Page - 427 - in Die Universität Innsbruck in der Ära der Thun-Hohenstein’schen Reformen 1848–1860 - Aufbruch in eine neue Zeit
Image of the Page - 427 -
Text of the Page - 427 -
8.5. RESÜMEE 427
und ansehnlichste Attribut der Universität“126. Außerdem wurde die Verbes-
serung der Bibliothek wiederholt direkt mit dem Erfolg der Reform in Ver-
bindung gebracht: Ein Aufschwung der Universität und der Erfolg der Re-
form wurden abhängig gemacht vom Zustand bzw. von der Verbesserung der
Bibliothek.127 Die angedeutete neue Rolle ergab sich insbesondere daraus,
dass die Professoren der Universität nunmehr nicht mehr bloß Lehrende wa-
ren, sondern sich auch aktiv der Forschung widmen sollten. Die Bibliothek
stellte dazu ein notwendiges Mittel dar. Gleichzeitig wurde mit der Aufhe-
bung der Zensur und der Erlaubnis Bücher zu entleihen die Bibliothek auch
für die Studenten attraktiver gemacht. All diese Faktoren schlagen sich im
jährlich steigenden Benutzeraufkommen nieder, zugleich konnte die Biblio-
thek seit der Reform ein starkes Wachstum in ihrem Bücherbestand ver-
zeichnen.
Die Spannungen zwischen Bibliotheksvorstand und Professoren resul-
tierten zwar vorwiegend daraus, dass Erstere sich vor zu großer Einfluss-
nahme der Professoren schützen und den öffentlichen Charakter der Biblio-
thek bewahren wollten. Doch scheinen die unterschiedlichen Vorstellungen
auch daraus erwachsen zu sein, dass die Bibliotheksvorstände – hier wurde
insbesondere der Bibliothekar Scherer genannt – der zunehmenden Spezia-
lisierung und Zersplitterung der Wissenschaft entgegentraten und das All-
gemeine der Wissenschaft gegenüber den Wissenschaften bzw. den einzel-
nen Fächern verteidigten. Gleichzeitig scheint Scherer auch den musealen
Charakter der Bibliothek gegenüber ihrer neuen Aufgabe als wissenschaft-
liches Instrument verteidigt zu haben.128 Der Nachfolger Scherers, Eduard
Kögeler129, der zuvor kurz unter Scherer als Scriptor gedient hatte, erscheint
in dieser Hinsicht weniger eigenständig. Er trat weniger selbstbewusst den
126 Zingerle an die Statthalterei, Innsbruck 14.06.1858, Statthalterei Studien 12116 ad 47276/
1858, Tiroler Landesarchiv.
127 Vgl. Moy an Thun, Innsbruck 21.07.1853, Nachlass Leo Thun-Hohenstein, A3 XXI D219,
Staatliches Gebietsarchiv Leitmeritz, Zweigstelle Tetschen-Bodenbach; Moy an das MCU,
Innsbruck 21.11.1856, Statthalterei Studien 23402/1856, Tiroler Landesarchiv; Kopetzky
an Statthalterei, Innsbruck 10.12.1856, Statthalterei Studien 23402/1855, Tiroler Landes-
archiv.
128 Vgl. dazu das etwas andere Urteil von Neuhauser, der Scherer von der romantischen Vor-
stellung und dem staatlich verordneten Wunsch des Aufbaus einer „Bibliotheca patria“
geprägt sieht, aber auch dessen Willen aus der Bibliothek eine moderne Gebrauchsbiblio-
thek zu machen. Vgl. neuHaus, Biblioteca semper renovanda, restauranda, reformanda, S.
255–256.
129 Eduard Kögeler (1818–1878), 1851–1854 Skriptor im Ferdinandeum, anschließend Biblio-
thekar in Salzburg, 1859–1866 Direktor der Universitätsbibliothek Innsbruck, anschlie-
ßend Scriptor an der Bibliothek in Olmütz, ab 1875 Kustos der Universitätsbibliothek in
Graz.
Die Universität Innsbruck in der Ära der Thun-Hohenstein’schen Reformen 1848–1860
Aufbruch in eine neue Zeit
- Title
- Die Universität Innsbruck in der Ära der Thun-Hohenstein’schen Reformen 1848–1860
- Subtitle
- Aufbruch in eine neue Zeit
- Author
- Christof Aichner
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Date
- 2018
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20847-1
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 512
- Keywords
- University of Innsbruck, University Reforms, Thun-Hohenstein, Leo, Universität Innsbruck, Reform, Universitätspolitik, Thun-Hohenstein
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen