Page - 220 - in Unser Vaterland - Steiermark und Kärnten
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220 harnten.
verschollen, nur noch nm ein Geraumes später als die berufene Stadt, vou welcher der Volksmund so viel und das
beschriebene Pcrgamcn so gar nichts weiß. Der starke Heinz von Silbcrberg trug eiumal einen Mahlstein vom
Dorfe Müllen bis an fein Heim und konnte doch unter der Steinplatte, die in der Kirche zu Friesach über ihm
sich schloß, nicht mehr erathmcn. Sein Söhnlein, das ihm, dem Wiedergekehrten aus den Strcitfahrten, artig u„d
hcrzvull lächelnd den Willkommbecher bot, das hat er in stürmischer Frendc todtgcdrückt. Bis Hörbach, eine Viertel
stunde vom Schlosse weg, erschoß seine Kugel einen Feind am Fenster. Arme Luitwindc uun Silbcrberg, auch dir
sei eiu Klaug der Erinnerung geweiht! Dem durch Raub reich gewordenen Ncudecker nächst der Einöde zuge-
sprochen, entfliehst du, iudcß die Fcstgastc schon die Lichter im Schlosse gelöscht, auf das Pfeilzeichen in die rettenden
Arme des geliebten Nachbars, Friedrich von Nlthaus; aber auf der mitternächtlichen Flucht durch des Hörafcldcs
Sümpfe uun dc« Gegners Horden erreicht, wirst du vor den Vater geschleppt nnd nach des Trunkenen Richtspruch
in der Heimatburg eingemauert, dein Treuer aber begraben unter den stürzenden Trümmern von Althaus! Doch
scheiden wir nunmehr aus diesem Erz- nnd Silbcrthale, in dessen dunkelnden Fichten- und Lärchcnhaincn das
Gchenl des Wolfes und der Ansriß wütender Füchse nicht ganz unbekannt ist, und wälen westwärts den Berg
Übergang nach Zcltschach, wo nach Fcllingcr „Güldenes die Knappschaft aus Gruben euch hallet." Den Zclt-
schachcrn widmeten wir schon im Gurkthnlc mehre Worte: wir kommen auf sie zurück, indem wir, nach der Wcrt-
schnft Olsa herab pilgernd, begierig eintreten in ciueu neuen Heimgarten voll neuer Blumen.
Das Mctnitzthal.
Wir verfolgen die grünlichen Wellengänge dec- Metnitzbaches aufwärts durch das imposante, von hehrer Ruhe
verklärte Thalgebreite, bis das uon Steinknppen gekrönte Thonschiefer-Gebilde des Eiscnhnt mit seinen zirmcnbcstandenen
Ausläufern des Landes und der Wandcrnng Grenze bezeichnet.
Kräftige Gestalten wandern da dnrch die wulgehaltcncn blanken Dörfer nnd der frisch-fröhlichen Greise erblickst
Du mehr als anderswo; nnd hat anch das Holzgeschlägc dnrch die bedächtig abfallenden Bergseiten manche schlimme
Furche gezogen, so scheint es doch allseits ein frisches, üppiges Grün die schöne Zukunft dieser wirtschaftrcichcn
Gehege zu verbürge».
Doch wir treten ja erst von den Olsahügcln gegen das Thal heran. Als eine wahrhafte Fclstastellstadt
stellt sich Fricsach dar. Nicht in der offenen Thalcbene wollte sie gedeihen, absichtlich suchte sie die verläßliche Lehne
an dem breitrllckigrn Berge nnd dessen vorgeschobenen Treppen auf. Noch kehrt sich ein guter Theil der geschalteten
Stadtmauer gegen die Alles eröffnende Bahnlinie heraus und schon von fernher fallen die grauen Hochwachten
in ihrer geschlossenen Abfolge, noch immer trotzuoll, dem nahenden Wanderer in's Auge. Es starrt fast eine eigene
Oberstadt, eine für sich giltigc Nuincnfruntc über dem ncuzeitlich rührigen Handclsortc. Der strengumschränktc Platz,
der Postplatz mit der marianischcn Pestsäule, der Propsthof mit den Römer- und Iudcnsteincn, das treffliche
rcnaissante Brunnenbecken des Marktplatzes, achteckig, der Pilaster mit feinem Ornament und kräftigen Atlanten, znr
Krönung endlich eine zierliche ncptunischc Bronzegruppe — wo beginnen wir billig? Das Fontaincstück, aus Schloß
Tanzcnbcrg um 1568 herbeigebracht, hielt man lange für römisch und erinnerte sich, daß die Altcrthümlcr hierorts
die Station Candaliec mit etwas Bezug auf die größere und wichtigere Stätte Noreia suchen.
Das größte der aufgethürmten Schlösser ist vom nördlichen Neumarkter-Thore her der Petersbcrg. Der
mächtige gcauadcrte Bergfried, eine überwölbte romanische Kapelle bergend, begrüßt uns als ein Prachtbau ersten
Ranges. Allerdings jünger als die Wandfrcsken ist das Oclbild auf Holz, die heilige Familie (1525), nm dcsscnt-
willen die Dürer-Jünger zur Petcrskapcllc pilgern. Das früher hier bewahrte älteste eiserne Geschütz für Steinlugel-
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Unser Vaterland
Steiermark und Kärnten
- Title
- Unser Vaterland
- Subtitle
- Steiermark und Kärnten
- Authors
- Peter.K. Rosegger
- Fritz Pichler
- A. von Rauschenfels
- Publisher
- Gebrüder Kröner
- Location
- Stuttgart
- Date
- 1877
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 28.1 x 42.23 cm
- Pages
- 344
- Keywords
- Wandern
- Categories
- Geographie, Land und Leute
- Geschichte Vor 1918