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Steiermarf.
Freien bei Fackelschein, oder es fanden sich für einzelne Pärchen stille Winkel zum Plaudern. — ^chön war's;
des Weiteren erlaßt mir die Worte.
Unsere Bahn geht zwischen waldigen Vorbergcn über Wicscngründe hin. Bald sind wir am Friedauwerk
mit seinem architektonisch schön gebauten Hochofen, die Poesie der Gothik wunderlich mit der Prosa des Praktischen
vereinend. Unter uns haben wir stets den Vordcrnbergcr Bach, kein klares Nlpenwasscr, seitdem die Schlacken
und der Staub der neun Vordernbergcr Hochöfen in dasselbe gefallen find. — Nun sind wir am Ende
der Bahn, die freilich am liebsten gerade durch den Berg nach Eisenerz möchte. Aber die Banken stürzen und
die Berge stehen fest. Gottlob noch, daß es nicht umgekehrt ist! — Vordernbcrg — südlich vom Erzberge, die
Wcrkstättc der fogcnanntcn Radmcistcrcommnnität, eines Vereines von Gewcrken — liegt ganz unbehaglich ein
geklemmt zwischen steilen Bergen, hat oft kaum Raum für die Straße und den Bach und die Häuser; Hochöfen
nnd Werksgebäude klammern sich an die Berglehnen. Alle Mauern sind rothbraun von dein ewigen Erzstaub; zum
Glücke kommt von den Wänden nieder oft der fegende Wind, welcher Straße und Gebäude abbläst. Der Markt hat vom
Bahnhöfe bis zum oberen Ende eine Länge von Dreiviertelstunden. Dann steigt die Straße den Berg hinan und
geht über den Prebühcl nach Eisenerz. Wir trachten rechts über das Gewände des Hochthurm dem Tragößerthale zu.
Das Tragößerthal, eines der schönsten in den Alpen, ist von drei mächtigen Bcrgriesen umschlossen. Der
mit Legföhren reich bewachsene Fclskcgel des Hochthurm; die wüste, in senkrechter Wand abstürzende Pribitz, die
ihre Schuttfcldcr weit ins Thal hinabgießt; die gewaltige Kuppe der Neßncrin. Zwischen diesen drei Bergen gähnen
zwei wilde Schluchten nieder ins idhllische Hirtcnthal. In einer derselben, aus welcher die Lamming kommt, liegt
in einem verkümmerten Fichtenwäldchen der grüne See. Das Wasser ist kristallklar, der Grund des Sees besteht
aus weißen Steinen — aber das Ganze spielt seltsamer Weiße ins tiefe Grün. An beiden Seiten des Sees sind
mächtige Schutthalden von den Felsspalten nieder-
gegangen und im Engthalc liegen ungeheure
Wuchten von Stein- nnd Erdlawinen. Im Hinter-
grnnd ragt die Heuwieswaud und die Gricsmauer
auf, zwei trotzige Felsblöckc, die an den Wänden
keine röthlichen Brnchflächen haben, wie etwa die
ewig abrutschende, niederbrechendc Pribitzwand, die
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Unser Vaterland
Steiermark und Kärnten
- Title
- Unser Vaterland
- Subtitle
- Steiermark und Kärnten
- Authors
- Peter.K. Rosegger
- Fritz Pichler
- A. von Rauschenfels
- Publisher
- Gebrüder Kröner
- Location
- Stuttgart
- Date
- 1877
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 28.1 x 42.23 cm
- Pages
- 344
- Keywords
- Wandern
- Categories
- Geographie, Land und Leute
- Geschichte Vor 1918