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I^lagenfurt und Umgebung,
Razendorf in der
Westhälfte, Maria-
Saal, Arndorf, Pof-
sau, Töltschach und
dem Töltschacher-
Waldc in der Ost-
hälftc, nnt offenen
Fcrnsichtcn auf die
Weitalm, mit dem
Sirbitzkogl, näher
den Taggcnbrunner-
Waldrückcn im Nor-
den und auf die
ganze mächtige Kara-
wankcn-Kcttc an der
Südgrenze des Lan-
des überragt von den
jenseits der Savc sich Maria-2aal. erhebenden Korh-
phäcn der julischcn
Alpen, den fast an
3000 Meter hohen
Triglnr, Prcstrclenik
Rasor :c., reichend
herwärts vom Mit-
tagskogl bis hinab
zur Obir. Inner-
halb dieses Rund-
bilder entwickelte die
alte keltische nnd schon
in der Iulicrzcit von
den Römern bis an die
nordöstlichen Wein-
gchänge ausgedehnte
Stadt Virunum ihr
Leben durch mehr als
ein halbes Jahrtausend. Eine Stunde im Umfange messend, mit dem Centrum etwa zwischen Zolfeldwirt, Stanglgut,
Arndurf, zumeist gegen den Töltschachcr-Wald hin, gegen die Secdünstc gedeckter als die Neustadt, möchte sie an acht-
tausend Einwohner in mehr als siebcnhundcrtnndfünfzig Häusern beherbergt haben. Größer als Cclcia uud alle steierischen
Römerstädtc, Vorort des mittelländischen Noricum, in der nach-antoninischcn Zeit wahrscheinlich Sitz des Procuratorc-,
kein Lcgionsstandort, jedoch im Handelszugc zwischen Germania und Italia wichtig, stand die zur claudischcn Tribus
gezälte Stadt, soviel wir aus der Feinheit der reichlich gefundenen Wandmalereien, der Marmorstandbildcr nnd Reliefs,
des Thun- und Bronzcgerätes schließen dürfen, anf einer achtungswcrtcn Bildungsstufe. Das Forum, die Amtsgcbäudc,
die Tempel für Jupiter, Serapis, Mithras, Mcrcnr, Diana, das Theater, die Wasserleitungen müssen ganz respektable
Bauteu gewesen sein. An der Zal der fünfhundert römischen Schrift- und Rclicfstcinc Kärntens nimmt dieser Stndt-
bcrcich allein mit der Hälfte theil; das Münzwcscn soll von der letzten keltischen Zeit bis Magnentius, um 353 nach
Christus, reichen. Sowol C. Plinius nennt die Stadt als Kl. Ptolemäus; dieser stellt sie unter den nämlichen
Meridian wie Rom. Den Untergang Virnnums setzt man in die Zeit der Hunnen-Einfälle und denkt wie bei
Tcurnia im Lurnfelde auf Brand und rasche Dcmulierung; allein die mächtigen Einschutthalden nnd die mäßig hohe
Kohlschichte müssen auch den Gedanken auf Erdbeben und Ucberschwcmmung aufkommen lassen. Von den Jahren
450 bis 750 wissen wir so viel wie nichts über die hcrabgekommenc Stadt: die Ueberlieferung von einer obcr-
lcitcndcn Stellung mag sich bei den cingcwandcrtcn Slaven dieses Gebietes fortcrhalten haben. Wie der alte Heiden -
gott da Thron und Tempel gehabt, so ward Thron und Burg dem Gaufürstcn cbcnhicr im Angesichte des Karnerbcrgs
errichtet; aber der von den christlichen Franken abhängige Herrscher glaubte auch das Kirchcnwcsen der Franken
daheim einführen zu sollen und so kam's zur Aufrichtung der ersten Christenkirchc nächst dein Thronfcldc. Maria-
Saal mit der Geschichte seiner Anfänge wirft die letzten Leuchten auf die verschwindende Römerstadt. Weder von
einer Zollgabe, noch vom Sonncngotte ist der Boden seit den Schriftzciten des Mittclaltcrs genannt worden, wie
denn auch die Maricnwidmung von Saal gewiß nicht eine ursprüngliche ist. Seit des 12. Jahrhunderts Mitte lesen
wir in Urkunden erst wieder vom Soluclt, einem Fridericus de Zole. Die Kirche 3,ä (ÜHraut^nuiii saiinm ist
wahrscheinlich einem Röinertcmpcl unmittelbar aufgesetzt. Des Gaufürstcn Karast Nachfolger, Ccitumar, erhielt vom
salzburgcr Bischöfe Virgil den Wandcrprcdigcr Modcstus; das Wuhnhäuschcn Modcstistöckl, ein Christbild des Altars,
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Unser Vaterland
Steiermark und Kärnten
- Title
- Unser Vaterland
- Subtitle
- Steiermark und Kärnten
- Authors
- Peter.K. Rosegger
- Fritz Pichler
- A. von Rauschenfels
- Publisher
- Gebrüder Kröner
- Location
- Stuttgart
- Date
- 1877
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 28.1 x 42.23 cm
- Pages
- 344
- Keywords
- Wandern
- Categories
- Geographie, Land und Leute
- Geschichte Vor 1918