Page - 149 - in Unser Vaterland - Steiermark und Kärnten
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Das Canalthal.
etwa 1108 (gothisch erneut und mit einer Krhpta), sind zwciunduicrzig Acbtc da oben Haushcrrfcher gcweseu bis
in des Kaisers Joseph II . Tage. Die Türken (1492), aus dem Sauethal kommend, die Bauern zu sich selber
kommend, haben ihnen die Stunden weidlich schwer gemacht und gar mancher der Mönche mag des ^,dda,8
?i0i-imrlll6u8 eingedenk worden sein, wie der, vom Fenster nach den Thälern blickend, durch den betäubenden Alpcn-
sturz erst wie gelähmt und geblendet, schließlich die verderbliche „Schütt" über einen Streif ergiebiger Ländcrcicn
ergossen sah. Wenn beim großen Türkcnsturm-Brandc uon 1476 in der Lokaltragödic des festen Klosters Sakristei
und Keller gerettet bleibt, wenn in der Zeit der Aufkläruug da'? große Fclsgchäus nur drei Patres beherbergt;
wen» schließlich die Säcularisation dieses geistliche Stift als das zwciteinzigc schuldenfreie in Knrutcn betrifft, so
hat das Thema uun Herb nnd Süß auch hier sein Schcrflcin. Vergessen wir nicht, der berühmte Shakespeare-Spieler,
das Glanzgcstirn der Bühne uon Hamburg, Berlin nnd Wien, der von Mendelssohn hochverehrte Ioh. Fr. Brockmanu,
ein gcborner Grazer, verlebte hier anderthalb Jahre dunkler, uurbcrcitungZreichcr Entbehrungszcit.
Hinter Gailitz mit der steinernen Dreibugenbrücke, vorüber dem Nuinenthurm vun Straßfried und dem
Dörflcin geht es in merklicher Steigung zu den Stationen Thörl-Maglcrn hinanf. Hier entsagen wir den Fort-
setzungen des Gailthalcs und rufen dem abzweigenden Wege Valct. Der Prolog ist vorbei nnd jenseit der Gailitz^
brücke der Bahn (zweiundfünfzig Meter lang), wo die tiefen Wassergraben der smaragdgrünen Echliha hcraufzudunkeln
beginnen lind im Hinanstrcbcn gegen die Bergkirchc der Goggau zunächst der kleine Tunnel zn passieren ist, alsdann der
größere, gebohrte, grad unterhalb des Bergdorfes Goggau hindnrch (523 Meter lang), thut sich endlich das neue,
das Grcnzthal Kärntcns gegen Italien auf.
Das Canalthal ist eine Art kärntischen Trcntino's oder Ampczzo's. Eigenartig klingen die Ortsnamen und
allerwärts wird man erinnert, daß man hier an die Wasserscheiden uon Dran und Saue, Isonzo nnd Tagliamento
geraten sei, in das Sprachcunglumerat von Tentsch, Slavisch, Watsch. Klingt nicht das gleich zu erreichende Tarvis
wie Trevisu? Und Gugg, Euldigosch, Pradlpotsch, Palod, weiterhin Malborget und Pontafel laden fie nicht znm
Sprachwurzclgraben ein? Ob nun die Industrie-Orte vornehmlich deutsch, die Stätten uon Ackerbau und Viehzucht
slavisch sich erweisen, das mag des Wanderers Angc wol herausfinden. Die große Sicht ist aufgethan und wir
segeln, den hochthruncnden Manhart begrüßend, den Königs- und Wischbcrg, in herrlichem Vogcngeleise dem Markte
Tarvis zu. Die große Eiscnbahnbrücke mit drciundsechzig Meter Spannweite ist von Fels zu Fels über den Ab-
grund vun dreiunddrcißig Fuß Tiefe gelegt und leitet zur imposanten Bahnhofstelle. Hier hat sich das Thal wieder
etwas ausgeweitet, uon Triften und Fruchtfcldcru ist all das öde Gcfclswcrk ucrdrängt.
Der Obcrmarkt dehnt sich an der ganz uortrcfflich gehaltenen Italicncrstraßc aus, der Unterurt an
Schlitzn und Bartulobach. Oben hat der Brand uon 1866 ein bischen aufgeräumt und uun altem Wust
gercinigct, drunten aber folgen sich noch alte Hcrbcrgsbildcr und Gcschoßcrkcr, Werkstätten, Mauthaus, Fuhrmanns-
dach, Wappcnzeichcn, römischer Schrift-Eckstein, gothisches Thürwcrk und uralt Gerumpel. Der Italiener nennt
all das zusammen Kleintaruis, ihm ist aber Trcuisu das Großtarvis. Auf den Rotbart Friedrich soll die erste
Besicdclung zurückgehen. Hartnäckig entwickelte sich hier der Franzosenkampf uon 1797; Masscna sollte nach
Mantua'ü Fall uom Vorstoße auf Puntebba-Villach hier aufgehalten werden, aber die nach Taifnitz uorgeschobenen
Oestrcicher nnter Erzherzog Karl wurden so zurückgedrängt, daß der Commandant selber fast umzingelt war und
schließlich nach Anfreibung der Erdödy-Huszarcn ein, mit Namen nicht mehr bekannter Erzherzug-Iohann-Tragoner
den Eingang eines taruiscr Hauses sterbend noch so lange uertheidigte, bis Anführer und Suite sich durchgeschlagen
hatten. Die Pfarrkirche, ursprünglich ein gothischer Ban mit Maliergraben und Tchußscharten, begonnen uon
Meister Oswald Nab 1449, etliche alte Grabsteine sind die Früchte eines kurzen Rundgangcs für unser Notizbuch.
Tarvis ist die Heimat des Landschaftsmalers Ioh. Vartl (geboren 1765, gestorben 1880). Das Lurcttokirchlcin
drunten soll nicht unbeachtet bleiben; zu wundern ist uur, daß die sieben alten Tcmpcrabildcr auf Goldgrund mit neu
testamentlichcn Scenen und die watschen Oclbildcr noch kein spekulativer Engländer entführt hat. Den Graf-Karl-Eteg in
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Unser Vaterland
Steiermark und Kärnten
- Title
- Unser Vaterland
- Subtitle
- Steiermark und Kärnten
- Authors
- Peter.K. Rosegger
- Fritz Pichler
- A. von Rauschenfels
- Publisher
- Gebrüder Kröner
- Location
- Stuttgart
- Date
- 1877
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 28.1 x 42.23 cm
- Pages
- 344
- Keywords
- Wandern
- Categories
- Geographie, Land und Leute
- Geschichte Vor 1918