Page - 214 - in Unser Vaterland - Steiermark und Kärnten
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2, H harnten.
Außerhalb des Thales an der Metnitz liegt die Bahnstation für das ganze durchwanderte Gebiet des Gurk-
thales, nämlich Hirt, ein Eisenwerk mit Hochofen, gleich Gurk und St. Saluator, welches unter Cardinal Salm
umgebaut und mit praktischen Holzzuschwemmen und jener billigen watschen Kohlung versehen wurden; durch Steicr-
mark und Ungarn ist damals das Vorbild iu aller Raschheit gewandert und man hoffte das Wettspiel mit dein
englischen, schwedischen, russischen Eisen getrost zu bestehen. Das an sechs Stunden weite, gesegnete, emsig angebaute
Krappfcld thut sich dem erstaunten Blicke auf, sobald man die Thalhöhe hinter Schloß Zwischcnwässern (Ncupöckstein)
gewonnen hat. Zwischen dem von Nord herzuflutcndcn Mctnitz-Bache und den Gurk-Auen hineingestellt, athmet
das unter Cardinal Salm durch Hagcnancr im Jahre 1780 vollendete Summcrschloß mit dem Freskensaale, mit den
französischen Prachtgärten reine Alpcnlüftc in idyllischer Friedfülle, welche kanm dnrch das vorbcischnaubendc Lucomutiv
oder die Erinnerungen an den hier cntsponncncn einzigen Kampf mit den Franzosen im Jahre 189.') gestört wird.
Dcnu der Pcndclschlag der Eisenhämmer gehört in Kärntcn zur „schönen Angewohnheit des Lebens" ; er ist was
die pikende Tchwarzwäldcruhr in der Stube, der wahre Herzschlag des Landes, der schmerzlich vermißt wird, dafern
er aufgehört zn pochen, wie der Müller erschreckt aufwacht, wenn seine Mühlenräder nicht mehr poltern.
Daö Krappfeld loben wir vorweg als die Wiege des kärntischen Volksliedes; dasselbe ist im letzten Jahr-
zehnt durch die alt' und neue Welt getragen wurden nnd hat neuerdings in kunstgerechtem Satz sciueu verschämte»
Tritt über die Pforten der Concertsäle und dnrch die Portieren der tapetenglizcrnden Salons gemacht — jedoch
nicht ganz ist es aus dem heimatlichen Boden hinauszutragen mit all seinen Wurzeln nnd inneren Gängen, seinem
heilfrohen Aufschrei, seinem unsagbar süßen Weh und seinem heimlichen, unergründlichen Vcrsuntensein.
Leicht abgeschritten ist das Krappfcld. Beginnen nur mit Althofcn. Der meistens cisenhandclrciche Markt
theilt sich dnrch den Hügelanstieg in den nntcrcn und den oberen, gekrönt durch die alte Veste, das Gerichtshaus,
das Dickmann'fche Schloß und die Thomaskirche. Die davorlicgcndc Ebene, vielleicht das Feld frühester Slaven^
kämpfe, dann der Ungarnschlacht in des zehnten Jahrhunderts zweitem Jahre, wußte sich der salzburgischc Krummstab
von Kaiser Otto I. im Jahre 958 zu erwerben; dichtan wachte der Landcsherzog auf Burg Rabcnstcin auf dem
Murani'Bcrghang. Der Rabenstcin ward zwar gebrochen, aber aus dessen schützenden Blöcken gcthürmt erhub sich
die althofcncr Bcrgwartc. Diese mitsammt dem widcrwilligcn Markte hielten die Ungarn durch zehn Jahre besetzt,
als sie executiousmäßig für den salzburgcr Besitz in Eteicrmark und Kärntcn intervenieren zu müssen glaubten.
Mit Corvin's Tod hörte diese Politik auf. Gegen den Baucrnbund war ebenfalls diefes Fort der Sammelpunkt
der Reisigen unter H. Kotz. Was zwischen jener und der josephinischcn Zeit liegt, ist eine ziemlich gleichtönigc
Weise des alten Streitlicdcs um Eisenfladenzufuhr, Abwägung, Verzollung u. f. w. mit den Städten St. Veit,
Klagenfurt, Völkcrmarkt u. s. w.
Von der Bahn aus sichtbar glänzt und raucht und qualmt es zu Trcibach, dem Hochofenwcrk der Hütten-
bergcr Eisenwerks-Gesellschaft, mit den neuesten Constructionen ausgestattet, das Schloß des Grafen Eggcr mit
monumentaler Nublessc neben die Wcrkshäuser hingestellt; schon vor dreißig Jahren hat das Gewerk mit Heft,
Mosinz, Eberstein, Lölling in sechs Hochöfen über 271,000 Zentner Roheisen jährlich verarbeitet. In der Thal-
fahrt aber entrollt sich hier zunächst das weite, bestrickende Karawankenbild und taucht dem von Nord Kommenden
zuerst die Tcrglou-Gruppe auf.
Am Aufschlüsse des Silberthales begrüßen wir Silbereck, das liederrciche, ein Städtchenbild wolhabenden
Eindruckes, Ausgangsort des bei der wiener Weltausstellung accreditierten Bieres, eine Großwirtschaft ersten Ranges,
in welcher fast alle einschlägigen Gewcrbsarten unter Dach und Fach untergebracht sind.
Zwischen Reigcrsdorf und Zell, von der Bahnlinie überfchritten, wendet sich unser, nunmehr durch die
Glan verbreiterter Fluß unter dem Radsberg ftraks nach Osten, um unterhalb Grafenstein und Möchling in den
kärntischen Hauptstrom zu fallen. Das Schloß Grafenstein, unweit der durch Dietmar von Lungau 1116 gegrün-
deten Kirche aus den Blöcken der zerfallenen Prosnica-Burg erbaut, ist von den Gera 1589 an die Nuscnberg
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Unser Vaterland
Steiermark und Kärnten
- Title
- Unser Vaterland
- Subtitle
- Steiermark und Kärnten
- Authors
- Peter.K. Rosegger
- Fritz Pichler
- A. von Rauschenfels
- Publisher
- Gebrüder Kröner
- Location
- Stuttgart
- Date
- 1877
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 28.1 x 42.23 cm
- Pages
- 344
- Keywords
- Wandern
- Categories
- Geographie, Land und Leute
- Geschichte Vor 1918