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Geographie, Land und Leute
Unser Vaterland - Steiermark und Kärnten
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178 harnten. Pfarrkirche, Werkstätten, Iudenviertel. Zu diesem kommt eine neuausgewurfenc Wasserstraße vom See herunter; die Ritter aus dem benachbarten Schlosse Halleck, ihr eigen Stadthaus in der Wicnergassc innehabend, besorgen die Ummauerung der Stadt und es erhebt sich je eine Pforte im Ost und im West. Dazumal wären wir mit unsrem Lindwurm-Schaupunkt auf offenes Feld südlich der Stadtmauer zu stehen gekommen, und — wir setzen den Fall, wir schritten durch's Westthur (beim jetzigen Landhaushof) in die nm sechs- hundert Jahre Verjüngertc Stadt, was schauen wir? Einen größten Maucrblock mit tiefem, schmalem, etwa rund- bogigtem Gefenster, das ist des Herzogs Jagdschloß knapp an der Mauer; einen Hof neben dem Rüdenhnus, etwas Grasgarten mit Lindenschatten, ein Pfarrcigchöft mit einer Rundbogenkirche und unansehnlichem Zwiegethürm, rings der Fricdhof, die Todten und Lebendigen gut nachbarlich beisammen. Hinter der Mauer draußen ein Wicscnbach (jetziger Heuplatz), vor derselben die Abfolge der Scitcngäßchcn zu ciucr großen westöstlichen Hanptgasse, zugleich Platz, wo das alte Marktrichtcrhaus, zum neuen städtischen Nathausc herausgeputzt, an vieren oder dreien Seiten möglichst frei dasteht; im Ost, wo der Bach sich hcrabwcndct, der Iudcnwinkel nächst dem zweiteinzigcn Thor nnd dann, die jetzige Burg-Umgcbuug hinausschließcnd, wieder die Gasscnabfolgc nördlich vom Obstplatzc mit der Hauptnder der Kramergassc. Das wär' das Um- und -Anf, an sechzig Häuser und wenn's hoch kommt zwölfhnndert Bewohner. Dazumal mußte man zum Habsburgischen Landgcbictc erst über die Koralpe gehen; diesseits herrschten, allerdings unter des deutschen Kaisers Oberhoheit, seit der Gantrennnng von Bayern (97tt) und nach den Zähringcr-Fürsten, nebst mehreren geistlichen Herren im Lande die Spanhcimcr, nach ihnen die görz tiroler Herzoge, und als die Ocstreichcr zuerst mit ihrer Macht herüberlangten, blieb Klagcnfurt vurspiclswcise von 1367 — 1311 in ihren Händen. Seit 1335 ist das Herzogtum Kärutcn habsburgisch und Klagenfurt etwa die drittwichtigste Stadt. Die Kriegszeiten der Türken anno 1473 von Lcngdorf gegen die Trau ziehend, der Magyareil von 1480 — 1490, der bündischen Bauern werfen ihre Wogen in die Stadt nnd vier Jahre nach dem letzten ausgiebig zerstörenden Stadtbrande erhielten die kärntischen Landstände in ihrem Sitze zn St. Veit, der Hauptstadt, das Recht, ihren Ratssaal und ihr Zeughaus uach Klageufurt hinab zu verlegen, dort ständig (wie ausnahmsweise schon 1488) die Landesvcrsainmlungcn zu halten, eine neuzeitige Befestigung gegen den türkischen Erbfeind einzurichten und die bisherige landcsfürstliche Stadt als ihr Eigentum, als ständisch, anzusehen. Das geschah 1518. Die Bürgerschaft wehrte sich und schickte zwei Redner an's Hoflagcr des Kaisers Max; aber die Piken und Karthauncn unter dem Feldhauptmann Wichfenstein vor den Mauern gaben endlich den wulverbricftcn Anfprüchen der Stände allen Nachdruck. Seither ward das alte Stadtklcid zu enge. Was an Bauten des Beamten- und Geldadels sich in der Glanstadt vorfindet, stammt aus diesen Zeit- läuften. Die großen Burgherren draußen in den waldreichen Thälern des Ober- und Unterlandes hielten sich hier ihre Abstcighäufcr, bedurften dazu der ausrüstenden Handwerker und mehr als eines Thor- und Thürwärtels. In den ersten zehn Jahren fchritt man an die Ticfer-Aushcbnng dc« Lendtanals, der noch jetzt nächst dem Schlosse Loretto in den See schneidet und in der Stadtbucht nächst der hübschen evangelischen Kirche und der schlanken Elisabethbrücke den Hafen für Dampfboot nnd Holzschiffc bildet. Das Bastioncnwcrk, welches bis in unsre Tage herein grußtcnthcils abgebrochen, durchschnitten oder zu Hauc- einbauten verwendet wurden, die Grabcnanshöhlungen, die noch jetzt allenthalben ein gähnendes Thal nächst dem Berge bilden, die Schütt genannt, entstanden alle nach 1534 und brauchten wohl vierzig Jahre bis zu vollem Abschlüsse. Durch wälsche Manrcr wird ohnehin im Lande seit Römerzeiten vorwiegend gebaut, Wälschc mit dcntschen und windischcn Handlangern regten hier wie bei den steierischen Festungswerken ihre schwieligen Hände. Die Gcldschaffcr für alle diese Unternehmungen, welche keine Million Gnlden kosteten, waren die Stände; ihr Sitzungshaus schien daher, trotz der landcsfürstlichen Burg, das Eentralc, bewehrt durch ein reichbestelltes Zeughaus voll Harnaschcn, Piken, Radschlußgcwehren nnd Karthauncn. Mit der Münzung war aber gegenüber dem Landcsfürsten kein rechtes Aufkommen. Während der fünfzig Jahre, als in Graz die Hofhaltung und Negierung feßhaft war, gerechnet von der Zeit dcs Bastionschlusscs gegen H'ölkermarkt (1564), wnrden in Klagenfurt die eingreifendsten Neuerungen
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Unser Vaterland Steiermark und Kärnten
Title
Unser Vaterland
Subtitle
Steiermark und Kärnten
Authors
Peter.K. Rosegger
Fritz Pichler
A. von Rauschenfels
Publisher
Gebrüder Kröner
Location
Stuttgart
Date
1877
Language
German
License
PD
Size
28.1 x 42.23 cm
Pages
344
Keywords
Wandern
Categories
Geographie, Land und Leute
Geschichte Vor 1918
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