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8 DIE UNIVERSITÄTSBIBLIOTHEK INNSBRUCK IN DER
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Forderungen der Professoren entgegen und musste sich, auch durch die ver-
mehrten Möglichkeiten der Einflussnahme seitens des Senats, stärker den
Wünschen der Professorenschaft fügen.130 Zugleich erweckt die Betrachtung
der beiden unterschiedlichen Persönlichkeiten den Anschein, dass hier auch
ein Generationenwechsel stattgefunden hat: Denn Scherer erscheint, in viel-
facher Hinsicht noch dem System des Vormärzes und einem Wissenschafts-
verständnis verbunden zu sein, das nun nicht mehr zeitgemäß war.
Die Disziplinenentwicklung des 19. Jahrhunderts zeigt sich schließlich
besonders deutlich in der Entwicklung von Seminar- und Institutsbibliothe-
ken, die für einzelne Disziplinen angelegt wurden. In Innsbruck vollzog sich
diese Entwicklung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts im Zuge der
Gründung der ersten Seminare. Parallel zur Einrichtung derselben erfolgte
meist auch die – zunächst rudimentäre – Schaffung kleinerer Bibliotheken,
die später immer weiter ausgebaut wurden.
Zieht man hingegen einen Vergleich vom ersten Bibliothekar Anton Ro-
schmann zu den beiden letztgenannten, so lässt sich noch deutlicher der
Wandel in den Aufgaben und dem Selbstverständnis der Bibliothekare und
der Bibliothek zeigen. Während bei Roschmann die Bibliothek noch jene Ge-
lehrtenbibliothek war, die der Bibliothekar verwaltete und insbesondere zu
eigenen Forschungen nutzte131, waren Scherer und Kögeler im Gegensatz zu
Roschmann hauptsächlich damit beschäftigt, die Bibliothek zu verwalten.132
Eigene wissenschaftliche Arbeiten waren durch einen erhöhten Verwal-
tungsaufwand und jährlich wachsende Bücherzahlen schwieriger geworden.
130 Kögeler wurde im Übrigen wegen zahlreicher persönlicher Verfehlungen in seiner Amts-
ausführung nach Olmütz strafversetzt. Zahlreiche Professoren hatten zuvor Anklage gegen
ihn erhoben. Vgl. dazu Kögeler an die Statthalterei, Innsbruck 28.01.1867, Statthalterei
Studien 2276/1867, Tiroler Landesarchiv.
131 Vgl. zu dem umfangreichen Werk Roschmanns auer, Anton Roschmann 1694–1760 und
müLLer et al., Anton Roschmann (1694–1760).
132 Selbstverständlich sind solche Typisierungen auch mit Vorsicht zu behandeln, hängt doch
viel von der jeweiligen Persönlichkeit ab. Dennoch zeigt sich bei dem Vergleich die Ent-
wicklung vom Gelehrtenbibliothekar zum Bibliothekar als Vermittler von Informationen.
Vgl. auch kLeinscHmidt, Über den Umgang mit Büchern.
Die Universität Innsbruck in der Ära der Thun-Hohenstein’schen Reformen 1848–1860
Aufbruch in eine neue Zeit
- Title
- Die Universität Innsbruck in der Ära der Thun-Hohenstein’schen Reformen 1848–1860
- Subtitle
- Aufbruch in eine neue Zeit
- Author
- Christof Aichner
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Date
- 2018
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20847-1
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 512
- Keywords
- University of Innsbruck, University Reforms, Thun-Hohenstein, Leo, Universität Innsbruck, Reform, Universitätspolitik, Thun-Hohenstein
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen