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Die Universität Innsbruck in der Ära der Thun-Hohenstein’schen Reformen 1848–1860 - Aufbruch in eine neue Zeit
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9 SCHLUSS432 ultramontane Gruppen um Jarcke, Phillips17, Moy de Sons und die (späte- ren) Bischöfe Ignaz Feigerle, Franz Joseph Rudigier, Josef Fessler, Vinzenz Gasser sowie der verehrte Freund Kopetzkys, Kardinal Joseph Othmar Rau- scher, standen in manchen Punkten in Opposition zu Thuns Universitäts- politik. Allerdings wähnte diese Gruppe Thun grundsätzlich auf ihrer Seite, wie zahlreiche Briefe zeigen, außerdem fühlten sich die Ultramontanen durch das Konkordat in vielen ihrer Forderungen befriedigt (Kap. 6). Der Brief von Kopetzky zeigt aber nicht zuletzt auch, dass gerade von katholischer Seite die Reformen als protestantisch erachtet wurden. Außer- dem wird deutlich, dass die Förderung der klassischen Philologie und deren Lehre nach dem Vorbild Preußen als „heidnisches“ Machwerk zur Unter- grabung der katholischen Kirche angesehen worden waren. Das Ersetzen der österreichischen, katholischen Bildungstradition durch ein als protes- tantisch verstandenes neues Wissenschaftsethos wurde dabei auch als erster bzw. weiterer Schritt in den Ruin Österreichs diagnostiziert, der nach der Krise im Jahr 1859 auch äußerlich sichtbar geworden sei. Die Episode um die Dankadresse aus Innsbruck steht sinnbildlich für die Ministerschaft Thuns und verdeutlicht auch das Zustandekommen der un- terschiedlichen Deutungslinien in der Historiografie zu Thun. Am Beginn dieser Arbeit (Kap. 1.3.2.) wurde gezeigt, wie sehr sich die Urteile von Zeit- genossen und Historikern auf unterschiedliche ideologische Standpunkte derselben zurückführen lassen, wie sich bis weit ins 20. Jahrhundert eine gewisse Pfadabhängigkeit in der Deutung Thuns hielt und ein ambivalentes Bild der Person Thuns dominierte. Festzuhalten bleibt außerdem, dass zu- nächst die Bewertung der Reformen und jene der Person Thuns voneinander abhängig waren bzw. sich gegenseitig beeinflussten. Das änderte sich zuneh- mend mit der positiven Entwicklung der österreichischen Universitäten, die sich seit den späten 1860er-Jahren in einer Expansionsphase befanden. Die Reformen wurden nun weitgehend positiv bewertet, das ambivalente Bild von Thun blieb. Die passende Deutung hierzu lieferte Armand Dumreicher in den 1870er-Jahren, der den Erfolg der Reformen auf die überlegene Kraft des deutschen Universitätsmodells und des „modernen Geistes“18 der Wis- senschaften zurückführte. In diesem Sinn wären die Reformen nicht wegen, sondern trotz Thuns Wirken erfolgreich gewesen. 17 Vgl. dazu etwa auch den Beitrag in den von Phillips und Jarcke herausgegebenen Histo- risch-politischen Blättern für das katholische Deutschland gegen die Wahl Bonitz zum De- kan an der Wiener Universität: Die Dekanatswahl der philosophischen Fakultät an der Uni- versität Wien. Der Autor ist auch nicht zu eruieren mit der Hilfe von aLBrecHt et al., Die Mitarbeiter der Historisch-Politischen Blätter für das Katholische Deutschland 1838–1923. 18 dumreicHer, Die Verwaltung der Universitäten seit dem letzten politischen Systemwechsel in Österreich, S. 8.
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Die Universität Innsbruck in der Ära der Thun-Hohenstein’schen Reformen 1848–1860 Aufbruch in eine neue Zeit
Title
Die Universität Innsbruck in der Ära der Thun-Hohenstein’schen Reformen 1848–1860
Subtitle
Aufbruch in eine neue Zeit
Author
Christof Aichner
Publisher
Böhlau Verlag
Date
2018
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20847-1
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
512
Keywords
University of Innsbruck, University Reforms, Thun-Hohenstein, Leo, Universität Innsbruck, Reform, Universitätspolitik, Thun-Hohenstein
Categories
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Die Universität Innsbruck in der Ära der Thun-Hohenstein’schen Reformen 1848–1860