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Geographie, Land und Leute
Unser Vaterland - Steiermark und Kärnten
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Page - 123 - in Unser Vaterland - Steiermark und Kärnten

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Im Thale der Mürz. 1693 den 18 nach vnd den 19 Augusti Vormittag sein wieder die Hcuschröken in unbeschreiblicher menge durchgeflogen, alda schier kheincn andcrwcrtig aber in Traith großen Schadeil gethan. Was folgen werdt ist Gott bekanndt, oder dessen Abwendung von Ihmc zu crbctten." Ferner folgt noch die Aufzählung mehrerer großer Feuersbrünstc neuerer Zeit. Unter den vielen Türkensagen des Mürzthalcs berichtet eine, die Türken hätten die gefangenen Bewohner der Gegend in die Kirche von Kricglach zufammcngespcrrt, um sie mitsammt derselben zu verbrennen. Da seien aber aus den Waldgegenden des Tcufclsstcin wilde Männer in Rotten hervorgebrochen, hätten die Feinde mit ge- waltigen Aexten erschlagen und die Gefangenen befreit. <3in vaterländischer Dichter hat diese Sage in seiner Er- zählung: „Der Höllbart" benützt, einem düsteren Gemälde aus der Türkcnzeit im Mürzthale. Vor der Eisenbahn war Kricglach einer jener lauten, wohlhabenden Orte, denen jedes Rad der allbclebten Landstraße einen harten Thaler zuführte, die aber jetzt behende das Gras sammeln, so auf der Landstraße wächst. Hingegen führt die Eisenbahn zur Sommerszeit Gäste aus den Hauptstädten herbei, die monatelang verbleiben, nm sich der schönen, ländlichen Natur zu erfreuen. Die dämmernden Bergrücken des Gölk, des Kaiser- und Königskogcls ragen im Süden und Osten; sie haben Kanten, so schroff wie die Riffe der Ennsthalcralpen, aber der Wald läßt fichs nicht nehmen, er zieht sich hier hinauf bis zu den schärfsten Spitzen und jede Felswand hüllt er ein. Wohl nagen tausend Beile und Sägen an ihm, dem lieben Wald, aber er wuchert in reicher Kraft überall jung wieder nach — will nicht lassen von diesem Bergthal, das er gehütet und gesäugt wie eine Mutter ihr Kind, bis es schön und fruchtbar geworden. Wir blicken noch auf das weiße Kirchlein am Waldhange des Gölk, <oem Frauenkultus geweiht; wir hören von seinem Thurme ein Glöcklcin klingen, weil eine drohende Wetterwolke am Himmel steht. Hier wie in vielen andern Gegenden der Steicrmark ist das Wcttcrläuten noch gebräuchlich. Das zwischen schützenden Vorbergcn der Alpen gelegene Thal bleibt thatsächlich vor grobem Wetter meist verschont; der Mann aber, welcher den Sommer über das Wetterläutcn besorgt, bekommt im Herbst von der Bevölkerung seinen Tribnt an Brot und Geld. — Das Brausen der Eisenbahnzüge, deren auf dicfer Strecke täglich über dreißig verkehren, das Pochen der Eisen- werke zu Krieglach will zu dem mittelalterlichen Geläute des Waldkirchlcins nicht recht stimmen, nnd doch gibt all das zusammen der Gegend, in welcher Vergangenheit und Gegenwart Raum habcu, einen eigenthümlichen Reiz. — Von Osten schimmert der Kirchthurm von Langcnwang, das Schloß Neuhohcnwang und im Hintergründe der Felsen des Gansstein, die Almen bei Spital und die spitzen Bcrgkcgcl am Scmmering. Die nahen Ncubcrgcralpen werden dnrch den nördlichen vielgestaltigen Höhenzug verdeckt. Bei Kricglach ist das Thal am breitesten nnd also das Auge am herrschendsten, und — kein Wunder denn — die Gegend gar belebt — besonders zur Sommerszeit. So sind die schönen Landsitze, wie der idhllisch nntcr großen Linden rnhcndc Rainhof, der auf jungbcpflanztem Hügel über dem Orte Kricglach ragende Hönighof und andere Sommerhäuser dieser Gegend gesucht und alljährlich von Städtern bewohnt, die hier aufleben, aufjubeln über die herrliche, liebliche, wohlige Gottcswclt, die ihnen zwischen den sturm- und lcidcnschaftbewcgten Maucrwüstcn der Großstadt so ganz abhanden gekommen war. Und vollends das schöne, mit l/omfort eingerichtete, von klarem, lebendigem Bcrggcwässcr umrauschtc Schloß Feistritz an der Mürz mit seinem aus uralten Bäumen bestehenden Wildparke nnd seinem großen, in diesem Wildparke wie ein See gelegenen Teich, — über dessen Ufcrbüschcn und Wipfeln die großen Naldnngcn der Berge hcrcinblauen nnd zur Vollendung des Bildes dort im Waldesblau ciue der schönsten der stcirischcn Burgen, die Krone des Thales, die Ruine Hohcnwang, ragt. Das ist einer der lieblichsten Wohnsitze des Mürzthales, nnd wer einen thauigen Sommermorgcn und einen kristallklarcn Abend daselbst zugebracht hat, der wird ermessen, wie der Reisende vom Coupe des Eisen - bahnwaggons ans, so sehr er das Mürzthal anch beloben und bejubeln mag, doch nur den allergeringsten Theil innc wird von den Naturschünheitcn mannigfachster Art, mit welchen dieses Gelände an den Ufern der Mürz so reich gesegnet ist.
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Unser Vaterland Steiermark und Kärnten
Title
Unser Vaterland
Subtitle
Steiermark und Kärnten
Authors
Peter.K. Rosegger
Fritz Pichler
A. von Rauschenfels
Publisher
Gebrüder Kröner
Location
Stuttgart
Date
1877
Language
German
License
PD
Size
28.1 x 42.23 cm
Pages
344
Keywords
Wandern
Categories
Geographie, Land und Leute
Geschichte Vor 1918
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