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SCHLUSS438
In Preußen selbst kamen von verschiedenen Universitäten Forderungen
nach Veränderungen, die unter anderem bei den Verhandlungen deutscher
Universitätslehrer27 in Jena im Herbst 1848 diskutiert worden sind. Zu ei-
ner Teilnahme von Innsbrucker Professoren kam es – trotz ausdrücklichen
Wunsches der Professoren – aufgrund mangelnder finanzieller Unterstüt-
zung durch das Ministerium aber nicht. Aus Österreich nahmen daher nur
Vertreter der Wiener Universität teil. Der Kongress sollte vor allem dazu
dienen, eine Vereinheitlichung bei den Universitäten innerhalb des Deut-
schen Bundes zu erzielen. Außerdem begehrten die Nicht-Ordinarien auf
und verlangten größere Mitsprache. So lässt sich diese Versammlung auch
als Parallele zur Frankfurter Paulskirche auf universitärer Ebene interpre-
tieren und verdeutlicht die politische Dimension der Reformen. Die Frage
nach der Mitbestimmung der Nicht-Ordinarien verweist zudem auf Ausein-
andersetzungen, die besonders die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts prä-
gen sollten.
Ein weiterer Punkt der damals in Jena diskutiert wurde und auf das 20.
Jahrhundert bzw. die Gegenwart verweist, war die Frage der Einführung
der Kollegiengelder. Die Professoren der deutschen Universitäten regten da-
mals die Einführung des Kollegiengeldes auch in Österreich an, was dann
auch – unabhängig von der Anregung in Jena – geschah. Doch das Argument
der Angleichung der Universitätssysteme im Deutschen Bund wurde durch-
aus verwendet. Das wesentliche Ziel Thuns war, mit dieser Angleichung
auch in einen Wettbewerb um die besten Köpfe mit den deutschen Univer-
sitäten treten zu können. Dies war aus seiner Sicht nur möglich, wenn an-
nähernd gleiche finanzielle Anreize für Professoren bestünden. Gleichzeitig
wurde damit auch ein finanzielles Anreizsystem innerhalb der Universitä-
ten um den Zuspruch der Studenten geschaffen, das heutige Universitäts-
manager sicherlich befürworten würden. Gleichzeitig passen die damaligen
Diskussionen bzgl. der Schaffung von materiellen Anreizsystemen und dem
Wettbewerb mit ökonomische Mitteln nicht in das häufig anzutreffende Bild
einer idealisierten Vorstellung der reinen Wissenschaften im 19. Jahrhun-
dert und dem Narrativ der Ökonomisierung der Universität im späten 20.
bzw. im 21. Jahrhundert, sondern zeigen, dass der Gedanke des Wettbe-
werbs damals bereits vorhanden war.28
Die Vorbildfunktion der deutschen Universitäten wurde in der Literatur
häufig thematisiert und auch in der vorliegenden Untersuchung, in Kapitel
27 domricH et al., Verhandlungen deutscher Universitätslehrer über die Reform der deut-
schen Hochschulen in der Versammlung zu Jena vom 21. bis 24. September 1848.
28 Vgl. dazu auch bei stadLer et al., Die Universität Wien im Kontext von Wissens- und Wis-
senschaftsgesellschaft, S. 232.
Die Universität Innsbruck in der Ära der Thun-Hohenstein’schen Reformen 1848–1860
Aufbruch in eine neue Zeit
- Title
- Die Universität Innsbruck in der Ära der Thun-Hohenstein’schen Reformen 1848–1860
- Subtitle
- Aufbruch in eine neue Zeit
- Author
- Christof Aichner
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Date
- 2018
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20847-1
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 512
- Keywords
- University of Innsbruck, University Reforms, Thun-Hohenstein, Leo, Universität Innsbruck, Reform, Universitätspolitik, Thun-Hohenstein
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen