Page - 205 - in Unser Vaterland - Steiermark und Kärnten
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Glanthal. 205
und ordnete und stellte hier in dichter Auswal seine Hakenbüchsen und Falkaunen und Feldschlangen, seine Piken und
Partisanen, Panzerstcchcr und Beiderhändcr cm, wie das noch die kaiserlichen Zcughausbüchcr besagen. Aber Erz-
herzog Karl entäußerte sich des schönen Besitzes und gab das Castell an Georg Kheuenhiller, den Landeshauptmann
und Obersthofmcistcr. Jetzt erhielt die Vcste ihr schönstes Fcicrkleid in den Zierden deutscher Spätrcnaissancc. Durch
vierzehn Thore, die theils mit Zugbrücken, Schicßspaltc», Pcchnasen, Flankierthürmchen, Mordgalcrie, Gußlöchern, Zinnen,
Reliefs und Bibclspruchstcincn nächst den Thorbogen versehen, erklimmst Du die Wendclstraße; es wird Dir ganz
ritterzcitmäßig zu Mute. In der Kapelle liesest Du Georgs Mahnung an die Urenkel, die theure Burg nie zu ver-
kaufen, vertheilen, vermieten. Nun erscheint der Schloßhof, rings umbaut wie in breitester Ebene, drüben die Kapelle,
die dreihundert Fuß tiefe Cistcrne, hier die Hauptfronte der acht Gemächer mit Familicnbildcrn, mit der Treppe in
das tiefe dunkle Felsgeinach, die Eckthürmc mit dem Aufzug, das Zimmer für die Nonnen aus St. Georgen; im
rückwärtigen Qucrbau die Rüstkammer mit den Mcmorabilien, den Landskuechtrüstungen und dem Riescnharnisch;
das ist ein kleinster Rest gegenüber dem unter Joseph II . aufgelösten Bestände und der im Jahre 1809 durch die
Franzosen auf zwanzig Wagen fortgeführten Schätze. Wie wolltest Du mit dem altcrthümlichcn Krimskrams, mit der
Wunderaussicht, mit dem Sprachrohre, mit dem heimlichen Gericht der eisernen Jungfrau, mit dem Iungfcrnsprunge
und der Geschichte vom rettenden Büchclbauer, dem in der Kapellenbank ungestört fortbctcnden Ritter, dem namcn-
reichen Frcmdenbuche so schnell fertig werden? Wie oft haben die klagenfnrtcr Musensöhne die Ritterburg tunst-
und zeitgerecht erstürmt, nnd wann sind die jungen Helden deß je fertig geworden? Wahrhaftig, es ist nur Ein
Ostcrwitz und gerne sind wir sein Prophet.
Nördlich jenseits des kahlen Vcrgzugcs an leichtem Waldrandc glänzt in behaglicher Ruhe St. George» am
Längsec. Die Klosterbauten, für die Benediktiner zugerichtet vor fast neunhundert Jahren durch den Lurncr Grafen
Otwin, durch die Ungarn ausgebrannt, die Türken geschreckt, sind ein gar traulicher weltlicher Ansitz geworden.
Da zur Zeit Wallcnsteins dies das einzige Frauenstift im Lande war, so bezieht man hierher die Worte der Gräfin
wegen ihres und Theklas Zurückgchcns nach Kärntcn. Wollte man dem Dichter in Allem aufs Wort horchen, so
könnte des treuen Dieners Gut, von welchem er fürchtet, „sie nehmcn's ihm", etwa auch um den Längsee gelegen haben.
Dieser Wasscrplan von unbedeutender Ausdehnung, etwa dem halben Faackerscc gleichkommend, überdeckt altes, Pfalwcrk.
Die Kraiger Schlösser wollen wir nunmehr aufsuchen, Fraucnstcm, Freiberg, Hungerbrunn und Taggenbrunn,
und im oberen Glanthale alle die Herzoghof-Zierden der vorhabsburgischen Zeit. Da werden wir, angesichts der
aufgeschichteten umlaubten Fclsgeschiebc, in einem Durchgangspassc aufgehalten von keck hingestellten Warten und Boll-
werken und Hochwänden zweier durch ein verfallenes Wafser-Gerinn verbundenen Castelle, geheißen Alt- und Neukraig.
Das ist die Truchseß-Burg; die ältere fclscngehaucne verkommt im Gcschlüft uud Gestrüpp, die untere, neuere droht
noch mit dem kcrnhaftcn Vierstock-Bcrgfricd und auf dem Anstieg ragt noch ein zweiter. Die alten Haudegen uun
Kriwig oder Chreich, als welche sie seit etwa 1090 auftreten, gelangten recht zur Geltung erst nach den Auffcu-
steincrn, die aus ihrem Tiroler Gebiet bei Matrci herbeigekommen waren. So sicher als ein Kunrad mit der Maul-
tasch nichts zu schaffen gehabt, war ein späterer mit Kaiser Karl IV. in Mailand, waltete gegen die Eidgenossen
in Zürich, herrschte als Landeshauptmann in Kärntcn und Kram; ja nach Suchenwirts Lobeswortcn gelegentlich des
Litthauer Zuges saß Kunrad der Kraigcr beim Ehrentisch der zwölf Tapfersten an der Seite des Dcutschurdcnsmeistcrs
Winrich von Kniprodc als Erster. Die Burg aber wechselte nach der Reihe ihre Besitzer, zerfiel rascher seit zwei-
hundert Jahren, indeß der Hcrrschaftsitz der Go^s zu Hungcrbrunn aufgeschlagen ward.
Seinen verwettcrtcn Thurm und vcrbröckeltcs Hallengemauer zeigt da Freiburg oder Freibcrg, einst span-
heimischcs Jagdschloß, der Sitz des strafenden Hcrzogsuhnes Otto von Tirol, als mit dem Karlsberger, dem Pulstcr-
Cumthur, drin Türliner von St. Veit auch Cunu von Frcibnrg auf dem Stadtplatze geviertheilt wurde. Hinter dem
Bollwerk der von St. Veit nach Obermühlbach ziehenden Schlucht taucht auf der weitgeplanten Hochebene das noch
gut zusammenhängende nnd wechselvoll gezeichnete Maucrwerk von Frauenstein herauf mit seinen Wällen, Rund-
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Unser Vaterland
Steiermark und Kärnten
- Title
- Unser Vaterland
- Subtitle
- Steiermark und Kärnten
- Authors
- Peter.K. Rosegger
- Fritz Pichler
- A. von Rauschenfels
- Publisher
- Gebrüder Kröner
- Location
- Stuttgart
- Date
- 1877
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 28.1 x 42.23 cm
- Pages
- 344
- Keywords
- Wandern
- Categories
- Geographie, Land und Leute
- Geschichte Vor 1918