Page - 169 - in Unser Vaterland - Steiermark und Kärnten
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An den Ossiacher-, Afritzer- und Faacker-See.
Salamanka, stellt mindestens dieses restaurierte Kunstwerk in den rechten — Schatten. Wir wissen, daß die Wittwe
des Grafen Georg (gestorben 1640), lachenden Erben spinnefeind, ihre Schätze in geheime Kellerräume vergrub, den
dienstthuenden Manrer mit Hilfe ihrer Zofe nachstürzte, endlich diese selber mit goldgesticktem Pantoffel erschlug und nach
dem Tode als Schatten die Besitzer schreckte. Auch außerhalb ihrer Residenz haben sie die Geisterseher kennen lernen.
Dem von Kugler-Lübke gewürdigten Prachtbaue gegenüber steht das Bezirkshaus mit schönem Marinor-
portalc von 1537; einstmal bewahrte man eine Ahncnbilderrcihe. Der Schloßgarten prangte chmals mit seiner
Orangerie und südlichem Blumenschmuck; nun ist er mehr Naturpark und enthält auch ein paar Rümcrstcine.
Seit 1662 stehen die Fürsten Porzia im Eigentum dieser Güter, friaulische Edle, draus der Cardinal und der moskauer
Gesandte Hannibal (gestorben zu Spital 1763) die bekanntesten. Spital ist der Geburtsort des geistvollen, rcform-
frcundlichen und stilgewandtcn Publicistcn Vincenz Rizzi (geboren 1816, gestorben 1856), dessen Gedichte, seit 1834
verstreut erschienen, längere Zeit in Paul Renn'Z Nachlaß verschollen, gegenwärtig zur Herausgabe gesammelt werden.
Im Gebiete der Grafen von Ortcnburg, denen auch das Recht zu adeln zukam, betreffen wir drauabwärts
bis zum Rennstein bei Villach mehre Edelsitzc. Auf den: Waldbcrge, welcher jenseits nach dem Millstättcr-Scc abfällt,
lagert das wirtfchaftfreundliche Rotcnthurn, wo Wallenstcin bei Johann Georg Graf Ealamanka, dem Rcitcrobrist
(um 1620 bis 1630?) — Andre meinen beim obgcnanntcn kränklichen Georg — auf Besuch gewesen sein soll;
fricdland-saganischc Münzen und ein altes Oclbild sollen das hierorts beweisen, nnd man beliebt, auf das „kleine
Gut im Kärntnerland" zu denken, welches Schiller in Akt V, Scene 5 seiner Tragödie einsticht. Der Jesuit
Fr. Markovich (gestorben Klagenfurt 1669) schrieb ein lateinisch Trauerspiel 1 i^'it1l>,näu8.
Bei Paternion-Nikclsdorf münden die Graben des Weißcnsccthals und auch von der Kreuzen (windische Höhe)
her, lebhaft durch Eisenhämmer, Zinnobcrgruben, Goldwäschercicn. Den Markt beherrscht das Schloß, ein Ortenburgcr-
Lehen in seinen Anfängen, nach seinem dermaligen Ansehen ein Erzcugniß des siebzehnten Jahrhunderts. Hans
Widmann aus Villach, zu Venedig Kanfhansfactor, die Metallgruben seiner Heimat ausnützend, gewann Reichtum
und Adel und schrieb sich seit 1649 de Rezzonico; mit den Herrschaften Paternion und Sumcrcgg kam das Barunat
und seit 1640 sogar der Grafentitel von Ortenburg. Das rasch emporgestiegene Haus residierte fortan zu Venedig,
daheim arbeiteten die Nagelschmiede und Drahtzieher für die fernen Patrizier und Cardinäle.
Bei Puch öffnet sich das enge Krasthal, cm ncustcns aufgeschlossener Fond von Marmorbrüchen, wie denn
auch der Gummcrer-Stein weit verführt wird. Die Sockel zum grazcr Schiller- und Erzhcrzog-Iohann-Denkmale
stammen von hier. Die Abfälle des Mirnocks, der Hinterwand des Millstätter-See's, 2102 Meter hoch, aussichtrcich
in der Linie Taucrn-Eiscnhut-Sulzbachcr, dann die Gehänge der Ambcrgcralm umcngen das Thal. Bei Obcrvcllnch
(mit dem möllthalcr Orte gleichen Namens oft verwechselt) sind wir wieder im Hauptthalbcckcn von Villach.
An den Gssiacher-, Afritzer- und Faacker-Hee.
Aic Rudolphsbahn versetzt uns nach Ossiach — in vicrundzwanzig Minuten eine vollständig veränderte Sicht.
Das langehin ergossene dunkelbläuliche Gewässer des zweitlängsten kärntischen See's schimmert durch ein hochumrändertcs
Thal, das mäßiger im Süden, imponierender im Nord durch die weiten Waldenden der Görlitzcn (1916 Meter)
abgeschlossen ist. Unten drei Viertelstunden breit, an sechstausend Klaftern lang, liegt der Ossiacher-See höher als
der Wörthersce um 223 Fuß, wird vom Millstättcr um 358 Fuß übcrtroffcn nnd erscheint tiefernst im Tannen-
düster des Glimmerschiefers eingebettet. Der namengcbcnde Ort liegt wie beim Wörthcrsce auf der Schattseite, der
Straßenzug lauft bei allen dreien auf der Sonnseite. Die größte Tiefe, auf der Ausflußseitc im West, wird
mit 420 Fuß angegeben, von da eilt der emsige Eeebach in die Dräu heraus; im Ost bezeichnet der Tiebelbach
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Unser Vaterland
Steiermark und Kärnten
- Title
- Unser Vaterland
- Subtitle
- Steiermark und Kärnten
- Authors
- Peter.K. Rosegger
- Fritz Pichler
- A. von Rauschenfels
- Publisher
- Gebrüder Kröner
- Location
- Stuttgart
- Date
- 1877
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 28.1 x 42.23 cm
- Pages
- 344
- Keywords
- Wandern
- Categories
- Geographie, Land und Leute
- Geschichte Vor 1918