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^lagenfurt und Umgebung.
sechzehnten Jahrhunderts aber verschwunden. Außer den Landesämtern beherbergt dieser Bau noch die Landesmuseen.
Im Erdgcfchoße waren vormals das Zeughaus und die Münzstätte etabliert, im ersteren gab es noch im Jahre 1780
sechsundsiebzig Gußkanonen, neunzehn eiferne, hundertundachtundvierzig Doppelhaken, zweihundertundfünfzig Karabiner,
vierhundertunddreißig Harnische, sechshundert Schwerter, viertausend Gewehre. Aus der letzteren giengen die klagen-
furter Dukaten für die Schießfeste und die Burgfricdfeier hervor. Das Rathaus, eine der weitesten Stellen des
langgezogenen alten Platzes beherrschend, ladet durch sein Portal mit den etwas korinthisch gehaltenen Halbsäulen
zum Eintritt; das weitbogig überspannte Erdgeschoß mit den tostanischen Säulen, die zierlichen Hofarkaden, endlich
in den Gemächern mancherlei eingelegtes Holzwerk lohnen den Besuch dieses inmitten des Marktlebens, der Stadt-
auflaufc, der Brandschrccken, der Hcerdurchzüge wichtigen Amtshauses. Das wasscrspeien.de Löwenpaar, das Pranger-
stehen warm Bildchen aus halbvergangener Zeit.
Aus dem nächsten nach Osten liegenden Eckhause schaut ein Steinkopf. Er wird auf
denselben Bäckerjungen bezogen, welcher, des Gelddiebstahls angeklagt, voreilig gehenkt,
dann unschuldig befunden und dadurch Anlaß ward, daß die reuige Ratsbürgerschaft
hinfüro den Namen der Glanstadt für ewiglich umtauschte in den Namen Klagcnfurt.
Das Westendhaus des Altplatzes, ehemals mit
den Zeichen „der goldenen Gans", gilt als das Her-
zogschloß; auffallend ist an demselben der Rundthurm
des Hintergebäudes und das Vorkommen römischer
Steine (Minotaurus-Relief). Seit Max I. war
die Mode „auf innsbruckerifch" beliebt, man ließ
die Zinnen wol geschnitten Vorschauen und hielt
den Dachstuhl mehr niedrig und flach. Das sollte
der Brandgefahr wehren. Ansehnlicher gestalten
sich die Stadthäuser des Grutzadels: der Dietrich-
stein, Egkh, Ernau, Halleck, Kemcter, Khevenhiller,
Paradeiser, Rauber, Roscnberg, Seenuß, Thurn,
Ungnad, Ursenbeck oder der Prälaten (Gurk, Tei-
nach, Victring), welche wie in anderen östreichischen Städten hier die nach ihnen benannten Höfe inne hatten. Die
jüngeren Bauten dieser Art sind die Palais der vornehmen Berg- und Fabrikherren: Christallnigg, Dickmann, Egger,
Herbert, Rauscher, Rosthorn.
Eine der freundlichsten unter den Großbauten liegt draußen am Ostschlusse der Stadt. Das erzherzog-
liche Rcsidenzschloß, für die Kaisertochter Marianne a I», Hetzendorf erbaut und eingerichtet in den Jahren 1780
bis 1783, lockt den Besucher mit italischer Freundlichkeit und eröffnet ihm seine weitläufigen schlichten Gartenanlagen.
Hier wohnte die kunstsinnige und kunstgeübte Tochter der großen Maria Theresia und entwarf die Plane der Landes-
durchfurschung und ihres armutfreundlichen Wirkens. Hier waltete 1789 bis 1822 in gleichem Geiste mit leider
allzufrüh erschöpften Mitteln der Cardinal Franz X. Nltgraf von Salm-Krautheim-Reifferscheid, Bischof von Gurk;
hier wohnte 1809 der Vicckönig Beauharnais.
Unter den Kirchen der Stadt Klagenfurt gebührt der Stadtpfarrkirche weitaus der Altersvorrang. Nach dem
Jahre 800 gegründet, auf mäßigem Plane in romanifchen Formen geballt, wurde sie fortdauernd als eine Zugehürde zu
Mariasaal am Zolfelde betrachtet bis 1603, und drückte so den Zusammenhang der neuen Herzogtums-Hauptstadt mit
dem Vororte Noricums aus. Vor gothischen An- und Einbauten bewahrt, um 1620 verschönert, mit zwei Thürmen
ausgerüstet, wurde das im Erdbeben von 1571 halbwegs, in jenem von 1690 durchgreifend beschädigte Gebäu von
Grund weg erneuert und die Thurmspitze 1709 abgeschlossen. Der Hauptaltar mit dem Bild Cusseti's aus Bassano
Rlagenfurt: Im landhaushof.
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Unser Vaterland
Steiermark und Kärnten
- Title
- Unser Vaterland
- Subtitle
- Steiermark und Kärnten
- Authors
- Peter.K. Rosegger
- Fritz Pichler
- A. von Rauschenfels
- Publisher
- Gebrüder Kröner
- Location
- Stuttgart
- Date
- 1877
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 28.1 x 42.23 cm
- Pages
- 344
- Keywords
- Wandern
- Categories
- Geographie, Land und Leute
- Geschichte Vor 1918