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Geographie, Land und Leute
Unser Vaterland - Steiermark und Kärnten
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Graz. stammenden k. k. Burg erheben, führt uns wieder ins Grüne hinaus. Und mitten in demselben liegen die weit- gedehnten Theile von Neu-Graz mit schönen, aber nicht sehr belebten Straßen, mit herrlichen Gebäuden. Die Elisabethstraße mit dem Palais Auersperg, wo der Dichter Anastasius Grün wohnte nnd starb; mit dem großarti- gen Zinshauspalaste des Grafen Meran und mit ihren prachtvollen Villenreihen bis hinaus zur Kirche von St. Leonhard, deren weißer Thurm durch die lange Gasse hcreinschimmert in die Stadt — ist wohl einer der anmuthigsten Theile von Graz. Ferner die anderen Kreuz- und Quergassen mit ihren lieblichen Gärten, die An- nehmlichkeiten der Stadt und des Landes in sich vereinigend; dann die Theile der neuen Universität, die in wenigen Jahren in ihrer Vollendung die schönste Gegend von Graz einnehmen soll, die Stadtthcile am Fuße des Ruckerl und des Rosenberges, das geschmackvolle Palais des Grafen Meran, der in moderner Pracht gebaute Iohanncnhof mit seinen Fresken anf Goldgrund, die hoch von den Zinnen hin- leuchten über die Giebel der Häuser, und um wieder zur Stadt zurück- zukehren, das Ioanncnm mit seinen Sammlungen, seinem schönen bota- nischen Garten mit der Büste des Mineralogen Mohs, nnd so fort — bieten uns des Unmuthigen, Abwcchslungsvollen genug. Jenseits der Mur breitet sichs hin, weit über die Bahnhöfe hinaus bis zum schönen Schlosse Eggenberg, das am Fuße des Waldberges Plawutsch liegt — Häuser, Paläste, Villen, Fabriken, und inzwischen Grün, überall Gärten und Büsche. Auf den Straßen Arbcitervolk, schwere Lastwagen, aber auch rasch hinrollcndc Herr- schaftskaleschcn darnntcr. Das Graz: Mausoleum. Straßenvolk in Graz hält sich verhältnißmäßig ruhig, nur daß etwa hier ein „Gefrorner"-Mann Kühlung ausschrcit und dort der Stcinkohlcnverkäufcr, seinem schwar- zen Wagen voranlaufend, sein Wärmcmittcl mit einer gellenden Glocke ausschcllt. Mitunter schwankt unter Pusauncngetöne ein Leichcn- zug durch die Straßen; nicht selten daß draußen vor der Linie zur Bcgräbnißfeicr eines alten Generals Kanonen krachen. An Soldaten leidet Graz keinen Mangel nnd auf dem Grazfclde tönt Tag für Tag Trommelwirbel und Trompete. Die ärmlichsten Stadttheile sind Mc gegen Süden, dort wohnt viel Proletariat. Und doch nimmt die prachtvollste Gasse von Graz gerade dort hinab ihren Lauf: die aus Palästen gebaute verlängerte Klosterwicsgasse mit ihren kleinen Vorgärten zu beiden Seiten. Die Bauten sind alle neu, Musterwcrkc in dekorativer Beziehung, die meisten architektonisch schön. — Graz ist vielfältig an Schönheiten; und wenn einst auch der Murquai an beiden Seiten vollendet sein wird, dann wird Graz nicht mehr bloß seiner landschaftlichen, sundern auch seiner Schönheit als Stadt wegen gesucht und berühmt werden. Der seit Jahren mit unglaublichen Erfolgen thätige Stadtvcrschüncrungsvercin scheut keine Anstrengungen, diesen: Ziele zuzustreben. Allerdings läßt sich nicht verschweigen, daß mit der Vergrößerung und Modernisirung der Stadt in der Gesellschaft allmälig jene Gemüthlichkeit schwindet, die einst Graz so sehr charakterisirt hat. Ein Spaßvogel, wie der alte Rusterhuber ^ der Grazer Eulcnspicgel ^- könnte heute kaum mehr cristiren, oder er würde von den Altklugen — zum Misantropen gemacht. Indeß ists in Sachen edler Gemüthlichkeit noch nicht so schlimm; in vielen Bürger- und Bcamtcnkrcisen erquickt uns noch liebenswürdige Anspruchslosigkeit, häusliches Glück und treue Auf- opferungsfähigkeit. Sittlicher Anstand, religiöser Sinn, Fröhlichkeit durchweht das Haus. In anderen Kreisen ist vor Allein die Klage über leichtfertige, unvcrläßlichc Dienstboten arg, worans wohl zu schließen ist, daß böse Bei- spiele vorliegen. Schier der größte Theil der Grazcr Köchinnen, Kindswärterinnen und Dienerinnen ist aus dem 25'
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Unser Vaterland Steiermark und Kärnten
Title
Unser Vaterland
Subtitle
Steiermark und Kärnten
Authors
Peter.K. Rosegger
Fritz Pichler
A. von Rauschenfels
Publisher
Gebrüder Kröner
Location
Stuttgart
Date
1877
Language
German
License
PD
Size
28.1 x 42.23 cm
Pages
344
Keywords
Wandern
Categories
Geographie, Land und Leute
Geschichte Vor 1918
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