Web-Books
in the Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Geographie, Land und Leute
Unser Vaterland - Steiermark und Kärnten
Page - 102 -
  • User
  • Version
    • full version
    • text only version
  • Language
    • Deutsch - German
    • English

Page - 102 - in Unser Vaterland - Steiermark und Kärnten

Image of the Page - 102 -

Image of the Page - 102 - in Unser Vaterland - Steiermark und Kärnten

Text of the Page - 102 -

102 Steiermark, Oon Graz bt5 Vruck. lieben der Vahn, nns entgegen zieht die Mnr, deren breite Sandbänke hier uns verrathen, daß der Strom doch nicht immer so ruhig und freundlich ist als er dem Fremden scheinen mag. Die Mur kann wild und rasend sein, sie hat schon manchen Todten hcrabgcschwemmt, schon manches Stück von Graz mit sich gerissen. Erst vor ein paar Jahren an einem sonnigen Frühlingstage hat sie sich hier eines hundertfachen Mordes schuldig gemacht. Dort bei der Station Iudendorf auf dem Waldbcrglein steht die Wallfahrtskirche Straßcngcl, deren schöner gothischer Bau mit dem schlanken, durchbrochenen Thurm selbst Kinder d r^ Welt zn sich hinanzieht: wie vielmehr erst fromme Landlcnte, die von manchem Mirakel zu erzählen wisse», welches die heilige Maria von Straßengel gewirkt hat. Im Jahre 1875, am Pfingstdicnstag war's, als zur Morgenstunde von dem in diesem Thale jenseits der Mur gelegenen Dorfe St. Stcfan eine große Wallfahrerschaar sich gegen den Flnß heran bewegte, um durch die Kahnübcrfahrt daselbst ans diesseitige Ufer und nach Straßcngcl zu gelangen. — Die Mur war trüb und groß nnd die Frühlingswässcr der Alpcn schusscn rasch dahcr. — Eine halbe Stnndc oberhalb ist eine Brücke, aber die Wall- fahrer wollen geradeswegs auf der Plätte, die an einem Seile hängt, das Wasser übersetzen, um ja den Ablaß nicht zu versäumen in Straßcngcl. Zwei Plätten voll sind glücklich drüben; bei dcr dritten Fahrt drängt sich Alles anfs Fahrzeug; 's ist ein Stoßen nnd Drücken und weit über hundert Menschen haben sich auf das Schiff gedrängt. Toll schaukelt die Plätte, hell kreischen die Weiber; 's ist ja Wasser zn den Füßen. Die Ankertctte wird abgelöst, das Schiff rennt drein — — Um Gottcswillcn, was ist dcnn geschehen? „Untergegangen sind wir Alle," erzählte mir selbst ein Mann, der dabeiwar. — „Krik! ist jetzt der Pfeiler gebrochen, das Seil reißt auch — wie einen Kreisel hat's die Plätte gedreht auf dem Wasser; da sind jählings lauter Trümmer gewesen; die Lcut' hats abgeschüttelt, gerade wie man die Maikäfer abschüttelt von den Bäumen. — Eine schreckliche Stund' isw gewesen, das mögt ihr baß glauben! Leicht wären Viele durch das Schwimmen davon- gekommen, aber Einer hat sich an den Andern festgehalten, ich glaub', vier Rösscr hätten den Mcnschenlnäuel im Wasser nicht anscinandcrgcbracht. Dic Menschen an dcn Ufcrn laufen neben her nnd schreien: ihr lieben Lent'! ihr lieben Lcut'! — Sie können nicht helfen. Und das Wasser reißt nns fort, gießt nns dic Gnrgcl vull, wirft uns dann wieder in dic Höhe — ade, Welt! — Was ist das für ein Geheul gewesen zu der Maria von Straß- cngcl! — Verlassen hat uns die himmlische Frau, verlassen auf dem Kirchfahrtswcg zn ihr! — Ein Hausirjud' hat mich aus dem Wasser gezogen. Andere hat's auf dic Sandbänke nnd an die Wcinzcttelbrücke geworfen; die meisten sind dnrch Graz hinabgeronncn nnd zwei Stunden unterhalb der Stadt, bci Feldkirchen sind sie ans Land geschwemmt worden. — Wie viel zu Grunde gegangen sind? Gerade um Einen mehr als hundert." Jetzt haben wir für Straßcngcl keinen fromm begeisterten Blick mehr. Hingegen finden wir eine Stunde davon hinter Gratwcin in einem überaus freundlichen Scitcnthale eine andere Glaubcnsstätte, das uralte Cisterzienserstift Rein. Mitten in dcn Gebäuden steht dic herrliche Kirche mit schönen Fresken und Bildern. Dic Gruft umschließt die Gebeine des Stifters, des Markgrafen Leopold nnd seiner Gemahlin. In einer Scitcnkapellc ruhen mehrere stcirische Fürsten, darunter der letzte Traungauer, dann die Reste des Herzogs Ernst, der Eiserne genannt, in einem Sarkophage von rothem Marmor mit herrlichen Skulpturen. Weiter oben an der Mur ragt das schönste Schloß zwischen Wien und Trieft, das in der modernen Gothit erbante Stübing, welches sich eng an einen dichten Nadelwald schmiegend, mit seinen lichten Wänden und hohen
back to the  book Unser Vaterland - Steiermark und Kärnten"
Unser Vaterland Steiermark und Kärnten
Title
Unser Vaterland
Subtitle
Steiermark und Kärnten
Authors
Peter.K. Rosegger
Fritz Pichler
A. von Rauschenfels
Publisher
Gebrüder Kröner
Location
Stuttgart
Date
1877
Language
German
License
PD
Size
28.1 x 42.23 cm
Pages
344
Keywords
Wandern
Categories
Geographie, Land und Leute
Geschichte Vor 1918
Web-Books
Library
Privacy
Imprint
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Unser Vaterland