Page - 430 - in Die Universität Innsbruck in der Ära der Thun-Hohenstein’schen Reformen 1848–1860 - Aufbruch in eine neue Zeit
Image of the Page - 430 -
Text of the Page - 430 -
9
SCHLUSS430
Die Adresse an Thun wurde nicht unterzeichnet von der chirurgischen Facul-
tät, in der philosophischen versagten die Unterschrift: 1. Kopetzki (dieser je-
doch schwerlich aus liberalen sondern aus persönlichen Gründen) 2. Glax 3.
Waltenhofen 4. Occioni 5. Baumgarten 6. Hlasiwetz 7. Pichler.8
Das würde bedeuten, dass mehr als die Hälfte der Professoren der philoso-
phischen Fakultät die Adresse nicht unterzeichnet hatten. Über die jeweili-
gen Gründe ließe sich in den meisten Fällen nur spekulieren, Pichler deutet
jedoch an, dass es vor allem die Liberalen innerhalb der Professorenschaft
waren, welche die Adresse nicht unterschrieben hatten. Bei Onorato Occioni
gesellten sich wohl auch persönliche Gründe hinzu. Er hatte auf Grund sei-
ner schweren Stellung an der Universität um eine Versetzung nach Padua
gebeten, die zunächst jedoch nicht bewilligt worden war.9 Ähnlich war es
wohl bei Heinrich Glax. Dieser hatte sich seit 1859 in einem Konflikt mit
Julius Ficker und einigen Professoren der philosophischen Fakultät befun-
den, den Thun kurz vor seiner Entlassung und somit als eine seiner letzten
Amtshandlungen im Sinn von Ficker entschieden hatte. Ausgangspunkt für
den Streit waren die unterschiedlichen Auffassungen Fickers und Glax’ be-
züglich der Habilitation von Alfons Huber.10 Glax fühlte sich durch die Ent-
scheidung für Ficker offenbar brüskiert.
Im Fall von Karl Kopetzky sind wir indes nicht auf Spekulationen ange-
wiesen, er äußert sich nämlich in einem Brief an Kardinal Rauscher selbst
zu dem Fall: „Ich habe die Adresse, die man Thun hier glänzenst notierte,
nicht unterschrieben; das war ich meinen Grundsätzen schuldig, und wenn
er morgen wieder Unterrichtsminister würde.“11 Neben seinen persönlichen
Gründen, wie z.B. die ungeliebte Versetzung nach Innsbruck12, lässt er in
dem Brief durchblicken, dass es besonders die liberalen Reformen und die
Förderung der, seiner Ansicht nach, protestantischen Wissenschaft und da-
mit die Untergrabung der katholischen Werte war, die er Thun übelnahm.
Einige Auszüge aus dem Brief verdeutlichen das:
Ich sehe kein Besserwerden, denn die protestantische Fortschritterei nimmt
immer mehr überhand. Ich kann unmöglich an einer solchen Fakultät die-
8 Pichler an Thaler, Innsbruck 07.12.1860, 90343, Wienbibliothek, Handschriftenabteilung.
9 Vgl. Kapitel 5.9.1
10 Vgl. zur Auseinandersetzung die abgedruckten Dokumente und Erklärungen bei, oBerkof-
Ler et al., Alfons Huber, Briefe (1859–1898), S. 456–468; Thun an Ficker, Wien 20.10.1860,
Nachlass Ficker, Institut für Österreichische Geschichtsforschung.
11 Kopetzky an Rauscher, Innsbruck 30.12.1860, Bischofsakten Rauscher, 1860, Diözesanar-
chiv Wien.
12 Vgl. Kapitel 5.12.2.
Die Universität Innsbruck in der Ära der Thun-Hohenstein’schen Reformen 1848–1860
Aufbruch in eine neue Zeit
- Title
- Die Universität Innsbruck in der Ära der Thun-Hohenstein’schen Reformen 1848–1860
- Subtitle
- Aufbruch in eine neue Zeit
- Author
- Christof Aichner
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Date
- 2018
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20847-1
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 512
- Keywords
- University of Innsbruck, University Reforms, Thun-Hohenstein, Leo, Universität Innsbruck, Reform, Universitätspolitik, Thun-Hohenstein
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen