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harnten.
seiner zalreichcn Oclporträts. Ein geborncr St. Vciter endlich ist auch der Prämonstratcnscr-Abt von Griffen, Gottfr.
Maycrhufcr und Thaddäus v. Rcyer, bekannt durch seine Studentenstiftung.
Mit einem Ausbugc gegen die im Osten vorübcrflutcndc Gurk besuchen wir — es ist vollends eine Lcmdcs-
Ehrenpflicht und unumgänglich wie eine Glocknerfahrt — die kärntnerische Haupt- nnd Prachtburg Hochostcrwitz. Wie
Karlstein in Böhmen, Nicgersburg in Steiermark berühmt ob ihrer festen Lage, stolz aufgethürmt, starrt sie weithin
in die Lande, am wundersamsten, wenn nach rauschenden Wetterschlägen das verstreute Hochgcbäu mit dem Kroncnbund
und der ausgewaschene Steilfelsbluck im grellen Abendscheine prangen. Diese ringsum freie Kalkstufe nächst der Bahn-
station Launsdorf, aus fruchtrcichcm, flachhügcligem Gefilde an die acht bis neunhundert Fuß aufsteigend, vielleicht von
den Römern bebaut, benachbart dem Nordabhange des Magdalcnsbcrgcs, mag in der ersten Zeit der salzburgischen
I j)rinzhofor,
Gcbietsgründungen im neunten Jahrhunderte mit einem Ansitze brdacht worden sein. Am deutlichsten scheint die Sage
zu sprechen von der Zeit, als nach dem Tode des letzten Görzcrs und Kärntncrhcrzogs Heinrich dessen Tochter Margarcta
das Herzogtum, welches der Kaiser schon den Hnbsburgcrn Albrecht dem Lahmen und Otto dem Freudigen zugesprochen,
für sich in Anspruch nahm, mit Gewalt der Waffen. In Romanen und Balladen und Theaterstücken oft genug
vorgeführt ist, wie
Vor Osterwitz dem festen Schloß die böse Mcmltafch lag.
Wie sie's zum Falle bringen möcht, das sinnt sie Nacht und Tag.
Die Einschließung des flüchtlingvullcn Fclsenncstes, die Aushungerung, die täuschende Hinabwälzung der letzten
Stierhaut mit dem letzten Scheffel Roggen unter lustigen Hurnfanfarcn, der Groll und der Abzug der argen Drängcr,
die Aufschüttung des Hügeldcnkmals durch jeglichen Kriegers Hclmgabe: das ist eine Fabel, seit Jahrhunderten
gern erzält, jedem Landcskinde seit Fibelzeiten geläufig und durch die Gelehrten mit Mühe hinwegbcwiesen. Man
sieht daher wol ein, daß der in den Rüsthallcn oben gezeigte Rundhut der Männin einige Verwandtschaft mit dem
Rock von Trier habe. Nach dem Ausgange der alten Osterwitzer, deren letzter im Jahre 1480 zu Stambul als
Gefangener endete und nach Abgabe des Mundschcnkamtes an die Dietrichsteine, zog das Schloß als nicht vergebenes
Lehen der Kaiser an sich und Friedrich IV. that hundertundsicbenzig schwere Geschütze hinein. Die Baumkirchcrzeit
sah die Veste durch den Kolnitzcr bewacht, hauptsächlich gegen die eingedrungencn Ungarn, aber auch für die eigene
Faust, so lang sie nicht zerhauen war. Der „letzte Ritter" hielt die Hochfelsburg seinen stralendsten Gemmen gleich
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Unser Vaterland
Steiermark und Kärnten
- Title
- Unser Vaterland
- Subtitle
- Steiermark und Kärnten
- Authors
- Peter.K. Rosegger
- Fritz Pichler
- A. von Rauschenfels
- Publisher
- Gebrüder Kröner
- Location
- Stuttgart
- Date
- 1877
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 28.1 x 42.23 cm
- Pages
- 344
- Keywords
- Wandern
- Categories
- Geographie, Land und Leute
- Geschichte Vor 1918