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Vas Drauchal,
Spital.
Waffen gegen die Tyrannei gefunden haben wird. Thatsächlich hatten es die robotunlustigcn millstättcr Bancrn im
Jahr 1735 auf die Kcnlensuchc abgesehen. Dort Pussarnitz, das freundlich lächelnde Bergdorf, mit dem Grabe des
hciligglcichcn Bauers Zacharias aus dem Nigglaigrabcn, den sciil treues Rinderpaar auf eigenen Antrieb bis hichcr
zur Grabstclle gezogen. Dieses schömuicsige, zum Theile hügelige, nnr an den Draudüncn kahlbcsandctc Gebiet mit
dein malerischen Bcrghintergrunde, wie wol fügte es fich für einen altrümischcn Alpcnvorort. Weitläufige Bau-
triimmcr mit Wandmalereien und musivischen Böden, namentlich um die Frcsnitzer-Gchügcl aufgefunden, hat man
als Ucberbleibscl der norischcn Stadt Tenrnia erkannt nnd erst ncucstens ihren Schätzen wieder nachgespürt. Vor
dreizehnhundert Jahren zerstört, entweder von den Franken oder den Slaven, bot die Stadt mit dem Castcllhügcl,
einem frühromanischcn Kirchcnbau, eine günstige Stätte. Auf vortretendem Fclssockcl hingestellt erscheint Ortcnburg.
Ein karges Palasviercck, ein Stück Kapcllcngcwölb nnd zwei kräftige Thurmgcfchosse, grauvcrwcttcrt, das ist das
heutige Bild vom Prachtschlossc eines vielgenannten Grafenhauscs. Aus dem Hunsrück in Bayern-Hessen stammte
Erzbischof Hartwig, von den Spanheiincrn; und einen Spanhciincr Friedrich führte er in die teurncnser Ländercicn
ein. Ein weltliches Amt vom Kaiser gab ihm dazu noch Einkünfte und Einfluß, denken wir uns den Ertrag von
Silbcrwerkcn obendrein, wie sollte nicht die Hausmacht kräftig cmporgchcn? Ihr Wappen — in rotem Felde zwei
weiße Flügel und dazwischen eine weiße, beflügelte Spitze — erschien nunmehr überall, wo etwas wichtiges im Lande
zu vollführen war. Ein Heinz und Ott von Ortcnburg standen in des Notbarts Gnaden; Ott begleitete den
Kaiser auf seinen wälschcn Zügen und in den Orient, ein Friedrich half die Geschicke gegen den Böhmcnkönig
Otakar wenden und focht in der Marchfeldschlacht. Seit den Schweizcrkämpfcn und manchem Wal- und Krönnngs-
tag war eine Reichsunmittclbarkeit der Ortcnburgcr fast völlig anerkannt worden und auf ein Gebiet von mehr
als vierzig Gcviertmcilcn konnte schließlich die prächtige Grafschaft an den Geländen der fchönsten Alpcnsccn
angeschlagen werden. Der Giftmord der bösen Margarethe an Graf Friedrich brachte die reiche Ländcrerbschaft
an die Hauptannckticrcr unserer Drallländer, die Grafen von Cili; schließlich unterficng sich der Kaifer nicht ohne
Widerspruch der gcsammten Besitzungen (1453). Die Mannen der eifersüchtigen Nachbarn zu Stcrnbcrg lind
Wcissenstcin, spater des görzer Grafen Johann lind des Süldncrführers Witowitz beranntcn die Wälle der Ortcn-
burg. Wol hauste daselbst ein Amtmann an des Kaisers Statt, aber das alte ritterliche Leben unter dem
Banner der Flügel und der drei Stcruc war dahin. Wie die Landpflcgcr walteten, das erfuhren die hündischen
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Unser Vaterland
Steiermark und Kärnten
- Title
- Unser Vaterland
- Subtitle
- Steiermark und Kärnten
- Authors
- Peter.K. Rosegger
- Fritz Pichler
- A. von Rauschenfels
- Publisher
- Gebrüder Kröner
- Location
- Stuttgart
- Date
- 1877
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 28.1 x 42.23 cm
- Pages
- 344
- Keywords
- Wandern
- Categories
- Geographie, Land und Leute
- Geschichte Vor 1918