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von Sraz bis Vruck,
Ruine Pfanberg,
und murmelt: „Sind auch Lumpen gewesen, diese alten Ritter!" — Diefcs „auch" im Satze, es erschreckt mich
arg. — Glückselig vergessend auf alle Herren- und Knechtschaft uon einst und jetzt, ruhen wir im Schatten
nnd blicken auf das heitere Treiben in der Kaltwasscranstalt Frohnlciten. Unweit des Ortes fällt jedem Reisenden
auch die auf einen senkrechten Fclscnvorsprnng trotzende Burg Rabenstein auf, deren Geschlecht bis in das fünf-
zehnte Jahrhundert in Etciermark blühte. Die Burg ist noch ziemlich wohl erhalten und birgt hübsche Decken-
gemälde aus der Mythologie. Aus den Fenstern überschaut man die schöne Gegend, in welcher viele Waldungen
das Auge erquicken.
Oberhalb Frohnleiten wird das Thal ziemlich enge und durch Felswände noch mehr eingeengt. Wir über-
schreiten hier die Grenze zwischen dein mittleren und dem oberen Lande — sind wieder in den deutschen Alpen.
Bald sieht man die hohen kahlen Felsen bei Mirnitz — den Röthelstcin mit seinem rothen Marmor und seiner
berüchtigten Trachenhöhle. Ein beschwerlicher Weg führt hoch zu derselben hinan. Die Höhle ist eine Stunde lang
passirbar; ein Theil derselben ist ein See. Vermittelst Leitern gelangt man in die oberen Räume, die voll der sonder-
barsten Tropfstcingcbilde sind. Der Boden ist mit schwarzer Erde bedeckt, in welcher sich fossile Knochen finden,
denen der Aberglaube nachstrebt und sie unter dem Namen Drachcnbcinc oder „Oanhorn" als Mittel bei vielen
Krankheiten anwendet. Auch vergrabene Schätze werden hier gesucht. An einem Felsen im Herzen der Höhle sieht
man einige Wappen mit den Jahreszahlen 1439 und 1682. Zu Kriegszeitcn mögen sich die Menschen in diese
uneinnehmbare Burg geflüchtet habend
Von der Station Mixnitz aus machen wir eine schöne Bergpartie, besteigen den 5480 Fuß hohen Lantsch.
In vier Stunden ist er zu erklimmen. Wir gehen durch ein kleines, aber herrliches Alpcnthal, die Bärenschütz.
Im Thale einige verlassene Eisenhämmer, an beiden Seiten wüstes Gewände. Hoch zur Rechten ragt die rothe Wand,
von welcher gewaltige Klötze und Tafeln nicdcrgcbrochen find, die nun von wilden Rosensträuchen anmuthig umkränzt
werden. Hie und da ragt aus dem Walde ein grauer Felskegel, ein Zahn, ein Horn empor. — Hoch oben sprudelt
ein mächtiger Qncll, der von Hang zu Hang niedcrgießt und das Gestein durchwühlt, durchhöhlt und mit Hilfe des
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Unser Vaterland
Steiermark und Kärnten
- Title
- Unser Vaterland
- Subtitle
- Steiermark und Kärnten
- Authors
- Peter.K. Rosegger
- Fritz Pichler
- A. von Rauschenfels
- Publisher
- Gebrüder Kröner
- Location
- Stuttgart
- Date
- 1877
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 28.1 x 42.23 cm
- Pages
- 344
- Keywords
- Wandern
- Categories
- Geographie, Land und Leute
- Geschichte Vor 1918