandidaten neben Sprach- kenntnissen auch Kenntnisse in der „Enzyklopaedie der Wissenschaften“ vorweisen können.123 Gleichzeitig fand allerdings auch auf der Ebene der Bi- 118 neuHauser, Am Anfang stand die Biblioteca publica (Oenipontana), S. 195. 119 Vgl. auch Uwe JocHum, Die Idole der Bibliothekare, Würzburg 1995, S. 21; Jochum, Kleine Bibliotheksgeschichte, S. 120–122. Vgl. auch die Kritik des Bibliothekars Eduard Kögeler an den Anschaffungswünschen des Professors Zingerle für Werke eines Fachs, das „ziem- lich isoliert“ stehe. Vgl. Stellungnahme zum Gesuch von Zingerle, Innsbruck 09.07.1862, Statthalterei Studien 17180 ad 15869/1862, Tiroler Landesarchiv. 120 Scherer an die Statthalterei, Innsbruck 24.12.1856, Statthalterei Studien 24188 ad 7602/1856, Tiroler Landesarchiv. 121 Ebenda. 122 Scherer an die Statthalterei, Innsbruck 24.12.1856, Statthalterei Studien 24188 ad 7602/1856, Tiroler Landesarchiv. 123 Vgl. den „Entwurf einer Vorschrift über die Prüfung der Candidaten des Bibliotheksdiens- tes“ vom 30. 12.1860, § 3 und 4. Abgedruckt in frankfurter, Die Qualification für den staatlichen Bibliotheksdienst in Österreich, S. 27–31.
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Die Universität Innsbruck in der Ära der Thun-Hohenstein’schen Reformen 1848–1860 Aufbruch in eine neue Zeit
Title
Die Universität Innsbruck in der Ära der Thun-Hohenstein’schen Reformen 1848–1860
Subtitle
Aufbruch in eine neue Zeit
Author
Christof Aichner
Publisher
Böhlau Verlag
Date
2018
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20847-1
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
512
Keywords
University of Innsbruck, University Reforms, Thun-Hohenstein, Leo, Universität Innsbruck, Reform, Universitätspolitik, Thun-Hohenstein
Categories
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Die Universität Innsbruck in der Ära der Thun-Hohenstein’schen Reformen 1848–1860