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Die Universität Innsbruck in der Ära der Thun-Hohenstein’schen Reformen 1848–1860 - Aufbruch in eine neue Zeit
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9 SCHLUSS 447 rangierte. Allerdings, und das zeigt Jan Surman in seiner Dissertation58, kann dieses Modell von Baumgarten nicht einfach auf Österreich umgelegt werden. Lässt sich für die Zeit bis 1867 noch eine gewisse gesamtstaatliche Fluktuation zwischen den Universitäten erkennen, der auch dem Versuch der Etablierung eines gesamtstaatlichen, verbindenden Wissenschafts- raums geschuldet war, verschob sich die wissenschaftliche Topographie nach 1867 und der Etablierung von nicht-deutschsprachigen Universitäten zunehmend. Surman zeigt das besonders für die Universitäten Galiziens, die sich – der gemeinsamen Sprache geschuldet – nun auch gegenüber Wis- senschaftlern aus Russland (Polen) öffneten und sich so auch von den übri- gen Universitäten der Monarchie abgrenzten. Außerdem weist Surman auf die Eigenheit der medizinischen Fakultäten hin, bei denen die Mobilität nur eingeschränkt vorhanden war. Daneben lässt sich zumindest in drei Fällen (Kopetzky, Małecki, Zielonacki) Innsbruck gewissermaßen als Verbannungs- ort beschreiben. Kopetzky empfand dies selbst so, nachdem er seine Stelle in Olmütz verloren hatte, als die dortige Universität geschlossen worden war. Die beiden anderen Professoren sollten, nachdem sie wegen angeblicher pol- nischer und anti-habsburgischer Propaganda ihre Stelle an der Universität Krakau verloren hatten, in Innsbruck rehabilitiert werden. Die Ära Thun bedeutete eine Differenzierung im Fächerkanon sowohl an der juridischen als auch an der philosophischen Fakultät. Im Hinblick auf Erstere kann die Etablierung der historischen Methode und die damit ver- bundene Einführung der deutschen Reichs- und Rechtsgeschichte bzw. die Stärkung des Römischen Rechts genannt werden. An der philosophischen Fakultät wurden vor allem die philologischen Disziplinen neu verankert und damit die Möglichkeit einer folgenden Differenzierung in diesem Bereich geschaffen. Gerade die Lehre der deutschen und italienischen Sprache ver- deutlichte dabei den Trend zu einer Verwissenschaftlichung dieser Fächer und eine Abkehr von der Vermittlung von Sprachkenntnissen. Ähnliches galt für die Pharmazie, die in den Rang eines Universitätsstudiums gehoben wurde. Besonders durch die finanziellen Begrenzungen, die die Haushalts- politik der Monarchie mit sich brachten, dauerte der Ausbau und die rasche Differenzierung der Disziplinen in Innsbruck allerdings länger als an ande- ren Universitäten, was erneut Innsbrucks Position als kleine Universität der Monarchie unterstreicht. Die Personalpolitik Thuns zeitigte zwar auch in Innsbruck einen wissen- schaftlichen Aufschwung, und einige Professoren, die er berufen hatte, wirk- ten sehr erfolgreich und lange in Innsbruck – das gilt besonders für die phi- 58 Ebenda. Vgl. jüngst und für das Beispiel der Universität Wien: surman, Vom „akademi- schen Altersheim“.
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Die Universität Innsbruck in der Ära der Thun-Hohenstein’schen Reformen 1848–1860 Aufbruch in eine neue Zeit
Title
Die Universität Innsbruck in der Ära der Thun-Hohenstein’schen Reformen 1848–1860
Subtitle
Aufbruch in eine neue Zeit
Author
Christof Aichner
Publisher
Böhlau Verlag
Date
2018
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20847-1
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
512
Keywords
University of Innsbruck, University Reforms, Thun-Hohenstein, Leo, Universität Innsbruck, Reform, Universitätspolitik, Thun-Hohenstein
Categories
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