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I^lagenfurt und Umgebung. ,93
Die doppclthürmige Kirche auf dem in's Thal verlaufenden Maria-Saalerberge gehört zu den zwei altehr-
würdigcn Stellen, dem Herzogstuhle, dem Fürstensteinc, wie ein Unentbehrliches. Der herzogliche Lehen-Doppelstuhl
unten nächst der Reichsstraße in der Ebene, die glänzende Metallschrift im Eisengitterwerk tragend, ist seit mehr als tausend
Jahren zusammengefügt aus römischen Bau- und Schriftsteinen, welche die Worte weisen Nasußti Vkri, noch einmal
Vsri, und Zeichen wie V. N. ^. v. V. X. Jene sind auf einen Römer Na,8n6tu8 VsruZ zu beziehen, diese wenig-
stens nicht ohne Zusammenhang mit vumitianuZ üux oder linäoltns äux. Hier vertheilte der Landesfürst feier-
lich die Lehen; voraus-
gegangen ist unmittelbar
der Festzug von Maria-
Saal herab, wo dem
fürstlich gekleideten Her-
zoge in der Fcsthallc
der Marschalk, Truchseß
und Mundschenk gedient
und die Pokale der Laien
nnd Pfaffen geläutet
haben. Im Dome hat
der Herzog noch mitten
in der Pracht der Klerisei
als Banernhäuptling ge-
standen, mit dem Krcmv-
hut, dem Graulodcn,
Riembundschuh und Treib-
ftab; so ist er von
Karnburg herüberkommen.
Jetzt aber thront er hier Herzogsstuhl, mit allem Schinucke als
Richter, als Lehenshcrr,
in Begleitung der Grafen
und Edlen nnd Standes-
gcsandten des Landes.
Die der Huldigung zu
Rense nicht unähnliche
Feier sah Meinhard von
Tirol 1286, Otto der
Freudige 1335, Albrecht
der Lahme 1338, Ernst
der Eiserne 1414; auch
Erzherzog Karl 1564,
Kaiser Ferdinand I I . 1597
saßen auf diesem Stuhle.
Seither ist von dem Feste
nur die Huldigung ge-
blieben, Friedrich IV.
nahm sie zu St. Veit ent-
gegen, K. Leopold 1660
und Karl VI . 1728 im klagenfurter Landhaussaale. Die Stuhlfeier hat Fromiller's Pinfel verewiget, hat Herder
besungen und A. Grün im ,,Pfaff von Kahlcnberg" auf's Neue in Erinnerung gebracht. Wenn der Wanderer
„durch das Moos des Zolfelds kam.
Da staunt' er, daß zerstreut so weit
Der alten Noma Riesengebeine —
Da liegt ein Block auch nraltfahl,
Das ist ein altes Freiheitmal.
Hier gab der Fürst in diesen Gau'n
Die Leh'n, nachdem er selbst das Land
Zu Leh'n erst nahm aus Bauers Hand,"
Wir wandern querfeldein, von freigrafenden Rossen begleitet, über das stille Arndurf nach dem freundlichen
Töltschach, nach Possau, Schluß Meißelberg und herwärts vom „Prunnerkreuzc" die Bahnsträngc überschreitend nach
Tanzenberg und stehen hier vor der vermeintlichen Wiege des letzten Ritters. Das weitläufige, auf halber Berghohe
stehende, von dichtem Baumwuchs umgebene Schloß mit weißen Fronten zält so viel Fenster als Tage im Jahre,
so viel Gemächer als Wochen, so viel Thore als Monate. Zwar der Hauptbau stammt aus den Zeiten des
salzburger Erzbischofes Leonhard von Keutschach, der die Straße bis Klagcnfurt mit Thalern belegen konnte, lind
aus der Spätrcnaissancc der große Saal im Südtrakt mit den zwei Weißmarmor-Kaminen. Nach den Attems,
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Unser Vaterland
Steiermark und Kärnten
- Title
- Unser Vaterland
- Subtitle
- Steiermark und Kärnten
- Authors
- Peter.K. Rosegger
- Fritz Pichler
- A. von Rauschenfels
- Publisher
- Gebrüder Kröner
- Location
- Stuttgart
- Date
- 1877
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 28.1 x 42.23 cm
- Pages
- 344
- Keywords
- Wandern
- Categories
- Geographie, Land und Leute
- Geschichte Vor 1918